Herzliche Grüße von Haus zu Haus

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Und als das Volk das hörte, entsetzten sie sich über seine Lehre.
(Matthäus 22, 32f)

Der Zenit des Sommers ist überschritten; Wochen voll lichter Sommerwärme, brummender Mähdrescher, ausfliegender junger Vögel, des Gartengießens und erfrischender Stunden am See liegen hinter uns. Und dennoch steckt uns die Hitze noch in den Knochen, haben wir den Sommer noch im Herzen. Zu Recht – beginnt doch der Herbst erst in diesem Monat.

Und dennoch: Der Jahreslauf lässt sich nicht aufhalten, das Nicht-Aufhören von „Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8,22) begleitet uns durch unser irdisches Leben.

Und so erinnern uns das Foto und der Bibelvers auf dem Deckblatt daran, dass das Jahr, unser Kirchenjahr, auf sein Ende zusteuert. Auf die Zeit, die uns Gelegenheit gibt, an unsere Verstorbenen zu denken und unser eigenes Ende zu bedenken.

Zwangsläufig gehen damit die Fragen einher nach dem, was uns nach unserem Tod er wartet.

Im Matthäusevangelium gibt es dazu eine Geschichte. Darin wird er zählt, dass einige Sadduzäer mit einer konstruierten unwahrscheinlichen Geschichte zu Jesus kommen:

Eine Frau verliert ihren Mann und heiratet dessen Bruder. Und danach fünf weitere Brüder. Mit wem von diesen, so die Frage, wird die Frau dann im Himmelreich verheiratet sein?

Die Skepsis der Fragenden lässt sich mit Händen greifen: wie soll das funktionieren mit der Auferstehung und dem ewigen Leben? Und diese Skepsis mag auch uns manchmal nicht fremd sein.

Doch Jesus gibt uns eine Antwort: Ihr wisst nicht, „wie groß Gottes Macht ist. Wenn die Menschen vom Tod auferstehen, werden sie nicht mehr heiraten und nicht mehr geheiratet werden, sondern sie werden leben wie die Engel im Himmel ( …) Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“

Das, was wir als irdisches Leben kennen und das mit unserem Tod sein Ende findet, wird so nicht fortgesetzt werden. Eine einfache Weiterführung von Beziehungen, Partnerschaften und Familien, von Freund- und Feindschaften, von Betrug und Rivalität, von Streit und Krieg, von Menschenhandel, Rassismus und Ausbeutung wird es nicht geben. Vielmehr wird Gott alle Tränen abwischen; Trauer, Mühsal und Klage werden der Vergangenheit angehören. Und die Menschen werden leben wie die
Engel, so sagt Jesus – und öffnet damit weiten Raum für das wohltuende Vertrauen, dass nach dem Tod eben nicht alles vorbei ist. Wissen können wir das nicht, aber wir können daran glauben und darauf hoffen.

Gott, so bezeugen es uns die Heiligen Schriften vom Anfang bis zum Ende, ist ein Gott der Lebenden, aller Arten und vor allem der Unarten des Todes zum Trotz.

Und so können wir glauben, vielleicht ermutigt durch die Worte Paul Gerhardts in seinem Lied „Die güldne Sonne“. Dort heißt es in der zwölften Strophe: „Freude die Fülle und selige Stille wird mich erwarten im himmlischen Garten; dahin sind meine Gedanken gericht’.“

So dürfen wir glauben; denn es ist der Glaube, der hilft.

Und so dürfen wir getrost unserer Toten gedenken, voller Hoffnung und wohl wissend, dass der Kreislauf nicht endet. Wohl wissend, dass nach der Zeit des Gedenkens der Advent auf uns wartet – mit all seiner Vorfreude und Verheißung.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Diakonin Kristin von Campenhausen