Herzliche Grüße von Haus zu Haus

Liebe Leserin, lieber Leser,

Selig ist der Leib, der dich getragen hat (Lukas 11,27)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Frauenpower auf dem Titelbild unseres Gemeindebriefes. Zugegeben, das klingt ein wenig lapidar. Aber es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit in vorreformatorischer Zeit Mutter und Großmutter Jesu verehrt wurden. Und auch heute in der katholischen Kirche verehrt werden. Wir Protestanten sind da eher etwas zurückhaltender.

Das Bild zeigt eine Holzplastik aus der Wilmersdorfer Kirche, die viele Jahre ihr Dasein mehr oder weniger ungesehen in der Sakristei fristen musste. 1995 wurde sie restauriert und ist so wieder zu Ehren gekommen.

„Anna Selbdritt“ – Anna selbst und zu dritt, die göttliche Zahl drei

Maria und Anna, die Mutter und Großmutter Jesu, sind auf dem Bild auszumachen, ebenso Jesus in ihrer Mitte. Die Altershierarchie ist an der Größe der Figuren zu erkennen, darüber hinaus trägt Anna
als verheiratete Frau ein Kopftuch.

Anna – diese Frau, die in unserer Bibel namentlich nicht erwähnt wird, von der aber im etwa 150 n. Chr. in Syrien oder Ägypten entstandenen Jakobusevangelium berichtet wird. Dort wird sie als die
Frau genannt, die Maria zur Welt bringen wird. Anna, deren Name Erbarmen und Gnade bedeuten.

Und Maria – uns bestens bekannt als Mutter Jesu. In wenigen Wochen wird sie uns begegnen in den Heiligabend-Gottesdiensten in der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium.

Und vielleicht auch im ersten Kapitel desselben Evangeliums, in dem sie ihren Lobgesang, das „Magnificat“, anstimmt.

Diese beiden Frauen haben Jesus in ihre Mitte genommen. Sie alle umfassen sich, bilden eine Einheit, mit Jesus als Zentrum. Ein Mehrgenerationenmodell.

Später im Lukasevangelium ist eine Frau in der Menge, die dem erwachsenen Jesus
zuruft: „Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast“. Jesus antwortet darauf: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“

So wie es in der Weihnachtsgeschichte von seiner Mutter erzählt wird. Diese „zweierlei Seligpreisungen“ ergänzen einander. Maria ist glücklich zu preisen nicht nur deshalb, weil sie die leibliche Mutter Jesu ist, sondern weil sie zu denen gehört, „die das Wort Gottes hören und es befolgen“.

Eine Einladung an uns: Auch wir können versuchen, unser Leben so zu gestalten, dass es Gottes Wort nicht zuwiderläuft.

Frauenpower – wir erleben sie an so vielen Stellen. Im Iran, wo Frauen für ihre Rechte kämpfen; in Weißrussland, wo oppositionelle Frauen in Gefängnissen sitzen; ukrainische Frauen, die sich mit ihren Kindern auf die Flucht begeben oder sogar im Krieg kämpfen; Mütter überall auf der
Welt, die in unterschiedlichsten Verhältnisen für ihre Kinder sorgen.

Die Jahreslosung für das Jahr 2023 stellt ebenfalls eine Frau in den Mittelpunkt. Hagar ist es, die diese Worte spricht: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Adventszeit.

Ihre Diakonin Kristin von Campenhausen