Biegener Kirchgeschichte V

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil V seit Beginn des 21. Jahrhunderts

 

  • Okt 2004 Die umfangreiche Sanierungsarbeiten, begonnen unter Pfarrerin Frau Perlwitz – Böhm finden ihr Ende unter dem neuen Pfarrer Herrn Althausen. 24 Balken der Dachkonstruktion sind gewechselt, Turm und Glockengestühl sind repariert, im Kirchenschiff wurden Dielung und Dachstuhl erneuert, das gesamte Kirchdach neu eingedeckt. Mauern wurden geklammert und geankert und die Fassade restauriert. Es entstand eine neue Wegebefestigung rund um die Kirche. Insgesamt wurden rund 500.000 EUR verbaut, welche von den 4 Kirchgemeinden, vom Konsistorium der Evangelischen Kirche, vom Kirchkreis, dem Landkreis und dem Land Brandenburg zur Verfügung gestellt wurden.
  • 1.1.2004 Aus der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsoL) und der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) wird die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) (Neubildungsvertrag pdf), eine neue Grundordnung tritt in Kraft. 
  • 2006 Dorfkirchentag
  • September 2007
Pfarrhaus Biegen

das Pfarrhaus in Biegen

ehemalige Schule

die ehemalige Schule, später als Kindergarten genutzt, heute Wohnhaus mit Gemeinderaum

Eingangstür

die Eingangstür, heute zum Gemeinderaum

  • 28.05.2010 Konfirmation

Spreejournal der MOZ

  • 11.07.2010 Dorfkirchentag
Dorfkirchentag 2010 Biegen

Gemeindeblatt September/Oktober 2010

Gemeindebrief 17/2011

  • 27.05.2012 Konfirmation

Gemeindebrief 25/2012 Konfirmation von Anna Döbis

  • Ostern 2013 Stiftung einer mit italienischen Spitzen gefassten Altardecke durch Frau Edith Zühlke. Im Juni 2013 ihren 100. Geburtstag feiernd, ist Frau Zühlke unser ältestes aktives Gemeindeglied.

Gemeindebrief 30/2013

  • 28. 02. 2014
  • Pfingstsonntag, 8.05.2014 Konfirmation
Konfirmation

Gemeindebrief 37/2013 Lea Brose (links) und Luise Pfundstein (rechts)

  • Pfingstsonntag, 4.12.2016 Abschluss-Gottesdienst für Rita Perlwitz-Böhm P.i.R. nach 30-jähriger Tätigkeit. Sie war von 1987 bis 1998 Pastorin für Biegen und Pillgram, später auch Briesen und Jacobsdorf.

Rita Perlwitz-Böhm P.i-R. Gemeindeblatt 8/2017

 

 

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.

Kirche Sieversdorf

Kirche Sieversdorf

  • 1250-1300 Kirche aus behauenen Granitquadern erbaut, Langhaus mit halbkreisförmiger Apsis und einem in ganzer Breite vorgesetzten Westturm mit spitzbogigem Westportal
  • 1393 urkundlich“Syuerstorp” 
  • An der Südwand auf der Orgelempore sind Reste einer frühmittelalterlichen Wandmalerei, diese entstanden am Ende des 14. Jahrhunderts. Die Bilder zeigen Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies, Eva mit Wiege und Spindel und Adam, der den Acker bestellt. In den 1950ern freigelegt, wurde nur dieses Stück restauriert, obwohl man davon ausging, dass die gesamte Kirche bemalt war.
  • 1400-1500 zwei Glocken, eine von 80 cm Durchmesser, am Hals spätgotische Minuskel “O o rex o glorie o criste o veni o cvm pace o” getrennt von Rosetten, die kleinere mit 50 cm Durchmesser trägt am Hals ein Weihekreuz, acht spätgotische Minuskel ohne Inhalt und den brandenburgischen Adler

Malerei

  • nach 1400-1425 kunsthistorisch bedeutsamer Schnitzaltar aus einer anderen Kirche, er besteht aus Teilen unterschiedlicher Zeit- und Stilepochen. Die zwölf katholischen Heiligenfiguren der Seitenflügel werden auf die Zeit um 1400 – 1425 datiert, die ursprünglich heiligen Jungfrauen wurden im Zuge der Reformation zu Aposteln umgeschnitzt, und man fügte ihnen Bärte an. Predella und Unterbau wurden bei der Restaurierung 2005 angefügt. Der alte Altar konnte nach dem Umbau im 19. Jahrhundert nicht mehr restauriert werden, an ihn erinnert heute nur das Altarmittelbild an der Südwand

AltarAltarbild

  • nach 1648-1700 verschiedene Umbauarbeiten, Anpassung der Fenster, hölzerner Taufengel (später auf dem Kirchenboden gelagert), silbervergoldete Pantene mit Weihekreuz, eine Pantene aus Zinn
  • 1682 Orgelempore
  • 1683 Oberteil des Turmes erneuert, nun als verbretterter quadratischer Fachwerkbau mit vierseitiger Pyramide, Wetterfahne mit der Jahreszahl 1683. Fachwerkbau an der Nordseite über der Gruft vermutlich mit Anbau für die Patronatsherrschaft
  • 1672 Erinnerungstafel an Adolf Friedrich von Strantz (1657–1672), heute verschollen
  • nach 1712 Wappenepitaph mit der Ahnentafel des Friedrich von Strantz (1601–1671) und dessen Ehefrau Lukretia von Wulffen (1626–1712)

Gedächtnistafel

  • nach 1723 Gedächtnis-Tafel mit den Gemälden des Patronatsehepaars Ludolf Ehrentreich von Strantz (1660–1723) und dessen Ehefrau Elisabeth Charlotte von Strantz, geb. von Birckholz (1675–1718). Über ihnen der Cronos (Todesengel), oft als Sensenmann bezeichnet, um an die Endlichkeit des irdischen Daseins zu erinnern. Die Gemälde sind eine 2005 von der Familie von Strantz gestiftete Kopie, da die Originale 1993 gestohlen wurden.

Wappentafel

  • 1737 Orgelempore erneuert
  • 1749 zwei vergoldete Altarleuchter mit den Initialen C.L.v.S. (von Strantz) und (nachträglich graviert) M.A.K. (Karbe)
  • 1891 Sauer-Orgel mit fünf Registern im Manual und einen Register im Pedal als Ersatz für die ursprüngliche Orgel

Sauerorgel

  • 2. Oktober 1859 General-Superintendenten Dr. Büch weihte die Kirche neu, nachdem unter Leitung von Carl Friedrich Ferdinand Leopold Karbe eine Renovierung der Kirche (Gestühl, Kanzeleinbau, neogotische Umgestaltung des Altars) sowie der Familiendenkmäler erfolgte

 Gräber Karbe

Bilder:

J.Rzadkowski
Kunstdenkmälder der Provinz Brandenburg IV, 1. Lebus

Kirche Wilmersdorf

Wilmersdorfer Kirche

  • 1354 urkundlichWillmersdorf und Willemsdorp
  • Kirche aus später verputztem Findlingsmauerwerk mit flacher Innendecke
  • Einmalig in Brandenburg ist die 1995 vollständig restaurierte Plastik Anna selbdritt aus dem 14. Jahrhundert.

Wilmersdorfer Kirche Anna selbdritt

  • 1405 hat Wilmersdorf 54 Hufen, der Pfarrer hatte 4 Hufen
  • Einmalig in Brandenburg ist die 1995 vollständig restaurierte Plastik Anna selbdritt aus dem 14. Jahrhundert.
  • nach 1500 hölzerne Pieta in der Sakristei, zwei Glocken ohne Inschrift, 50 und 59 cm Durchmesser
  • 1584 Grabstein für Albrecht Thuem (1526/1527-1584) an der Westwand des Südvorbaues, sowie ein weiterer an der Ostwand, der verwittert ist

Grab

  • 1604 Glocke von Hans Zeidler, Fürstenwalde
  • 1637 silbervergoldeter Kelch 18 cm mit Patene, am Fuß des Kelches ein milchigweißer Stein, am Knauf ihesvs, darüber am Stengel maria, darunter ihe. Kelch und Patene mit dem Namen des Pastors Christoph Reichard 1637, der Kirche Wilmersdorf als zugehörig bezeichnet.
  • nach 1650 hölzerner Taufengel
  • 1693 Epitaph Christian Ewald von Rohr (1627-1693)

Wilmersdorf Epitaph

  • 1703 Stiftung des Altaraufbaues durch Christian Ludwig von Rohr

Wilmersdorf Altar

Wilmersdorf Altar

Mitte: Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, darunter Abendmahlsszene, darüber Auferstehung, in der bekrönenden Sonne die Himmelfahrt, in der Säuleneinfassung mit Ranken die Wappen derer von Rohr links mit Jahreszahl 1703 und rechts derer von Gollnitz mit Jahreszahl der Vollendung 1706. Über den Säulen rechts und links Petrus und Paulus, vermutlich von dem ursprünglichen Altar übernommen. Darüber als abschließende Figuren Glauben (Kelch) und Liebe (Kind).

  • Kanzel mit angefügten Renaissancesäulen an den Ecken und Bildern der vier Evangelisten in den Brüstungssfüllungen aus der Zeit des Altaraufbaus
  • 1709 Epitaph Ernst Christian von Rohr (1686-1709)

Wilmersdorf Epitaph

  • 1728 Grabstein an der Wastseite der Kirche für George Adolph Schindler (1664-1728) und seine 1723 verstorbene Ehefrau

Grab

  • 1875 die Glocke von 1604 wird eingeschmolzen und neu gegossen durch C. Voß und Sohn, Stettin, die Innschrift erinnert an den Glockengießer Zeidler von 1604, 73 cm Durchmesser
  • 1880-1883 vollständiger Umbau der Kirche unter Nutzung der mittelalterlichen Granitquader, Sakristei, Südanbau und Westturm aus Backstein, Wetterfahne mit der Jahreszahl 1882 und der Initiale F.v.F. (Finck von Finckenstein)
  • 1969 Kleinorgel der Firma W. Sauer Frankfurt (O), op. 1858, H-Modell. Die Orgel mit elektrischem Gebläse verfügt über vier Register, Manual und Pedal.

Bilder: J.Rzadkowski
Altar und Anna drittselbst 2004 G.Hemmerling
Kunstdenkmälder der Provinz Brandenburg IV, 1. Lebus

Kirche Arensdorf

Arensdorfer Kirche

  • um 1325 aus Granitquadern entstand eine Kirche mit Langhaus, Chorraum und breitem Turm
  • um 1350 Glocke mit 100cm Durchmesser hat am Hals die spiegelbildliche Majuskelaufschrift +DV̄TRAOR • AVATE • VOCO VOS • AD SAC [dum tra(h)or au(di)te, voco vos ad sac(ra)], darunter die Abbildung Johannes und Maria am Kreuze, zwei Rosetten, das Lamm Gottes und ein kleines Wappen mit heraldischer Tierfigur

Arensdorfer Glockeninschrift

  • 1405 urkundlich: Arnoldesdorff mussten jährlich 4 Talente als Cathedratikum an den Bischof des Hochstifts Lebus abführen. Der Ort hat 64 Hufen, der Pfarrer hatte 4, es gab 3 Vierhufner (Richter), 7 Dreihufner, 2 Zweihufner (Krüger) und 1 Einhufner
  • Auf der Ostseite sind Spitzbogenfenster sichtbar, das mittlere davon ist vermauert. Die übrigen Fenster sind in späterer Zeit erweitert worden.
  • Zwei Glocken ohne Inschrift, 83 und 52 cm Durchmesser
  • nach 1550 Kelch 18 cm und Kelch mit Patene 28, 5cm, Silber, vergoldet,

Arensdorfer Kelche

  • Kirchhofmauer aus Findlingen, Sandsteintaufe auf dem Kirchhof
  • nach 1648 der Turm ist in der oberen Hälfte nach dem Dreißigjährigen Krieg erneuert worden.
  • um 1700 Einbau einer Barockorgel, das Orgelgehäuse ist erhalten geblieben

Arensdorfer Orgel

  • 1723 Bau eines achteckigen, mit Eichenschindeln gedeckten Dachreiters auf dem Turm, Wetterfahne mit Jahreszahl 1723.
  • nach 1800 Anbau der Sakristei an der Südseite, Erneuerung von Kanzel, Altar, Taufe, das Gestühl und Empore stammen ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Einbau von Schallluken im Turm und Schieferdeckung.

Arensdorfer Kirche

  • 1999 Turm- und Dachsanierung
  • 2004 Glas- und Lichtinstallation Gläserne Töne eines australischen Künstlers im Turm

Bilder: Kirche 2008 Clemensfranz
Orgel 2009 G.Hemmerling
Kunstdenkmälder der Provinz Brandenburg IV, 1. Lebus

Pillgramer Kirchgeschichte I

Abriss der Geschichte der Pillgramer Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil I  seit der Bronzezeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts

 

  •   2200 v. Chr.- 800 v. Chr.  Pillgram war schon in der Bronzezeit eine Siedlungsstelle, wie Funde u. a. im Garten des Weinbergschen Büdnerhauses und in der Umgebung belegen.
Fundstücke Bronzezeit Pillgram

bei der Abfuhr der Steine des Eichberges fanden sich u.a. Hals- und Armringe, ein Messer und eine Sichel

  • 11. Jh. erste Siedler (Funde aus der jungslawischen Zeit)
  • 1253 Vordringen der askanischen Markgrafen. Verlegung des Handelsweges auf eine südlicher gelegene Linie MünchebergFrankfurtPosen.  Entlang dieser Linie: Gründung von neuen Siedlungen,Pilegerinne mit 64 Hufen, der Lokator Heinriche Pilegerinne soll der Dorfgründer gewesen sein Namensschwester ist die tschechische Stadt Pilgram (Pelhřimov), 1225 gegründet durch den Bischof Pelegrin(us).
  • 1319 Erwähnung von “Pillgerinne”, Heinriche Pilgerinne wird in Guben erwähnt, auch als Heinrich Pilgerim
  • vor 1399 – nach 1460 Lehnträger ist Herman Boetil (Boytel, Beutel, Botel) von Pilgerim (ein Hans Boytel wird in einer Urkunde vom 11.12.1419 erwähnt), die Familie war ursprünglich im Barnimschen begütert. Der Stamm erlosch Ende des 18. Jh.
  • 1400 “pillgerim” (Urkunde der Kartäuser) hat noch immer 64 Hufen, davon gehören dem Pfarrer 4 Hufen Land (pillgerim, mittelhochdeutsch: pilgerim -> Wallfahrer, germanisch: walon -> wandern, umherziehen) 
  • 1405 Die Pylgerimer Kirche ist Mutterkirche, ein rechteckiger Granitquaderbau.“Pillegrim” in einer  Urkunde des Hochstifts Lebus hat 64 Hufen, der Pfarrer 4. “ad sedem Selivensem et prope Franckenfordiam” wird vermerkt. Es mussten jährlich 4 Talente als Cathedratikum an den Bischof abgeführt werden.
  • 1415 – 1598 derer von Burgsdorf (de Burchardisdorp, Burcarstorp, Ritter von Borckarsdorp, Borgsdorff) sind begütert zu Pillgram, sie stammen aus dem märkischen Uradel, urkundlich nachweislich seit 1325, ihrer Linie entstammen einflussreiche Bischöfe, wie Peter von Burgsdorff (1437 – 1439) und Ludwig von Burgsdorff (1487 – 1490) Bischof zu Lebus, Arnold von Burgsdorff (1472 – 1485) Bischoff zu Brandenburg, sowie verschiedene weltliche Würdenträger.
  • 1431 Zwischen Heinrich Wynning und Cunze von Hohendorff sind 9 Hufen zu Pillgram streitig und ersterem zugesprochen worden. “Cunczhe Hoendorff zur Melrace gesessin” ist auch aus einer Grenzfestsetzung 1429 bekannt und aus der Urkunde des Hans Boytel vom 11.12.1419, das Geschlecht stammt aus dem Magdeburg’schen (Hohendorf bei Neugattersleben)
  • 1438 bis nach 1442 “Pylgrym” Heidezins an die Kartäuser von 1 Schock 10 gr jährlich
  • 17.5.1441 Die Familie Grosse zu Frankfurt (O) wird u.a. mit “Pilgram” belehnt.
  • vor 1443 – nach 1460 die Platynne, von Beerfelde zu Demnitz sind Lehnsherren, (altes Brandenburger Adelsgeschlecht, bereits seit 1285 Stammsitz zu Lebus, derer von Beerfelde sind u.a. mit von Burgsdorff, Lehnsherrn von Müllrose, verwandt)
  • vor 1444 Quentin hat 4 Hufen Lehn (Paul Quentin, Bürger zu Frankfurt (O) verkaufte am 2.6.1404 dem Hans Schulßen von Jacobsdorf die Dörfer Brieskow und Lindow)
  • 1444 von Beerfelde zu Demnitz haben 4 Hufen Lehn
  • 1444 – nach 1460 Wilhelm von Burgsdorff  (1430-1488), auch Borgstorff, Borcherstorff, erhält das restliche (etwa 1/3) Pillgram als Lehn, mit dem “Angefälle” (Anspruch) des Quentin. Wilhelm ist alleiniger Besitzer von Müllrose, während seine Brüder zu Podelzig sitzen.
  • 1448 Lehnträger Boytel (Bothe) verfügt über 4 freie Hufen und 1 Schäferei
  • 1460 Von Beerfelde zu Demnitz haben 4 Hufen Lehn, Wilhelm von Burgsdorff hat tatsächlich anscheinend nur das “Angefälle” des Quentin in Besitz. Der Pfarrer hat 4 Hufen, die Kirche eine.
  • 4.2.1472 Die Familie Grosse zu Frankfurt (O) wird u.a. mit “Pilgram” belehnt.
  • vor 1484 – 1576 Derer von Eichendorff (Peter Eychendorff urkundlich erwähnt 1485, Evckendorf zu Pilgrin 1499), bischöfliche Lehnsleute zu Pillgrim, Diözese Lebus, erhalten ganz Pillgram als Lehn, sie bewohnten in der Überlieferung das Gut Eichendorff (vermutlich ein Vorwerk), urkundlich nachweisbar ist Cristoff Eichendorff zu Pilgrim am 8.1.1534 Magdeburger Uradel, mit Conradus de Eikendorp 1237 erstmals erwähnt, Sitz Eickendorf bei Calbe bis Mitte des 15. Jh., danach erlischt der Magdeburger Zweig. Der brandenburgische Familienzweig erlischt im 17. Jh, während in Schlesien, Deutsch-Krawarn (Kravaře ve Slezsku), seit 1634, in Mähren, Sedlnitz (Sedlnice), von 1655 bis ins 19. Jh, ein Zweig der Familie erblüht, der Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff, Königlich Preußischer Geheimer Regierungs-Rat  und Mitbesitzer von Gut Sedlnitz, (*1788 Schloss Lubowitz, als 1782 Deutsch-Krawarn verloren gegangen, +1857 Neiße (Nysa), stammt aus diesem schlesisch-mährischen Familienzweig, von ihm stammen alle heutigen Freiherren von Eichendorff ab.
  • 26.3.1500 Die Familie Grosse zu Frankfurt (O) wird u.a. mit “Pilgram” belehnt.
  • um 1504 Auf den Handelswegen nach Frankfurt und Beeskow lauern allerlei “Spießgesellen”, auch in anderen Teilen der Mark wird ein Kaufmann ohne bewaffnetes Geleit von Raubrittern und anderem “Gesindel” überfallen. Darunter auch die “mülrosischen Puben”, welche mit “rauben, stelen und schlagen Schaden getan, ein weib genotz.. und hernach die Brust abgeschnittten, auch einigen von Adel und Pauern Pferde und schafe gestolen” hätten.
  • bis 1538 Lehnsherr ist der Markgraf bzw. Kurfürst
  • 1538 – 1598 Lehnherr ist der Bischof von Lebus durch Schenkung des Dorfes durch Kurfürsten Joachim II. an das Stift. Christoph von Eichendorf wird Vasalle des Stiftes, seine Nachkommen blieben in “Pilgram” bis zur Aufhebung des Bistums.
  • 1539 Reformation in Brandenburg, Einführung des Kirchenbuches, die Pfarrer waren angehalten, über das Gemeindeleben Buch zu führen. Man rückte in der Folgezeit in der lutherischen Kirche Kanzel und Taufe in die Nähe des Triumphbogens, sofern vorhanden, vermauerte häufig das Priesterportal, da nun entbehrlich, veränderte das Gestühl und richtete der wachsenden Gemeinde eine Empore ein, um mehr Platz zu schaffen. Bis ca. 1625 entstanden auch neue Kanzeln, Altäre und Taufen.
  • 1555 54 Hufe geben 3 Schock 36 Groschen Bischofzehnten.
  • 1563 einige Teile von Pillgram gehören von Burgsdorf , einige den Biegener von Röbel, welche Stiftsvasallen und Lehnleute des Stiftes Lebus waren
  • 1573 – 1806 Kircheninspektionen finden statt
  • 1574 Friederich von Burgsdorff (+1600) erwirbt von Kaspar von Eichendorff 1/3 Pillgram samt Rittersitz.
  • 1576 – 1582 Derer von Eichendorff sind Lehnträger.
  • 1576 – 1665 Derer von Röbel sind Lehnsherren, wie auch in Biegen. Sie haben 3 Bauern mit 7 Hufen, 5 Kossäten, 1/3 mit Rittersitz, Anteil am Ober- und Untergericht, Patronat und Straßengericht, 2 Hüfner (Altes mecklenburgisch – brandenburgisches Adelsgeschlecht. Das Geschlecht der Röbels wird 1375 als Inhaber von Gerechtsamen in Buch, Karow und Umgegend erwähnt, welches später u.a. Krummensee, Wegendorf, Hirschfelde Kloster Friedland und andere Orte in Besitz hatten)
  • 1582 – 1660 Derer von Burgsdorff sind Lehnträger über 1/3 Pillgram´s mit Rittersitz, Ober- und Untergericht und Patronat.
  • 1583 von Röbel haben 3 Bauern und 4 Kossäten
  • 1590 zu den von Röbel gehören 5 1/2 Kossäten
  • 1593 zu den von Röbel gehören ein Rittersitz und 2 Kossäten

Erstausgabetag: 7. Juli 1981*)

2009

  • 1598 Lehnsherr ist der Kurfürst bzw. König
  • 1600 Die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen, der Pfarrer hat in Pillgram 4 Hufen, 2 Wispel 11 Scheffel Meßkorn, von jeder Hufe 1 Scheffel, eine wüste Pfarrstätte. Der Küster hat 30 Scheffel Roggen, den Korb an allen hohen Feiertagen und Ostereier.
  •  1608 Derer von Röbel haben einen Rittersitz im Pillgram.
  • 1613 Übertritt der Hohenzollern zur reformierten Konfession
  • 1620 den von Röbel gehören 2/3 Pillgrams mit Ober- und Untergericht und das Patronat
  • 1624 – 1669 Prediger Lampertus amtierte in Jacobsdorf und war eine Zeit lang für Pillgram (Pillgrim), Biegen, Markendorf und Hohenwalde verantwortlich
  • 1633/1634 Von Röbel haben 15 Ritterhufen, von Burgsdorff 9 Ritterhufen, Krüger und ein Bauer haben je 3 Hufen, alle anderen sind wüst.
  • 1654 Die Ritterhufen sind alle in Gebrauch, 6 Bauernhufen und 12 Kossätenhöfe (keine Häuser) liegen wüst.
  • 1660 – 1670 Dr. Bergius ist Lehnträger
  • 1662 Verordnung zum Aufbau einer Schule
  • bis 1665 das Patronat hat das Gut Pillgram inne
  • 1665 das Amt Biegen übernimmt die vereinigten Lehnsteile
  • ab 1665 Das Patronat hat der Kurfürst, König bzw. der Fiskus inne, der Kurfürst hatte Pillgram von den Röbels erworben.
  • 1666 Nur 8 Hufen sind bewohnt, 6 sind wüst, es gibt noch einen Müller, einen Kostknecht, 1 Hirten ohne Vieh und 2 Paar Hausleute.
  • 1670 – 1713 ganz Pillgram wird Eigentum des Amtes Biegen
  • 28.1.1677

 “Heute Dato bezeuge ich (Anmerkung: Zabel von Burgsdorff), daß die Bauern und Kossäthen von den Dörfern Biegen, Pillgram und Hohenwalde ihr Getreide jederzeit in der hiesigen Mühlroschen Mühle bey hoher Straffe durchaus nicht anderswo zu mahlen verbunden seyn. Sintemahlen die Mühlrosche Mühle Ihrer Herrschaft Jährlich große Pächten und andere viele onera abgeben muß.”

  • 1687 das kurfürstliche Amt hat 6 wüste Kossätenhöfe
  • 27.2.1692 Da viele Bauern sich weigerten, die Katechismuslehre zu besuchen, wurden die Pfarrer angewiesen, das “Zirkularschreiben” des Landesherren von der Kanzel zu verlesen, darin wurden Inspektoren angewiesen, die vom Pfarrer anzuzeigenden Gemeindemitglieder streng zu ermahnen, falls dies nicht genüge, werden von Landesherren Geld- und Leibesstrafen verhängt.
  • Dezember 1696 Die Regierung stellt fest, trotz einer Verordnung im selben Jahr, welche den Karfreitag aufwerten sollte, kam es beinahe überall noch immer zu den Marienfesttagen. Wo Prediger, Patron und Gemeinde zustimmten, sollten die traditionellen Feiertage gänzlich abgeschafft werden, zumindest sollte erst am nächstfolgenden Sonntag gefeiert werden.

Wappenzeichnung derer von Eichendorf vom Heraldiker Otto Hupp (1859-1949), Münchner Kalender 1926

*) Information: Fachwerkbauten in der DDR (II): Löwinghaus, Pillgram (18. Jahrhundert) Ausgabepreis: 35 Pfennig First Day of Issue / Erstausgabetag: 7. Juli 1981 Auflage: 4.000.000 Entwurf: Lothar Grünewald Druckverfahren: Rastertiefdruck Michel-Katalog-Nr: Ländercode-MiNr: 2626

Berichte über die Kirchgemeinde

zur Vergrößerung bitte die Bilder anklicken:

EKBO 31.05.2002

BVEA – Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V. 4/2004

14.10.2004

MOZ 29.03.2005

MOZ 12.09.2006

MOZ 9.10.2006

MOZ 28.11.2006

MOZ 15.12.2006

MOZ 22.12.2006

MOZ 7.05.2007

MOZ 6.07.2007

Welt 13.07.2007

15.07.2007

Märkische Allgemeine 20.07.2007

Deutschlandradio Kultur 1.09.2007

MOZ 3.09.2007

Welt 23.12.2007

17.01.2008

3.04.2008

Odervorlandkurier 10/2008

MOZ Spree Journal 8.12.2008

MOZ Spree Journal 8.12.2008

    MOZ Spree Journal 8.12.2008

MOZ 12.12.2008

MOZ Spreejournal 15.12.2008

15.12.2008

 

Märkischer Markt 6./7.5.2009

MOZ 2.6.2009

Odervorlandkurier 6/2009

Spree Journal 21.9.2009

24.9.2009

22.10.2009

29.10.2009

9.12.2009

5.01.2010

16.04.2010

24.09.2010

04.01.2011

18.07.2012

MOZ, Spree Journal 28.03.2014

Pillgramer Kirchgeschichte II

Abriss der Geschichte der Pillgramer Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil II seit Beginn des 18. Jahrhunderts

 

  •   1702 Nach dem Volksmund soll dort das Dorf Eichendorf gestanden haben, urkundlich gibt es keine Belege, vermutlich geht nur ein Flurname auf die Familie von Eichendorf zurück, welche bis ins 16. Jh. in Pillgram lebte.

“1702 stößt diesseits an die Jacobsdorfschen und jenseits an die Pillgramschen Äcker das kahle Fließ, oberwärts dieses kahlen Fließes ist eine Wiese, so von den alten Inhabern des Dorfes Pilgram annoch die Eichendorfische Wiese genannt wird und stoßen daselbst die Grenzen der drei Dörfer Jacobsdorf, Sieversdorf und Pillgram auf einen Ort oder Ecke zusammen.”

  • 1703 Abschaffung des Exorzismus vor der Kindstaufe, den Pfarramtskandidaten wurde das Versprechen abgenommen, “auf Begehren der Eltern absque Exorcimo unweigerlich” zu taufen
  • 1704 Das Dorf hat sich erholt und allein der Schäfer hat 1000 Schafe und 60 Kühe, die Kirche hat 1 Hufe 4 Morgen 140 Ruten Land, der Pfarrer 4, die Ritterhufen sind auf 32 angewachsen. Der Hof des Pfarrers ist “ausgetan”.
  • 1713 – 1727 Pillgram ist zeitweise an Fürst Menschikow (1672 – 1729), St. Petersburg, verschenkt worden und musste dorthin seine Steuern entrichten.
  • 5.3.1715 Instruktion zur Kirchenvisitation, jeder Superintendent, Propst oder Inspekteur musste in seinem Amtssprengel eine Lokalvisitation auf Kosten der besuchten Gemeinde durchführen.
  • 1716 – 1746 Öffentlichen Kirchenbuße, bei Ehebruch, “Hurerey” und später weiteren Delikten, musste das Gemeindemitglied öffentlich Buße tun, ansonsten blieb es vom Abendmahl ausgeschlossen.
  • 28.9.1717 Einführung der Schulpflicht
  • um 1720 Derer von Burgsdorff sind Lehnsherren, ihr Herrensitz ist 1720 in Müllrose (heute Hotel “Zur Sonne”)
  • 1727 – 1731 Das Lehn hat das Amt Biegen inne.
  • 1729 Glocke, 0,70 m Durchmesser, Inschrift Vorwerck Pillgram 1729 “Soli deo Gloria” (Gott allein sei Ehre), von Johann Friedrich Thiele, Berlin
  • 1731 – 1739 Lehnsherr ist Graf Ernst Johann von Biron (1660 – 1772)
  • 1739 – 1740 Lehnsherr ist Graf Burkhard Christoph von Münnich (1693 – 1767)
  • 1740 – 1839 Das Lehn hat das Amt Biegen inne.
  • um 1745 Kompletter Umbau der Kirche unter Benutzung der Reste des Granitbaues, das Mauerwerk wurde verputzt, Fenster wurden verändert, innen an der Südwand wurde ein spitzbogiges Stufenportal vermauert, der zweigeschossige Glockenturm erhielt eine Verbretterung und eine Wetterfahne. Pillgram hat ein Vorwerk im Ort.

Wetterfahne Turm

  • 1749 Inzwischen hat sich ein Schmied niedergelassen.
  • 1763 “Allgemeines preußisches Schulreglement”, es regelte allgemeinverbindlich den Unterricht
  • 4. 12. 1672 “Dominica XXV post Trin.” ist der erste Eintrag einer Eheschließung in Pillgram im ältesten erhaltenen Kirchbuch Biegens

Kirchbucheintrag Pillgram 1672

  • 1781 Neu – Pillgram wird unter dem Amte Biegen auf königlichem Vorwerksland mit Büdnerfamilien gegründet.
  • 1787 Ein Oberschulkollegium wird eingereichtet, es ist mit dem Oberkonsistorium faktisch identisch, die Pfarrer sind auf dem Lande ohnehin in der Regel die einzigen, welche den nötigen Bildungsstand mitbringen, den Unterricht durchzuführen, die Küster unterrichten auch Lesen und Schreiben.
  • 18 Jh. Taufschale, Zinn
  • 1800 Pillgram gehört zum königlichen Domänenamt Biegen, welches die Familie Karbe angepachtet hat, zu deren Pachtzeit besitzt Pillgram eine Brauerei und Brennerei
  • 1801 Zu Pillgram gehört ein einzeln liegendes Vorwerk, die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen.
  • 1805 Neu – Pillgram wird eingekircht
  • 1806 – 1812 der zuständige Superintendent für die Kirche ist in Frankfurt (O)
  • 1811 – 1918 Der König wird Kirchenpatron, an seine Stelle tritt später der Staat.
  • 1812 – 1946 der zuständige Superintendent für die Kirche ist in Frankfurt (O) I
  • 1816 Der Mühlenbesitzer hieß Wolff.
  • 1817 Friedrich Wilhelm III. führt zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirchenunion zwischen Lutheraner und Reformierten ein
  • 1825 Die Verordnung des Königlichen Oberlandesgerichts zu Frankfurt verpflichtet die Pfarrer jährlich zur Übergabe der standesamtlichen Daten. In Pillgram siedeln 6 Kolonisten, es gibt einen Krug (im Giebellaubenhaus aus dem 16. Jh.).
  • 1830 – 1832 Pillgram und das Königliche Vorwerk Pillgram müssen den Separationsplänen des Jacobsdorfer Pfarrers zustimmen, da diese ebenfalls Hütungsrechte auf den Hauwiesen besaßen.
  • 1831 Ein Musikant wird erwähnt.
  • 3.7.1834 Eine neue Feuerlöschordnung tritt in Kraft, der Conducteur Lehmann aus Jacobsdorf ist Commissarius, der Gutsbesitzer Sembach aus Pillgram sein Stellvertreter.
  • 1839 – 1882 Lehnträger ist das Amt Frankfurt (O)
  • 1840 Es gibt ein privates Vorwerk, eine Kolonie und 47 Wohngebäude.
  • 1847 Abgrenzung der Verantwortung und Zuständigkeit von Konsistorien und Landesregierungen im Königreich Preußen 
  • bis 1849 Pillgram untersteht dem Justizamt Biegen
  • 1856 Seidenraupenzucht wird durch den Lehrer Höhne vorgenommen
  • 1860 es gibt die Kohlengruben “Mit Gott” und “Frohe Hoffnung”
  • 1864 Das Dorf ist durch die Eisenbahn (2 Bahnwärterhäuser) und die Kohlegrube (1 Grubenbeamtenhaus der Grube “Mit Gott”) deutlich gewachsen, auch eine Brennerei wurde eröffnet.
  • 1.10.1874 Der Pfarrer übergibt die Personenstanderfassung an das nun zuständige Standesamt in Petersdorf.
  • um 1880 Auf der Westempore wird eine Sauer-Orgel mit einem Manual, einem Pedal und 8 Registern eingebaut.
  • 31.10.1884 Beschluss: Geistlichen, Schullehrern und Kirchendienern ist bei der Durchführung des Dreiklassenwahlrechts die Wahlberechtigung entzogen.
  • um 1900 die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen

Kirche

  • 1907

  • 1909 Neu – Pillgram heißt nun Kolonie Pillgram und hat 7 Wohnhäuser
  • 1918 ein Denkmall für die Gefallenen aus Pillgram wird aufgestellt

  • 1920 Pillgram ist Rittergut (704 ha), der Gutsbesitzer ist Joachim Ernst Hugo Rudolf Schulz-Pillgram (18.5.1895 Rosengarten -14.11.1967 Hannover)
  • 1939 Ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter wird eingerichtet: “Holzkommando Pillgram”, Hermann Stern aus Heilbronn war hier und in Jacobsdorf, ehe er 1943 nach Auschwitz deportiert wurde, zu den Nutznießern dieser Zwangsarbeit gehörte leider auch die evangelische Kirche, da die Zwangsarbeiter auch in Waldbeständen der Kirche arbeiten mussten.
  • 1945 Granattreffer zerstören den Turmkopf und die Orgel, nach dem Großangriff am 16. April fliehen viele Einwohner Richtung Westen, unter ihnen auch viele Güldendorfer, welche bereits am 6. Februar ihre Häuser verlassen mussten und nach Pillgram kamen. 
  • Juni 1945 der Pillgramer Wald brennt seit Wochen
  • Juli 1945 der Pillgramer Bahnhof wird zum Umschlagplatz für Fabrikeinrichtungen, die als Reparationsleistung  in die Sowjetunion gebracht werden, das Gut mit 2000 Morgen Land und 800 Morgen Wald wird unter die Leitung der sowjetischen Kommandantur gestellt
  • 1946 Reparatur des Glockenturms, der zuständige Superintendent für die Kirche ist in Frankfurt (O). 679 ha (darunter 1 ha Gewässer) wurden enteignet, 7 ha erhielten die 48 Umsiedler, welche dem Dorf nun reichlichen Zuwachs an Gemeindemitgliedern bescherten.
  • 1955 – 1960 Gemeinderaumanbau an der Nordseite, Erneuerung des Anbaus an der Westseite

Anbau Anbau

TurmInnenmodernisierung, die Kanzel aus dem Jahre 1745 wird gegen eine moderne ausgetauscht, die Ostfenster erhalten bunte Bibelmotive nach Entwürfen des Malers Gerhard Olbrich, hergestellt in der Glaswerkstatt Lehmann, Berlin. Der alte Eingang wird vermauert, der Kirchturm wird 1 m verkürzt, Wetterfahne und Urkundenknopf entfernt und ein Kreuz aufgesetzt. Der Turm wurde mit Ekotal verkleidet, ein plastbeschichtetes Eisenblech, eine neue Orgel wurde eingebaut, das Dach mit Zementdoppelrömern gedeckt.

  • 1960 – 1968 Gemeindefahrten der Gemeinden Biegen und Pillgram, ab 1964 zusammen mit der Gemeinde Rosengarten
  • 1978 die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen
  • 1990 Das Ekotal wurde entfernt, die ursprüngliche Holzverkleidung wieder hergestellt, die Kirche wurde neu verputzt und weiß gestrichen.
  • 1994 Reparatur der Glockenaufhängung, das Läutwerk wurde elektrifiziert
  • 30.04.2011 Treffen der ehemaligen “Jungen Gemeinde”: Gäste: Melitta Stanowski (Grundler), Jürgen Grossin und Erhard Kühl aus Biegen; Dieter Göritz, Christine Hahn (Redlich), Margit Ziche (Weinberg), Christa Schenk (Schrape), Christa Moritz (Rothe) und Roswitha Noack (Gielisch) aus Pillgram. Ehrengäste: Gisela und Willi Molter, Willi Molter war mehr als 40 Jahre lang Mitglied des Gemeindekirchenrats. Pfarrer i.R. Helmut Sell und Frau, Helmut Sell war von 1969 bis 1975 Pfarrer für Biegen und Pillgram.

Foto: Gemeindebrief 16/2011

  • Juni 2014

Willi Molter war 45 Jahre aktiver Kirchenältester des Gemeindekirchenrats und Ehrenältester bis zu seinem Tod.

  • Juli 2014 Die Malerarbeiten in der Kirche konnten dank fleißiger Helfer schnell zum Abschluss gebracht werden.

Gemeindebrief 38/2014

Die Pfarrer und Küster in Jacobsdorf

Pfarrer:

  • 1405 eine Pfarrstelle ist im Lebuser Stiftsregister erwähnt
  • 1534 Thomas von Taubenheim (Tawbenheim), katholischer Pfarrer (urkundlich 8.1.1534), (derer von Taubenheim (Taubenhein) sind ein adliges Geschlecht aus Meißen und Rochlitz, ihr Sitz war Bedra bei Freiburg, in einer Urkunde von 1537 wird ein Ditterich von Taubenheim in der Mark Brandenburg erwähnt)
  • um 1540 Thomas Fröhlich (+ 1603)
  • bis 1594 Henke
  • 1618 – 1620 Christoph Lierse
  • 1621 – 1624 Martin Schumann
  • 1624 – 1669 Magister H. M. Balthasarus (Bartholomae) Lampert(us) (1596-1669), verheiratet mit Barbara Wiese, seine Tochter Marie Elisabeth heiratet Pfarrer Christoph Hindenberg aus Seelow, nach dessen Tod ehelicht sie am 7.7.1674 Magister Christian Gedicke (getauft 8.12.1644) aus Fürstenwalde
  • 26.1.1670 – 1674 Magister Friedrich Rißmann (+1674)
  • 1674 – 1682 Martin Höne
  • 1682 – 1687 Magister Gottlieb Treuer (sein Sohn ist Gottlieb Samuel Treuer (24.12.1683 Jacobsdorf – 25.2.1743 Göttingen, Prof. der Moral und Politik in Helmstedt, seit 1734 Prof. des Staatsrechts, der Moral und der Politik in Göttingen)
  • 1687 – 1715 Martin(us) Alex(ius), verheiratet mit Eva Sophie Becker, Söhne Adam Friedrich (*29.3.1698) und Christoph Gottlieb (1690-1770)
  • 1715 – 1735 Magister Christoph Gottlieb Alex(ius), geb. in Jacobsdorf 24.10.1690 – 20.7.1770, Univ. Frankfurt (Mag.) und Halle, ordiniert 15. 5. 1715, später Archidiaconus am Stendaler Dom (bis 1750), heiratet am 10.5.1718 in der Frankfurter Nikolaikirche Johanna Dorothea Coßmar, Tochter des Pfarrer Kaspar Coßmar aus Kunersdorf
  • 1736 – 1757 Georg Ernst Ruhm
  • 1758 – 1772 Magister Gottfried Ohm
  • 1772 – 1778 Johann Gottlieb Ruhnecke
  • 1780 – 1808 Magister Johann Gottfried Fleck (+Anf. 1808)
  • 1808 – 1815 Heinrich Wilhelm UleUnterschrift Ule
  • 1815 – 1817 Johann Gottlieb Tetz (ab 1818 nach Müllrose versetzt, ihm wurde nachgesagt, die Predigten immer vom Blatt abgelesen zu haben, er war aber im Kampf um Belange von Schule und Bildung sehr aktiv)
  • 1818 – 1860 Magister Carl Gottlob Raschig (1785 – 1860) (Bücher über den Gartenbau, Bienenzucht), er war Mitglied der Königlich-Preußische Märkische Ökonomische Gesellschaft zu Potsdam, Verwandter des Mag. Christian(us) Ehrgott Raschig, Dresden 1726-1796) ? Pfarrer Rudolf Ottomar Raschig (21.9.1825-27.10.1882) sein Sohn?
  • 1861 – 1887 Friedrich August Hildebrand
  • 1887 – 1904 Hugo Ernst Theodor Friedenreich (Superintendent, Reppen, Weststernberg 1904-1911)
  • 1904 – 1913 Superintendent Lic. Dr. Alexander Johannes Röhricht, aus Bonn am Rhein (4 Töchter, 3 Söhne)
  • 1913 – 1918 Karl Michael Friedrich Rochlitz
  • 1919 – 1945 Johannes Wapler (* 27.12.1876 + 13.12.1945 an Typhus)Unterschrift Ule
  • 1946 – 31.8.1953 Otto Lipski
  • 1954 – 1957 Rudolf Pandow
  • 1957 – 1967 Walter Baaske
  • 1968 – 1975 Erhard Plume
  • 1985 – 1998 Petra Schulz (Pädagogin mit Pfarraufgaben in Jacobsdorf)
  • 1987 – 1998 Rita Perlwitz-Böhm (Parochie einschließlich Jacobsdorf), Wohnsitz Pfarrhaus Biegen

Küster:

Die Küster waren bis zur Trennung des Schulwesens von der Kirche zugleich die Schulmeister und unterstanden dem Pfarrer.

  • vor 1671 Hans Lehmann, Schulmeister 
  • 1671 Gottfried Steppin, Garnweber und Schulmeister
  • 1708 Nikolaus Koch (+1725), Buchbinder und Schulmeister (Schwiegersohn des G. Steppin)
  • 1725 Christ. Ludw. Lehmann, Schulmeister (sein Vater war geistlicher Inspektor in Müncheberg)
  • 1738 – 1785 Johann Salomon Lehmann (Sohn von C. L. Lehmann)
  • 1781 – 1789 Karl Friedrich Bessin (Schwiegersohn des J. S. Lehmann), Schneidergeselle, wird Adjunkt und Schulmeister
  • 1789 – 1824 Ludwig Bessin (Bruder des Karl Friedrich und Ehemann von dessen Witwe), Schulmeister und Schneider
  • 1824 – 1859 Johann Christian Lehmann (Schwiegersohn des Bessin und aus der Lehmannfamilie, welche in der Vergangenheit die Ämter inne hatte), Lehrer und Seidenbauer
  • 1860 – 1870 Julius Seidel (+1870, Lungenentzündung), Lehrer
  • 1870 – 1874 Friedrich Schlegel aus Zechin, Lehrer
  • 1874 – 1904 Robert Kusatz aus Berkenbrück, Lehrer, “ein stattlicher Mann mit Vollbart”, unter den weiteren jüngeren Lehrern war unter anderem ein Schwiegersohn des Herrn Kusatz, welcher für seine Schläge mit dem Rohrstock gefürchtet war
  • 1904 – 1931 Paul Kleindienst (+1934 in Fürstenwalde), 27,5 Jahre Lehrer in Jacobsdorf, war als Lehrer sehr beliebt für seinen wunderbaren Unterricht, musste aber frühzeitig wegen seiner schweren Rheumaerkrankung pensioniert werden. Denecke, Lehrer
  • 1942 – 1944 Oskar Krause (1902 – 1945), Lehrer

Jacobsdorfer Kirchgeschichte III

Abriss der Geschichte der Jacobsdorfer Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil III  seit Beginn des 20. Jahrhunderts

 

  • um 1905 Ansicht der Kirche vom Küstergang (Schulgasse) aus
um 1905

Foto privat

  • 1909 Einbau einer Dampfheizung in der Kirche
  • 1910 Jacobsdorfer Schulkinder vor der Kirche, Lehrer Paul Kleindienst links 
1910

Chronik Jacobsdorf Verlag die Furt

  • Februar 1911 Pfarrer Dr. Röhricht gründet den Posaunenchor mit 8 Bläsern, Organist war der Lehrer Kleindienst (+1934), welcher auch Dirigent des Männergesangsvereins war. Mitglieder waren unter anderem die beiden Lehrer, der Gastwirt Heidenreich, ein Waldarbeiter, der Sohn des Tischlers und Franz Ritter, Tenorhorn. In Jacobsdorf steht den Einwohnern eine kleine Bibliothek beim Pfarrer zur Verfügung, wie schon bei seinem Vorgänger, vor allem Naturschilderungen. Die Töchter des Pfarrers schreiben ein Gedicht:

Der hiesige Posaunenchor bläst heute uns was schönes vor,
er kann schon viele Lieder.
Herr Deine Güte reicht soweit,
geh aus mein Herz und suche Freud,
und lieber Mai komm wieder.

Der Leiter ist Superintendent,
den man mit Namen Röhricht nennt.
Er bläst schon viele Jahre,
und hat ein fein geübtes Ohr,
drum gründete er diesen Chor,
ihm hilft der Herr Vikare.

Die beiden Lehrer jung und alt,
sie blasen beide mit Gewalt
Tenor und Flügelhörner.
Die Freudenberger ihrer zwei,
sind beim Blasen auch dabei,
und blasen noch viel gerner.

Herr Heidenreich und Ritters Franz,
die blasen wirklich schon mit Glanz,
ihr Instrument mit Laune.
Herr Ebertus bläst schon Bon,
sein schönes großes Helikon,
und Günter die Posaune.

12 Wochen übten sie gar schön,
zuerst gabs manchen falschen Ton,
und mißgestimmte Lieder.
Doch geben sie sich große Müh,
so schnell wie sie lernt´s keiner nie,
man kennt sie kaum noch wieder.

  • 1913 Beim Land- und Gastwirt Heidenreich  verkehrten Bauern, Kossäten und weniger gern gesehen, einige Büdner. Bei dem Land- und Gastwirt Leffin (später Mudrack, Hauptstrasse 31) traf sich der Kriegerverein, von den Bauern und ihren Söhnen sah man dort eher niemanden, der Gastwirt Bleek (Dorfstrasse 1) hatte ebenfalls eher das “einfache” Publikum wie Leffin.
1913

Dorfansicht, links die Kirche, rechts die Schule, oben Gasthaus Mudrack, unten der Fennpfuhl oder Krugpfuhl (heute verschüttet und Dorfplatz)

  • 1914 Der Pfarrer bezieht ein Jahresgehalt von 4.000 RM.
  • 1916
Kirche

Bild: Verlag die Furt

  • um 1918 In Boué in Frankreich fiel am 24. Oktober 1918 der 21-jährige Kriegsfreiwillige Wilhelm Uckrow, Sohn des Bauerngutsbesitzers aus Jacobsdorf.
Kirche

Kirche mit Kriegerdenkmal für die Gefallenen

  • 1920 – 1930 Das Kirchenkonsistorium Berlin genehmigt den Antrag auf Austeilung von Kirchenland an Siedler, da die Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg, viele mit Familien wegen der Kriegstrauungen, unter einer großen Wohnungsnot litten. Es wurden 35 Parzellen für 150 Jahre Erbpacht verteilt. Für die ca. 1 Morgen großen Landstücke beträgt die Jahrespacht 8 – 12 M, gemessen am Roggenwert zum Martini – Marktpreis.
  • 1925 Die Kirchensteuer wird von der Gemeindevertretung eingeführt, der Reduzierung des Pfarrergehaltes von 7.000 RM im Jahr wird nicht statt gegeben.
  • 1926 Die Pacht für die von der Kirchengemeinde freigegebenen Erbbauparzellen beträgt im Monat 80 Pfennige. Die Frankfurter Regierung fordert eine Entschädigung von 500 M jährlich für Organistendienst des Lehrers und Kantors in der Kirche, nach Abstimmung erhält diese jedoch weiterhin 300 M.
  • 1927 Die Regierungsschulbehörde einigt sich mit dem Konsistorium der Ev. Landeskirche auf 501 M für die Organistendienste. Es wird der Anschluss der Erbpachtgrundstücke auf dem Kirchenland an die Stromversorgung erwogen. Die Schule erhält einen neuen Schulhof und Sportplatz, das Land stammt aus Verpachtung des Julius Heidenreich.
  • 1928 Pfarrer Wapler ist mit den Lehrern uneins, da diese die alten Schulbänke entfernen ließen und statt dessen neue Tische und Stühle im Halbrund um den Lehrer ohne Katheder gruppierten.
  • 18.11.1928 Es werden 3 von 4 Kirchenälteste und 9 von 16 Vertretern der Liste W. Schneider (SPD) in den Kirchenvorstand gewählt, die gesamte Wahl war ein politisches Kräftemessen. Es standen die Christliche Liste (Bauerngutsbesitzer H. Heidenreich, Pfarrer Wapler), die Völkische Liste (Bauerngutsbesitzer Chr. Alter) und die SPD Liste (Eisenbahnbetriebsassistent W. Schneider) zur Wahl, von 162 Stimmen vielen 88 auf Schneider, 51 auf Heidenreich, 21 auf Alter, 2 Stimmen waren ungültig.
  • 1930 Im Einvernehmen mit der Gemeindevertretung stellte die Kirche Land am Masernpfuhl zur Verfügung, um einen Fußballplatz darauf zu errichten.
  • 1930er Das Amt des Kirchdieners wird mit dem des Gemeindedieners zusammen gelegt.
  • 13.11.1932 Die Wahl der Kirchenkörperschaft erübrigte sich, da die Dorfbewohner keine Einwände gegen die vorliegende “Einheitsliste” erhoben.
  • 23.1.1933 Pfarrer Wapler hielt in der Kirche eine vaterländische Weihestunde ab, der Kriegerverein veranstaltete eine Reichsgründungsfeier, bei welcher “Kamerad” Pfarrer Wapler die Festansprache hielt.
  • 5.3.1933 Bei Veranstaltungen des Staates – erstmals ab diesem Wahltag – ließ der Pfarrer auf dem Kirchturm sowohl die schwarz – weiß -rote Staatsflagge, als auch die Hakenkreuzfahne hissen.
  • 31.3.1933 Der Pfarrer veranstaltete eine “vaterländische” Feierstunde in der Kirche zur Eröffnung des Reichstages in Berlin.
  • 21.4.1933 Unter Festansprache durch Pfarrer Wapler und Pg. Alter wird eine “Hitlereiche” auf den Kirchplatz gepflanzt.
  • 2.5.1933 “Die Kirche freut sich von Herzen, dass die “Nationale Revolution” den Weg zu ihr sucht und fand, ebenso wie sie gern ihrerseits den durchaus “biblischen” Dienst am Vaterland pflegt und fördert…”
  • 6.7.1933 Zeitung, Kirchenamtliches: “Gemäß der amtlichen Verfügung führen sämtliche Geschäfte der aufgelösten Körperschaften jeweils zusammen mit dem Pfarrer bis auf weiteres in Jacobsdorf der bisherige Patronatsälteste Freudenberg…”
  • 19.7.1933 Zeitung, Kirchenwahl: “Hier kam durch gemeinsame Aussprache der Beteiligten eine “Einheitsliste Deutscher Christen” zustande. Da bei dem friedlichen Verlauf der Besprechung nicht anzunehmen ist, daß noch eine zweite Liste kommt, erübrigt sich voraussichtlich der Wahlakt am Sonntag.” Pfarrer Wapler leitete zu diesem Zeitpunkt bereits einen Stützpunkt “Deutsche Christen” mit 21 Mitgliedern.
  • 24.12.1933 Der Schule wird untersagt, ein christliches Weihnachtsfest zu feiern, statt dessen findet eine “Christweihnachtsfeier” statt.
  • 1934 Die Schule muss ihre “Spielnachmittage” an die Hitlerjugend abgeben und einen “Staatjugendtag” einführen.
  • September 1934 Der Küster und Lehrer Oskar Krause übernimmt die Leitung des Stützpunktes der NS- Volkswohlfahrt mit 19 Mitgliedern.
  • 20.4.1935 Ein Drahtseil der Kirchturmuhr reißt, das Gegengewicht der Uhr beschädigt durch den Absturz den Deckenbelag der Kirche erheblich.
  • 1937 Die Pfarre verkauft einen Spielplatz und verpachtet 1/3 Morgen Land an die Gemeinde. Die alten “Sandküten” der Pfarre sollen der Errichtung eines Schießplatzes dienen.
  • 1938 Stiftung eines Farbfensters “Zum ehrenden Gedenken unserer gebliebenen Helden 1914-1918. Gestiftet im Jahre 1938 des neuen Groß Deutschland”, die Stiftung erfolgt durch den Erbbauern Heidenreich und die NS-Frauenhilfe, oben befinden sich Kreuz und Stahlhelm, darunter die Sinndeutung des Abendmahls als Opferung.
  • 1939 Stiftung eines Farbfensters “Der Herr hat Großes an uns uns getan, des sind wir fröhlich” über eine Zusatzspende von 100 RM, oben Purpurrosette mit gelbem Kelch, in der Mitte Kreuz und Lamm mit Siegesfahne, unten Eichenlaub
  • 1939 – Herbst 1944 In Jacobsdorf wird ein Zwangsarbeitslager für Juden in einer Kate,  “dem Grabkeschen Haus”, auf dem Grundstück des Bauern Julius Hermann Heidenreich unterhalten. Die Lagerinsassen wurden für schwere Holzarbeiten und Forstpflanzungen in der Nähe von Treplin Richtung Booßen und in Jänickendorf bei Hangelsberg eingesetzt. Zu den Nutznießern dieser Zwangsarbeit gehörte in Jacobsdorf auch die evangelische Kirche. Hans Heilborn aus Frankfurt (O) überlebte seine spätere Deportation ins KZ Theresienstadt und konnte so als Zeitzeuge berichten. Ein anderer Zeitzeuge, der im Sommer 1943 im Lager war, ist Gad (Gerhard) Beck aus Berlin.
  • 1942 Die insgesamt 3 Bronzeglocken (die bisher unerwähnte Glocke von 75 cm Durchmesser war schmucklos, aber ebenfalls mittelalterlich) mussten zur Buntmetallgewinnung abgeliefert werden.
  • 4.9.1943 Pfarrer Wapler schreibt an das Kirchenkonsistorium, da die wertvollen Kirchenbücher und andere Dokumente keinen Schutz vor Phosphor- und Sprengbomben haben
  • 5.11.1944 Die Aufstellung eines Volkssturmbataillons erfolgte, zum Kommandeur wurde der Küster und Lehrer Oskar Krause, Hauptmann der Reserve, bestimmt. Er fiel am 3.5.1945 bei Halbe.
  • 1945 60% der Kirche sind durch Beschuss zerstört, da die Frontlinie im Dorf verlief
Kirche Jacobsdorf

Foto aus dem Besitz der Familie Paul

Jacobsdorf

Foto aus dem Besitz der Familie Paul

Kirche Jacobsdorf

Foto privat

  •  1945 – 1950 An über 40 Pächter wird Kirchenland verteilt, diese Flächen werden später von der LPG bewirtschaftet, der Landkreis entrichtet dafür Nutzungsgebühren an die Kirche.
  • 1946 Es wurden 425,5 ha um Jacobsdorf, 60 ha Wald bei Falkenberg und 90 ha Wald bei Alt Madlitz enteignet. Bei der Verteilung erhalten auch 31 Umsiedler 145,5 ha Land.
  • ab 1946 Der zuständige Superintendent ist in Frankfurt (O).
  • 16.11.1948 Aktenvermerk über die Besichtigung der Kirche in Jakobsdorf gemeinsam mit Herrn Oberbaurat Dr. Steinberg vom Kirchlichen Bauamt:

„Der Dachstuhl und der hölzerne Fachwerkturm haben unter den Kriegseinwirkungen schwer gelitten. Die Dachkonstruktion muss wiederhergestellt werden, da der ganze Dachstuhl mitsamt der geborstenen Holzdecke in den Kirchenraum hineinhängt und jeden Augenblick einzustürzen und das noch völlig erhaltene Gestühl zu beschädigen droht. Zur Rettung der Konstruktionen ist das Einziehen und Einbinden mehrerer Balken und Sparren anstelle der zerschossenen dringend notwendig. Der vollkommen zerschossene Turm muss zunächst abgenommen und später in alter Form in verbretterter Fachwerkkonstruktion mit dem Glockenstuhl wieder aufgebaut werden. Nach Eindeckung der Dächer mit Schindeln oder Stroh bedarf der im ‘neugotischen Stil’ vollkommen verdorbene Innenraum einer völligen Neuausmalung. Um den Befehl 209 nicht entgegen zu handeln, wurde beschlossen, zur Abwendung der Einsturzgefahr durch freiwillige Hilfskräfte aus der Gemeinde, die bereits zugeschnittenen Hölzer unter der fachmännischen Leitung des Sägewerkbesitzers und Zimmermeisters Henkel aufzubringen. Herr Henkel hat seine Hilfe mit Rat und Tat zugesagt, sobald es ihm die derzeitige Überlastung mit Aufträgen erlaubt.“

Am Wiederaufbau beteiligt sind Willi Höppner, Elektro-Installationsmeister aus Briesen und verschiedene Jacobsdorfer Firmen:
Fuhrunternehmer Otto York, Schmiedemeister Ludwig König, Stellmachermeister Seilz, Tischlermeister Paul Schubert, Karl Flohr liefert Zaunstiele aus Akazienholz für den Zaun um den Kirchplatz. Erich Wolf ist verantwortlich für die Anbringung eines Dauerbrandofens in der Kirche

  • 1949 Instandsetzung des zerstörten Daches.
  • Dezember 1949 Die beiden größeren Glocken kehren zurück, nach ersten Aufräumarbeiten und einer Notreparatur gibt es bereits eine Trauung in der Kirche.

Quittung

  • ab 1950 Aufbau von Turm und Kirche in der heutigen Form mit neuer Dacheindeckung für 60.000 M unter Pfarrer Otto Lipski. Eingekircht ist Judenberg-Siedlung und Thomasaue.
Handwerker auf dem Kirchdach

3 Handwerker auf dem nordwestlichen Kirchendach 1. Stebner Mitte ?. 3. Buth – wer kennt den dritten Handwerker?
Foto Gemeindebrief 31/2013

  • 6. Oktober 1950

„… Das gesamte Kirchendach ist wieder aufgebracht und mit Schindeln eingedeckt worden, nachdem zuvor der Ostgiebel in Feldsteinmauerwerk in den alten Formen wieder aufgebaut worden ist. Die gesamten Arbeiten sind in handwerklich guter Arbeit durchgeführt worden. Der Glockenstuhl in dem Rest des alten Turmes ist wiederhergestellt worden. Zur Zeit wird daran gearbeitet, den Turm selbst wieder herzustellen, um die Anschlüsse der Eindeckung am Turm  und die Eindeckung der Turmabseiten, die für die Arbeiten noch zurückgehalten werden mussten, auch durchführen zu können. Eine Glocke steht zum Aufziehen bereit, so dass auch das Glockengeläut in Kürze wieder in Betrieb genommen werden kann.“

  • 1954 – 1995 Kirchenältester und Ehrenmitglied des Kirchenvorstandes ist Gerd Paul
  • Ende 50er Jahre Partnerschaft zur Kirchgemeinde Friedrichsfeld bei Wesel, Kontakte über Berlin
  • 27.04.1958 Die Jacobsdorfer Konfirmanden von 1958. Von links, vorn: Reinhard Buchholz, Birgit Henkel,  Siegrun Gahr, Ingrid Schulz, Karin Neumann, Marianne Dorn, Ursula Schulze, Brigitte Schulz, Heike Friedrich, Inge Heinicke; hinten: Rainer Richter, Pfarrer Walter Baaske, Eberhard Schischke, Armin Kurtze. Auf dem Foto nicht zu sehen sind Bernhard Bothe und Wolfgang Regien.
Konfirmation 1958 Jacobsdorf

Foto Gemeindebrief 2/2008

  • 60er Jahre Neue Glockenaufhängung durch den Kirchenältesten Ludwig, da die Glocke bis heute mit der Hand geläutet wird, wurde die Drehachse näher an den Schwerpunkt der Glocke verlegt, neue Taufe.
  • 1962 Konfirmanden Harald Bothe, Jürgen Kapiske und Alfred Schubert mit ihren Eltern 

Foto Gemeindebrief 24/2012

  • 1963 Abriss der Orgel
  • 1.10.1975 Der Pfarrsprengel Jacobsdorf wird pfarramtlich mit Biegen verbunden (Dauervakanz), jetzt gehören 4 Kirchen und Gemeinden zusammen. Pfarrer Wolfgang Rein beginnt seinen Dienst. Die Idee des Dorfkirchentags wird geboren.
  • 1978 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf
  • bis 1989 Das Dorf ist in 5 Kirchenbezirke aufgeteilt, für jeden Bezirk ist ein Kirchenältester zuständig.
  • 1991 Kirchenrenovierung mit Erneuerung von Putz und Fußboden, Elektrik, Gestühlreparatur, Malerarbeiten, Erneuerung der hölzernen Unterbauten von Altar und Kanzel durch den Tischlermeister Wilhelm Schubert, Jacobsdorf und Tischler Werner Margraff
  • Advent 1991 Neuweihe der Kirche durch Superintendent Bruckhoff aus Frankfurt (O)
  • 7.5.2000 Goldene Konfirmation, der schöne Brauch ist wieder belebt
  • Sept. 2007
Schulgasse

Blick zur Kirche von der Schulgasse aus, links die ehemalige Schule

Schule 2007

das ehemalige Schulgebäude

Pfarrhaus

Blick von der Kirche zum Pfarrhaus

  • 2008 Eine Holzstele des Bildhauers Steffen Böttger an der Kirche lädt Pilger zum Verweilen ein.

 

die Kunstschmiede Grunow aus Frankfurt/O. überlässt der Kirchgemeinde neue Lampen im Wert von 1700 Euro

 

 

 

  • Oktober 2009 Die Sanierung des Kirchturms beginnt. Bei der Abnahme der Kugel werden eingewickelt in feuchtem braunen Papier ein paar Pfennig-Münzen, eine “Märkische Volksstimme” vom 25. Oktober 1950 und “Der freie Bauer” vom 8. Oktober 1950, sowie die Bau-Urkunde vom Maurermeister Rolf Henkel gefunden. In dieser berichtet der Maurermeister, dass die Kirche durch den 2. Weltkrieg fast völlig zerstört worden war, und er mit Pillgramer und Biegener Fachfirmen den Dachstuhl und die Spitzen des Ost- und Westgiebels erneuert habe.
Kugelabnahme

Die Fotos wurden uns freundlicher Weise von Frau Cornelia Link freie Mitarbeiterin der MOZ- Fürstenwalde, zur Verfügung gestellt

Transport der Kugel

Gemeinde-Bürgermeister Dr. Detlef Gasche, Gastronom Denis Petzold vom “Erbkrug” und Pfarrer Andreas Althausen (v.l.)
tragen die Turmkugel ins Pfarrhaus

Öffnen der Kugel

Dachdecker Heino Flauaus öffnet beherzt die Kugel

Inspektion des Inhaltes

Planer Armin Gebauer an der Kugel Pfarrer Althausen links im Bild
Dr. Gasche, hinter ihm Gastronom Petzold, vorn rechts Frau Althausen, inspizieren den Fund

 weitere Fotos hier  zur Kirchengeschichte

Die Fotos wurden uns freundlicher Weise von Frau Gabriele Lehmann, Jacobsdorf, zur Verfügung gestellt.

  • 9.12.2009

Die neue Wetterfahne ist aufgesetzt, die Kugel frisch vergoldet.

  • Januar 2010 Gründung des Kirchenchores 

Foto: Gemeindebrief 11/2010

  • Dorfkirchentag 5.06.2011  Treffen der Partnergemeinden Köln-Höhenhaus, sowie Horizontina und Tres de Majo, Brasilien vom 1. bis 5. Juni in Jacobsdorf. Renato Küntzer überreicht das Geschenk der Gäste aus BrasilienIn der Kirche wurden 10 Tafeln zur Jacobsdorfer Geschichte aufgestellt.

Foto: Gemeindebrief 16/2011

  • Juli 2012 Die Sanierung der Feldsteinfassade wurde fortgesetzt. Der dritte und damit letzte Bauabschnitt nach der Dach- und Turmsanierung kostete rund 100 000 Euro, davon wurden 45 Prozent über  Fördermittel finanziert. Die Bauausführung erfolgte durch eine Müncheberger Firma.
  • 27. März 2014 

Zeitungsartikel aus dem Spreejournal, MOZ vom 28. 3. 2014

Foto: Gemeindebrief 36/2014

Fachmonteur Thomas Scholz und ein Kollege von der Firma Glockentechnik Schmidt aus Berlin seilten die beiden Glocken mit einem Gewicht von 240 kg und 750 kg aus dem Turm ab. Zur Reparatur der Aufhängung wurden sie nach Nördlingen gebracht, um nach der Reparatur, die etwa 35. 000 Euro kostet, wieder geläutet werden zu können. Die Kosten wurden durch Spenden, Förder- und Haushaltsmittel finanziert. In der Zwischenzeit wird eine ferngesteuerte Läutanlage montiert, um das Läuten von Hand abzuschaffen.

  • 29. Juni 2014 Dorfkirchentag und Glockenfest

Foto: Gemeindebrief 38/2014

  • 05. August 2014  die Glocken kehren nach der Reparatur an ihren Platz zurück

Foto: Gemeindebrief 38/2014

 

Jacobsdorfer Kirchgeschichte II

Abriss der Geschichte der Jacobsdorfer Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil II  seit Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

 

  • 1702 Das Pfarrhaus wurde ausgebessert, es gehören 4 Hufen Land dazu. Der Pfarrer hat noch einen Ackerhof von 4 Scheffel Aussat, als Dezem (Zehnt) erhält er von jeder Hufe 1 Scheffel Roggen und 2 Eier, die Kossäten geben ebenfalls jeder 2 Eier. Das Schulmeisterhaus (Küsterhaus), welches in gutem Zustande ist, hat hinter dem Haus einen kleinen Garten Grabeland. Sein Dezem besteht aus 1/2 Scheffel Roggen und einem Ei von jeder Hufe, sowie einem Ei von jedem Kossäten zu Ostern. Der Küster zieht den Dezem des Schulmeisters aus Briesen ein, er bekommt von jeder Hufe einen Scheffel Roggen und von jeder Hufe und jedem Kossäten 1 Ei. Es gibt ein Schulzengut, ehemals von den Kartäusern verlehnt. Die freie Schäferei mit Kruggerechtigkeit, ehemals der Viadrina zugeschlagen und zum Vorwerk gemacht, besitzt nun 12 Hufen und wurde vermietet. Die Kirche ist in guten Zustand und hat 1 Hufe Land.
  • 1703 Abschaffung des Exorzismus vor der Kindstaufe, den Pfarramtskandidaten wurde das Versprechen abgenommen, “auf Begehren der Eltern absque Exorcimo unweigerlich” zu taufen.
  • 1709 Der Küster und Schulmeister Koch, welcher auch Buchbinder war, bindet ein noch vorhandenes Evangelienbuch von 1625 neu.
  • 5.3.1715 Instruktion zur Kirchenvisitation, jeder Superintendent, Propst oder Inspekteur musste in seinem Amtssprengel eine Lokalvisitation auf Kosten der besuchten Gemeinde durchführen.
  • 1716 – 1746 Öffentlichen Kirchenbuße, bei Ehebruch, “Hurerey” und später weiteren Delikten, musste das Gemeindemitglied öffentlich Buße tun, ansonsten blieb es vom Abendmahl ausgeschlossen.
  • 28.9.1717 Einführung der Schulpflicht
  • 1718 “Weil der Kirche vorm Jahre die Altartücher und der Chorrock gestohlen, so haben zum Altartuch geschenket: Der Herr Balthasar von Strantz 4 Tlr., Christoph Mielitz, Schütze in der Steinhöfelschen Heide 1 Tlr., und Anna Wildin 1 Tlr., Herr Christian Junge hat einen gemachten Chorrock geschenket.”
  • 23.9.1720 Stiftung eines hölzernen Taufengels (welcher 1865 verloren ging) durch Angehörige der Familie Coßmar, der Pfarrer Alex war mit Johanna Dorothea Coßmar vermählt

KB

” Anno 1720 d. 23th. Septemb. seyn die sieben Geschwister der respect. Cosmarischen Familie alhier bey mir MCG Alex P. L. vergnüglich zusammen gewesen, als H. M. Christian Archi=Diaconus Zu Stendal u. Pastor Zu Röxe. H. Coelestin Kammer Gerichts Advocatus ordin. in Berlin. H. M. Caspar Archi-Diaconus Zu Schwed u. Pastor Zu Heinersdorff. H. David Regiments=Quartier=Meister unter dem Könichl. Preusensch. Hochlöbl. Regiment des Hrn General de Wensen Zu Pferde Frau Juliana Margaretha Hrn Mag Christian Puhlemanns Archi=Diaconi bey der Unter=Kirchen Zu Franckfurt Ehe-Liebste. Jfr. Eva Maria Fr. Johanna Dorothea als meiner Ehe-Genossin. Und Zur Dankbarkeit gegen Ihren Gott für seine vielfältige Güte, wie auch Zum Andencken ihrer vergnügten Zusammenkunft haben Sie denTauf=Engel in hiesiger Kirche geschencket. Prov. 10v7. Das Gedächtnis der Gerechten bleibet im Segen.”

  • 1729 Familien, welche das Schulgeld nicht aufbringen können, werden von der Kirche unterstützt.
  • um 1730

    Abendmahlskelch, Silber

 

 

 

 

 

 

 

 

  • 1736 Die Jacobsdorfer stellen ein Bittgesuch an den König Friedrich Wilhelm I., weil Georg Ernst Ruhm, welcher als neuer Prediger von der “Viadrina” vorgeschlagen wurde, eine verkrüppelte Hand hatte. Sie glaubten, ein “Krüppel” würde Unheil über die Gemeinde bringen. Diese Bitte wurde abgeschlagen und der neue Prediger trat seine Stelle an. Der Pfarrer findet auf dem Pfarracker in der Nähe des Dorfes auf dem Abhang zum Fließ ein großes Flachgräberfeld mit Urnen aus der jüngeren Bronzezeit. Diese stehen in kleinen Steinpackungen, beim Nachgraben wird man auch auf dem Nachbaracker fündig. Es fanden sich noch ein Steinhammer, ein “Eisenstein” und kleinere Bronzefragmente.
  • 1738 Der Küster Johann Salomon Lehmann hat das Schulamt inne, seine Frau hilft ihm dabei. Das Patronat hatte die Universität Viadrina, bei der Wahl der Bewerber für das Amt des Küsters und Schulhalters wurden meist Handwerker bevorzugt, bevorzugt wurden Kandidaten, welche die Tochter des Amtsvorgängers heirateten.
  • um 1750 Als dem Pfarrer zu Ohren kommt, das eine Frau aus dem Dorf an “Hexen” und “Wahrsagerinnen” vermitteln würde, untersagte er den Einwohnern die Beherbergung der Frau, diese musste daraufhin mit ihrer Familie in einer Scheune leben. Dafür wurde er von der Universität gerügt: “Dem Dorfpapst zeigen, daß seine dreifache Krone noch sehr makele, er soll sich auf geistliche Waffen beschränken, nicht selbst Verfügung tun.”
  • 1750 Kirchenväter sind Paul Voß und Johann Georg Schulze
  • 1759 Durch ein Gefecht im 7 jährigen Krieg fängt das Haus des Kirchenältesten Georg Schultze Feuer und mit ihm gehen auch Geld und Nachrichten im Kirchenkästchen unter, König Friedrich der Große erlässt den Befehl, das sich die Einwohner mit ihrer Habe nach Wollup flüchten.
  • 1763 “Allgemeines preußisches Schulreglement”, es regelte allgemeinverbindlich den Unterricht
  • um 1768 Im Kirchenregister werden nun auch Nottaufen und Totgeburten erfasst.
  • bis Ende 1771 Der Pfarrer übergibt Listen mit Geburten, Trauungen und Beerdigungen an das Königliche Oberkonsistorium und den Landrat.
  • 1777 Rechteckbau mit glattem Chorabschluss, Ostgiebel ohne Blenden, Satteldach etwa wie heute, ein wuchtiger, mehrgeschossiger Westturm, der in der Breite das Schiff abschließt und höher aufgemauert ist als der First des Schiffes. Der Turm besitzt ein steiles Zeltdach und bereits die Turmuhr. Das Kirchportal befindet sich an der Südwand. Der Blockturm soll schindelgedeckt gewesen sein.
Kirche 1777

Ausschnitt Siegelabdruck des Jacobsdorfer Kirchsiegels

  • 8.4.1778 Oberförster Johann Georg Müller (*um 1708 + 1778) wird beigesetzt in der Jacobsdorfer Kirche, er rettete den König in der Schlacht bei Kunersdorf im August 1759 im Reitenden Feldjägerkorps
  • 1787 Ein Oberschulkollegium wird eingereichtet, es ist mit dem Oberkonsistorium faktisch identisch, die Pfarrer sind auf dem Lande ohnehin in der Regel die einzigen, welche den nötigen Bildungsstand mitbringen, den Unterricht durchzuführen, die Küster unterrichten auch Lesen und Schreiben.
  • 1801 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf
  • Anfang 19. Jh. Die Söhne des Johann Christian Karbe pachten die Domäne Jacobsdorf, ihrer Familie gehörte seit 1789 u.a. das Rittergut in Sieversdorf bei Frankfurt (O), der Jacobsdorfer Zweig starb aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mannesstamm aus. Amtmann Ludwig Philipp Karbe 3.1.1747, geboren Zühlen bei Rheinsberg starb am 23.9.1881 in Jacobsdorf. (Das heutige Wappen, wurde durch Beschluss des Familienverbandes 1939 angenommen: In Silber zwei rote, von drei (2, 1) roten Rosen mit goldenen Butzen und grünen Kelchblättern begleitete Sparren; auf dem Helme mit rot-silberner Decke zwischen einem beiderseits mit je einer roten Rose belegten offenen silbernen Fluge drei goldene Weizenähren an gemeinsamem beblättertem Stängel. Das Wappen ist angelehnt an das Siegelwappen, das Philipp Heinrich Karbe, Kgl. Preuß. Oberamtmann zu Chorin und Gramzow, um 1786 führte. Dieses Wappen, dessen Farben unbekannt sind, war erhalten in den Akten des Preuß. Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, Preußen- Brandenburg, Rep. 2, 1, Domänen-Registratur der Ämter Chorin und Gramzow. Das jetzige Wappen hat im Unterschied zu dem um 1786 geführten auf dem Helme drei Ähren statt drei Eicheln..*))
  • um 1806 Brand im Pfarrhof während des Krieges, 2 Ställe, Hausgerät, 2 Schweine, 10 Enten und 14 Hühner verbrennen. Der Magister Fleck verhindert die Erschießung des Dorfschulzen Scharnow durch die Franzosen, dieser wird daraufhin zu 6 Wochen Gefängnis in Frankfurt (O) verurteilt. Im Dorf leben 18 Ganz-, 4 Halbbauern, 12 Ganzkossäten, 3 Büdner, 5 Einlieger. Es gibt 2 Krüge, einen Schmied und die Bevölkerung beläuft sich zusammen mir dem Vorwerk Vorheide auf 344 Einwohner mit 48 Feuerstätten.
  • 1806 – 1812 Der zuständige Superintendent ist in Frankfurt (O).
  • Oktober 1807 Oktoberedikt“, Agrarreform im Königreich Preußen, welches die Separation der bisherigen Grundstücksgemengelage verfügte
  • 1808 – 1815 Pfarrer Prediger UleHeinrich Wilhelm Ule unterrichtet ebenfalls. 
  • 1809 Johann Friedrich Janisch ist Kirchenvorsteher, Gerichtsmann und Erbkrüger, Martin JanischScharnow ist Gerichtsschulze, Kirchenvorsteher und Bauer. Meister David Nickel ist Huf- und Waffenschmied.  Mebus ist Unterförster, Christian Busch ist der Zollkrüger, Gottlieb Richter Mitpächter des Vorwerkes, Gottfried Thieme ist dort Schäfer. Johann Friedrich Flohr ist Tischlermeister. Johann Georg Kessel ist Rademachermeister auf dem Heidehaus bei Jacobsdorf. 
  • 1811 – 1823 Lehnträger ist das Amt Frankfurt (O)
  • 1811 – 1918 Der König wird Kirchenpatron und Lehnsherr, an seine Stelle tritt später der Staat (Fiskus).
  • 1812 – 1946 Der zuständige Superintendent ist in Frankfurt (O) I.
  • Dezember 1813 Kirchen- und Schulvisitation in der Parochie durch Superintendent Neumann zu Lossow, er fand das Kirchen- und Schulwesen in vorzüglich gutem Zustande. Pfarrer Ule hatte 400 Taler Einkommen, die Familie wurde zudem durch den Vater seiner Frau unterstützt.
  • 18.1.1816 Prediger Tetz rechnete 9 Reichsthaler aus der Friedensfest-Kollekte für die invaliden Krieger, Witwen und Waisen des Feldzuges 1813 / 1815 ab.
  •  1817 Friedrich Wilhelm III. führt zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirchenunion zwischen Lutheranern und Reformierten ein
  • 14.9.1819 
    “Luise Kupper, Wittwe des weihl: George Kupper, Gemeinden Schäfers zu Jacobsdorf ward am vierzehnten, 14. September a. c. in der Gegend von Heinersdorf, von einem Postwagen überfahren und starb bald darauf, sie ward am siebenzehnten, 17. ejusdem zu Heinersdorf von dem dasigen Prediger Livinus nach gerichtl. Untersuchung u. Obduction in der Stille beerdigt. Sie war gegen 60 Jahre alt und hinterließ drei majorenne Söhne.”
  • 1820 Ein neues Schulhaus aus Fachwerk wird für 950 Taler auf dem alten Küstereigrundstück quer vor die Kirche gebaut. Das alte Haus wurde abgerissen.
  • 1821 Blitzschlag und Feuer im Kirchturm, Bauer Janisch löscht die Flammen und bewahrt die Kirche vor dem Schlimmsten.
  • 23.9.1821 Der Amtmann Ludwig Philipp Karbe, geboren am 3.1.1747 in Zühlen bei Rheinsberg stirbt.
  • 1823 Pfarrer Unterschrift RaschigRaschig stellt für das Kirchenland den Antrag auf Separation der Gemengeflur.
  • 1824 – 1839 Lehnträger ist das Amt Biegen
  • 1825 Die Verordnung des Königlichen Oberlandesgerichts zu Frankfurt verpflichtet die Pfarrer jährlich zur Übergabe der standesamtlichen Daten. 
  • 1830 – 1832 Separation, danach umfasst das Kirchenland 191 Morgen und 96 Quadratruten, der Gemeindefriedhof 3 Morgen, 73 Quadratruten, für die Hauwiesen erhält die Kirche 600 Reichstaler Abfindung für die Hütungsrechte, die Schule erhält als Entschädigung für die Hütungsrechte 4 Morgen, 123 Quadratruten Ackerland.
  • 3.7.1834 Eine neue Feuerlöschordnung tritt in Kraft, der Conducteur Lehmann aus Jacobsdorf ist Commissarius, der Gutsbesitzer Sembach aus Pillgram sein Stellvertreter.
  • 1837 Verlegung des Friedhofes von der Kirche weg
  • 1839 – 1872 Lehnträger ist das Amt Frankfurt (O)
  • 1840 Der 17 Quadratruten große Straßengarten am Krugpfuhl wird von der Pfarre an den Schmied Friedrich Müller für 50 Taler verkauft.
  • 1841 Die Pfarrscheune brennt ab, als die daneben gelegene Schäferei und der Krug brennen.
  • 1842 Separation der Hauwiesen, Kirche und Pfarre hatten hier Anteil und Holzrechte südlich des Fließgraben.
  • 12.5.1843 Die Pfarre verkauft 5 Morgen, 125 Quadratruten Kirchenland, da dort die Eisenbahntrasse gebaut wird (Berlin – Frankfurt).
  • 1844 Das Schulhaus wird massiv ausgebaut.
  • 1845 Rückbau des Blockturmes um ein Geschoss.
  • 1847 Abgrenzung der Verantwortung und Zuständigkeit von Konsistorien und Landesregierungen im Königreich Preußen 
  • 21.11.1848 der Rittergutsbesitzer Schiffmann aus Jacobsdorf wird Spezialdirektor der Hagelschaden- und Mobiliar- Brand- Versicherungs- Gesellschaft zu Schwedt an der Oder
  • 1856 Seidenraupenzucht wird durch den Lehrer Lehmann vorgenommen
  • zwischen Jan. 1856 u. Mai 1857 Frau Amtmann Faßmann aus Jacobsdorf stiftet der Kirche eine Altarpultdecke “von schwarzem Patent – Sammet mit Silberstickerei und Silberfranzen und einen dergleichen Klingebeutel”
  • 27.2.1857 Edmund Theodor Raschig wird als Feldmesser vereidigt
  • ab 1860 Kirchumbau durch den Bauunternehmer Uckrow aus Jacobsdorf, unter anderem wurde der Hochaltar gegen den Wunsch der Gemeinde abgebrochen, die Kanzel verlegt, die Seitenchöre entfernt, Fenster vergrößert und der Fußboden ausgeschachtet, der Umbau erschien pietätlos und das Ergebnis zeigte sich in einer nüchternen, schmucklosen, entkleideten Kirche. Der Blockturm verschwand im Zuge der Sanierung.
  • 1864 Zum Dorf gehört ein Vorwerk, es gibt eine Windmühle.
  • 1865 Der Taufengel wird abgehängt im Zusammenhang mit der Kirchenrenovierung und geht danach verloren, die geschnitzten Figuren des Altars wurden in stark beschädigtem Zustand dem Kreismuseum Müncheberg übergeben, der hölzerne Tauftisch wurde nicht wieder aufgestellt, es erfolgte der Einkauf von einfacher Dutzendware. Gesamtaufwand des Umbaus 4280 Taler, die Bauausführung oblag der Aufsicht des Maurermeisters Möhring aus Beeskow.
  • Juli 1865 Von den Kirchenältesten Weinberg und Kessel sowie dem Orgelbaumeister Sauer im Juli 1865 bestätigte Skizze der neuen Orgel.

Zeichnung der Orgel

  • 1869 Das Diensteinkommen des Pfarrers Raschig beträgt 500 Reichstaler, der Küster und Schulmeister erhalten jeweils 250 Reichstaler im Jahr.
  • 1871 eingekircht ist Breitegestell
  • 1874 Der Kirchturm erhält eine Kupferkugel und Wetterfahne.
  • 1.10.1874 Der Pfarrer übergibt die Personenstanderfassung an das nun zuständige Standesamt in Petersdorf.
  • 1879 Gutsbesitzer Baron von der Osten Sacken besitzt 296,25 ha in Jacobsdorf, der Grundsteuerreinertrag beträgt 3600 Mark
  • 1880 eingekircht ist Vorheide bei Müllrose und Heidehaus
  • 31.10.1884 Beschluss: Geistlichen, Schullehrern und Kirchendienern ist bei der Durchführung des Dreiklassenwahlrechts die Wahlberechtigung entzogen.
  • 20.7.1886 Rezeß Nr. 1000 der Regierung Frankfurt (O) beendet die Separation der Hauwiesen.
  • bis 1887 der eingekirchte Wohnplatz Breitegestell gehört zu Jacobsdorf
  • 17.1.1891 Luise Banisch, verehelichte Möbius, wird geboren. Die Tabakarbeiterin der Zigarettenfabrik Abdullah trat 1931, als sie in Berlin-Friedrichshain wohnte, in die KPD ein. Zu diesem Zeitpunkt war Lotte Ulbricht Bezirksverordnete der Partei in Friedrichhain. Am 6.6.1934 wurde Luise Möbius als Widerstandskämpferin verhaftet.
  • vor 1892 – 1952 Der Küster und Lehrer Kusatz initiiert den Männergesangsverein “Eichenkranz”, er ist auch der erste Dirigent des Chores. Dieser trifft sich bei Heidenreich (heute “Zum Erbkrug” Hauptstrasse 25) und besteht nur aus den Söhnen der Bauern und den Bauern.
Gasthof Heidenreich

Gasthof Heidenreich um 1900
Foto privat

  • 1893 Schulneubau (heute Schulgasse 3)
  • 1899 Einbau einer neuen Turmuhr für 1.100 RM
  • um 1900 In der Jacobsdorfer Kirche herrschte eine strenge Ordnung, von Altar aus rechts saßen die Frauen, links die Männer, in den vorderen Reihen saßen die Bauern, dahinter die Kossäten, es folgten die Büdner, dann die Häusler, zuletzt die Tagelöhnerund sonstigen Arbeiter. Der Brauch des “Fleischzehnt” für den Pfarrer beim Schlachten hielt sich in den märkischen Dörfern noch genauso, wie das getrennte Herantreten von Männern und Frauen beim Abendmahl, sie gingen von der Brotseite um den Altar herum zur Kelchseite, verneigten sich und legten danach ihre Opfergabe an den Altar. Die Sitte, im schwarzen Rock zur Kirche zu gehen, verlor sich erst nach 1933.Eine Parzelle des Kirchenlandes wird (vermutlich als Erbpacht) an den Chausseewärter Friedrich Gröschke abgegeben. Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf, es gibt im Ort eine Getreidemühle.

*) Familienverband Karbe

ein Teil der Daten und Bilder entnommen der Chronik Jacobsdorf, Verlag die Furt, Hauptstrasse 28, 15236 Jacobsdorf