Herzliche Grüße von Haus zu Haus

Liebe Leserin, lieber Leser,

Er sagte: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, das Passahmahl mit euch zu feiern, bevor ich leiden muss.“
(Lukas 22, 15)

Es gibt viele Bilder, die das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern darstellen.
Dieses hier, ein Fresko aus der Benediktinerabtei Sant’Angelo in Formis im italienischen Capua, ist wahrscheinlich um 1100 entstanden und gehört damit zu den ältesten Abendmahlsdarstellungen überhaupt.
Einige Details fallen ins Auge, die zunächst ungewöhnlich erscheinen.

Jesus und seine Jünger sitzen nicht am Tisch,
sondern liegen – wie es in spätrömischer Zeit üblich war. Und die Szene scheint sich nicht in einem geschlossenen Raum abzuspielen, im Hintergrund sind Gebäude zu sehen.

Von zentraler Bedeutung ist der Tisch, vor allem die Tischplatte. Wie auf einem Podest präsentiert, können wir Anteil nehmen an der gedeckten Tafel, an den Speisen und Getränken, von Jesu Hand gesegnet.

Jesus ist nicht nur dadurch erkennbar; die seinen Kopf umgebende Aura (der Heiligenschein) und das darin erkennbare Kreuzeszeichen identifizieren ihn eindeutig. Sein Tod ist vorweggenommen, dieses
Wissen haben wir als Betrachter den Jüngern voraus. Sie feiern noch ahnungslos das Passahmahl, wie von Jesus ersehnt.

Und sie verhalten sich beinahe ungehörig. Fangen sie doch an zu streiten, so berichtet Lukas inseinem Evangelium. Sie streiten darüber, wer von ihnen denn der Größte, der Bedeutsamste sei.

Und in diesem Streit kommen sie mir so vertraut und allzu menschlich vor. Aber das ist es ja, was diesen Jesus, den Sohn Gottes auszeichnet. Als Mensch ist er zu uns Menschen gekommen. Er sucht das Menschliche, nichts davon ist ihm fremd. Und so sitzt er mit seinen zwölf Jüngern zu Tisch, die alles andere als vollkommen sind. Einer wird ihn verraten; einer wird ihn verleugnen; sie streiten vor seinen Augen, als hätten sie in der gemeinsamen Zeit mit Jesus so gar nichts gelernt.

Doch Jesus sitzt bei seinem letzten Mahl eben gerade mit ihnen am Tisch. Und er beantwortet die Frage der Jünger so: Der Größte, der Vornehmste soll sein wie ein Diener. „Ich aber bin unter euch wie ein Diener.“ Und als solcher stellt er sich in den Dienst der Menschheit; nimmt den Tod auf sich, um die Menschen zu befreien von Sünde und Tod. Deshalb sitzt er auch mit dem Verräter am Tisch, mit den Streitenden und Unzuverlässigen, mit dir und mir.

Wenn wir heute Abendmahl feiern, können wir uns daran erinnern: Jesus hat die Menschheit befreit – die Jünger damals und uns hier und heute. Darüber können wir froh sein! Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis.

Ihre Diakonin Kristin von Campenhausen