Herzliche Grüße von Haus zu Haus

Liebe Leserin, lieber Leser,

In jener Zeit … feierten die Menschen Feste … bis zu dem Tag, als Noah in sein Schiff stieg und die Flut kam.
(Lukas 17,27)

Es ist erstaunlich, wie gegenwärtig die Geschichte der Sintflut, des Noah und seiner Arche ist. Man findet das Motiv nicht nur als barocke Malerei, sondern auch in Kinderbüchern, als Puzzle oder nach spielbar mit fröhlichen Holz- oder gar Playmobil-Figuren.

Eigentlich erstaunlich, assoziiert die Geschichte doch eher Strafe, Untergang und Zerstörung. Schließlich  erzählt sie von einem Gott, der sich über das i-Tüpfelchen seiner Schöpfung – den Menschen – ärgert. Gott ärgert sich über die Menschen, die eigensüchtig und gewalttätig sind. Die sich nur um sich selbst drehen und das göttliche Wort missachten. Im Lukasevangelium heißt es: „Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird’s auch geschehen in den Tagen des Menschensohns: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah in die Arche ging und die Sintflut kam …“

Angesprochen von seinen Jüngern, wie es denn mit dem Reich Gottes werden wird, erinnert Jesus hier an die Geschichte der Sintflut und daran, dass die Menschen in ihrem Vorfeld nur mit  äußerlichen Dingen des Lebens wie essen, trinken, heiraten etc. beschäftigt waren. Dies alles sind schöne Dinge, auch Jesus war Gast auf einer Hochzeit und hat Wasser zu Wein verwandelt. Doch wenn sie zum Lebensinhalt und Ziel werden, ohne dass Gott darin eine Rolle spielt, werden sie hohl und stumpf.

Vielleicht geht es auch darum, dass die Menschen nicht alles als selbstverständlich hin nehmen sollen, was das Leben ihnen bietet. Dass ein Innehalten und ein wenig Dank für den Schöpfer durchaus angemessen sind. Und dieses Innehalten gibt Gelegenheit, das Leben um uns herum wahrzunehmen: die Umwelt, die wir strapazieren und zerstören; den anderen Menschen, der nicht genug zu essen hat oder seine Meinung nicht laut sagen darf; die Gesellschaft, die sich aufreibt am Ringen um Solidarität.


Der verärgerte Gott, der die Menschheit brutal bestraft, behagt uns nicht. Und zu Recht. Denn auch diese Geschichte hat nicht nur eine Wahrheit. In ihr begegnet uns nicht nur der strafende, sondern auch der rettende Gott. Gott fegt mit der Sintflut nicht die ganze Menschheit von der Erde, nein, er rettet Noah und die Seinen. Trotz der Katastrophe ist die Welt nicht verloren – es ist nicht alles aus.

Die Geschichte erzählt von einem Ende und von einem Neuanfang. Er geschieht mit Noah und seiner Familie. Alle Menschen, auch wir, haben seit Noah Anteil an diesem Neubeginn. Und warum ausgerechnet Noah?

Noah ging seinen Weg mit Gott. Er war nicht wie die anderen – vielmehr war er unter seinen Zeitgenossen ein gerechter Mann und er tat, was Gott ihm sagte. Unter den misstrauischen und spöttischen Augen der Menschen in seiner Umgebung entwarf er nach den genauesten Vorgaben Gottes einen Plan für den Bau seiner Arche und setzte ihn in die Tat um. Belächelt von den anderen. Unbeirrt. Und er wird belohnt für sein Gottvertrauen.

Vielleicht ist dies die entscheidende Botschaft der Geschichte: vertraue dein Leben Gott an. Lebe im Vertrauen, dass Gott dein Leben in den Händen hält. Und halte dich an sein Wort, denn Lieblosigkeit, Ungerechtigkeit oder destruktive Aggression schaffen Leid und Zerstörung. Sie entzweien die Menschen untereinander und entfernen sie auch von Gott.

Nach überstandener Flut schließen Gott und Noah einen Bund, gekrönt durch einen Regenbogen. Im Stillen verspricht Gott, dass er die Erde nicht mehr verfluchen will. Und laut ruft er Noah und uns zu: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (1.Mose 8) Gott sei Dank!


Ihre Diakonin Kristin von Campenhausen