Biegener Kirchgeschichte II

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil II  seit Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

 

  • 1600 Die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen.
  • 1601 Das Epitaph (altgriech. epitáphios = „auf dem Grab befindlich“) an der inneren Südseite des Altarraumes zeigt einen Besitzer Biegens, Hans von Gelnitz, aus dem Hause Sawen (Sauen), er starb 1601 und ist dort begraben
Hans von Gelnitz

Foto von 1907

Hans von Gelnitz

Hans von Gelnitz

Kirche Sauen

Kirche zu Sauen, dem Stammsitz derer von Sawen

  • 1608 Rittersitz derer von Röbel
  • nach 1613 Durch den Konfessionswechsel mussten die Malereien in der Biegener Kirche weiß übertüncht werden, es sollten die “Götzen” – Bilder entfernt werden, unter Luther gab es keine “Bilderstürmerei”.
  • 1618 – 1648 Der 30 jährige Krieg zerstört die Kirche stark, auch einen Teil des Altars, daher wird oberhalb ein Gottesauge angebracht, Symbol der Allgegenwart Gottes, das Pfarrhaus verbrennt
Gottesauge

Gottesauge und Tafel unter dem Gottesauge, welche den Altar bis 1957 schmückten

Tafel unter dem Gottesauge

Einer ist der Allerhöchste der Schöpfer aller Dinge HERR GOTT du bist unsere Zukunft für und für
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit
Himmel und Erde werden vergehen aber meine Worte werden nicht vergehen

  • 1624 Es leben in Biegen jeweils 17 Hüfner und Kossäten, 1 Hirte, 1 Pachtschäfer, die Schäferknechte, 1 Schmied, 4 Paar Hausleute, 12 Hufen gehören der Herrschaft,  1 Hüfner und 1 Kossät mit 2  Hufen gehen ab, so den von Röbel “freigewilligt” (steuerfrei gestellt)
  • 1632 – 1829 Das Amt des Generalsuperintendenten ruht.
  • 1633 – 1634 20 Ritterhufen, von den 17 Bauern die zusammen 28 Hufen hatten, ist nur noch einer (!) vorhanden, von den 17 Kossätenhöfen sind 11 wüst, Hirte, Schmied sind noch vorhanden.
  • um 1636 das Gutshaus, ein zweigeschossiger Bau, brennt ab
  • 1637 Prediger Lange musste Biegen verlassen, weil es ganz wüste und menschenleer war. Superintendent Martin Heinsius notierte dazu: ” Der verwahrlost das Pfarrhaus, daß es im Grunde abbrennt, und weil das Dorf schon wüste war, zeugt er weg in die Altmark.”
  • 1648  Nach dem Friedensschluss fanden sich einige Familien wieder ein und nach Jahren wurde die Predigerstelle mit einem ehemaligen Fleischergesellen besetzt, weil dieser lesen und den Katechismus konnte. Die reformierte Glaubensrichtung wird als gleichberechtigt neben Lutheranern und Katholiken anerkannt.
  • 1652 Es gibt 4 Pfarrhufen, welche der Pfarrer selbst beackert, die Kirche hat 3 Morgen Land in jedem Feld, welches die Bauern beackern.
  • 1654 Die Ritterhufen derer von Röbel sind zum Teil sehr bewachsen, 30 Bauernhufen und 9 Kossätenhöfe sind wüst, die Mühle steht leer, 2 Dreihüfner sind verblieben. Kurfürst Friedrich Wilhelm erlässt ein “Zensurgesetz”, welches lutherische Schriften verbietet.
  • 9.10.1655 Dem Konsistorium wird verboten, an den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens teilzunehmen.
  • 3.12.1656 Verbot der Ordination auf die Konkordienformel, die Pest wütet in der Region Frankfurt (O).
  • 3.3.1657 Kandidaten der Theologie durften nicht mehr außerhalb Brandenburgs examinieren und ordinieren. Auf Grund dieser erneuten Veränderung in der Staatspolitik und der damit verbundenen Eingriffe in die Religion, welche die Aufnahme der Hugenotten in Brandenburg ermöglichen sollte, blieb die Pfarrstelle, welche seit 1637 vakant war, noch bis 1670 unbesetzt.
  • 1662 Verordnung zum Aufbau einer Schule
  • bis 1665 das Patronat hat das Gut Biegen inne
  •  um 1665 Biegen wird Staatsdomäne, der Kurfürst hatte das Dorf von den von Röbels erworben, und bekommt ein eigenes Justizamt, Joachim Erdmann von Burgsdorff (auch: Burgstorff, 1635-1706, kurfürstlicher Hauptmann über die Ämter Lebus, Fürstenwalde und Biegen Erbherr auf Reitwein, Wulkow und Burgdorf) hat das Amt inne. Seine Familie ist mit den Stifterfamilien, deren Wappen auf dem Biegener Altar sind und dem ehemaligen Besitzer, dessen Epitaph in der Biegener Kirche befindlich ist, verwandt. Das Patronat übernimmt der Kurfürst bzw. der Fiskus.
  • 1665 – 1713  Lehnträger ist das Amt Biegen, zu welchem außer dem Dorf Biegen noch Müllrose, Pillgram, Hohenwalde, Kaisermühl, Oberlindow und Biegenbrück gehören, alle müssen Überbestande der Kirchenkasse abführen und die Rechnungsbücher der Kirche zur Prüfung dem Amte vorlegen.
  • 1666 Es gibt wieder 13 bewohnte Hufen, 27 sind wüst, 1 Schäfer, 1 Hirte mit Vieh, 1 Wohnschmiede werden gemeldet.
  • 1670 – 1713 Pillgram wird Eigentum des Amtes Biegen
  • 28.2.1672 ältestes erhaltenes Kirchbuch der Biegener Kirche und original Ledereinband “Dominica Quinquagesima“, ist der erste Eintrag einer Eheschließung zu Biegen

originaler Ledereinband 1673

restaurierte Kirchbuchseite Biegen 1673

Februar 1672

 

 

 

 

 

  • 28.1.1677 “Heute Dato bezeuge ich (Anmerkung: Zabel von Burgsdorff), daß die Bauern und Kossäthen von den Dörfern Biegen, Pillgram und Hohenwalde ihr Getreide jederzeit in der hiesigen Mühlroschen Mühle bey hoher Straffe durchaus nicht anderswo zu mahlen verbunden seyn. Sintemahlen die Mühlrosche Mühle Ihrer Herrschaft Jährlich große Pächten und andere viele onera abgeben muß.” Der zu entrichtende Mühlenzins der Müllersfamilie Többicke wurde an das Amt Biegen entrichtet.
  • 15.11.1682 – 1691 Joachim Erdmann von Burgsdorff (*um 1620), Amtshauptmann des Amtes Biegen
  • 1687 Das kurfürstliche Amt verfügt noch immer über 7 wüste Kossätenhöfe auf seinen 14 Hufen, 21 Hufen haben die Bauern, 16 Ganzkossäten beackern diese zusammen mit 2 Dreihüfnern und 1 Einhüfner, welche noch bauen,
  • 1487 – 1500 Lehnträger sind derer von Köckeritz  (Kockeritz) (diesem Geschlecht waren u.a. Cölln an der Spree, Lübbenau und Raakow verlehnt, Hans von Köckeritz wird in einer Urkunde vom 7.4.1454 erwähnt)
  • um 1690 die Biegener Kirche wird als Mutterkirche erwähnt, in Pillgram steht die Tochterkirche
  • 20.11.1691 -1710 Amthauptmann wird der Stallmeister und Kammerjunker Carl Ludwig von Froben (Frobenius)
  • 27.2.1692 Da viele Bauern sich weigerten, die Katechismuslehre zu besuchen, wurden die Pfarrer angewiesen, das “Zirkularschreiben” des Landesherren von der Kanzel zu verlesen, darin wurden Inspektoren angewiesen, die vom Pfarrer anzuzeigenden Gemeindemitglieder streng zu ermahnen, falls dies nicht genüge, werden von Landesherren Geld- und Leibesstrafen verhängt.
  • 18.9.1696 Der Biegener Heidereiter Andreas Siebenbürger entdeckt den legendären 66-Enders im Amt Biegen, in der Jacobsdorfer Heide und bereitet den Abschuss durch Friedrich I. vor.

66 Ender

66 Ender


 

 

 

 

 

 

 

Erbaut vom Baumeister Andreas Schlüter, Einweihung am 16. September 1707, Inschrift:

“Diesen Hirsch hat in der Brunftzeit mit eigener Hand geschossen der Durchlauchtigste / Großmächtigste Fürst und Herr / Herr Friedrich der Dritte / Markgraf und Kurfürst zu Brandenburg / im Amte Biegen auf der Jacobsdorfschen Heide / am 18. September anno 1696 / hat gewogen fünf Zentner 35 Pfund / nachdem er schon 3 Wochen geschrien”

1728 tauschte Friedrich Wilhelm I. das Geweih bei dem Kurfürsten August von Sachsen gegen eine Kompanie großer Grenadiere ein. Seit dem befindet es sich im Monströsensaal von Schloss Moritzburg und ist bis heute mit 19,8 kg Gewicht das schwerste Hirschgeweih der Welt

Original Geweih des 66 Enders

Foto des Original Geweihs

  • Dez. 1696 Die Regierung stellt fest, trotz einer Verordnung im selben Jahr, welche den Karfreitag aufwerten sollte, kam es beinahe überall noch immer zu den Marienfesttagen. Wo Prediger, Patron und Gemeinde zustimmten, sollten die traditionellen Feiertage gänzlich abgeschafft werden, zumindest sollte erst am nächstfolgenden Sonntag gefeiert werden.
  • 28.2.1702 König Friedrich I. übereignet dem Heidereiter Andreas Siebenbürger für seine Dienste beim Abschuß des 66-Ender im Jahr 1696 einen wüsten Hof von 3 Hufen in Biegen.
  • 1703 Abschaffung des Exorzismus vor der Kindstaufe (“Ich beschwöre dich, du unreiner Geist, dass du ausfahrest aus diesem Diener Christi”), den Pfarramtskandidaten wurde das Versprechen abgenommen, “auf Begehren der Eltern absque Exorcimo unweigerlich” zu taufen
  • 1704 Biegen hat sich vom Krieg wieder erholt, besitzt u. a. 42 Bauern – und 16 Ritterhufen, der Pfarrer hat 4 Hufen, auch die Schäferei hat 1000 Schafe. Der Pfarrer wohnt in Biegen im Pfarrhaus mit Hinterhof, Obst- und Küchengarten. Der Küster wohnt ebenfalls in Biegen und hat hinter dem Haus einen kleinen Baumgarten.Die Kirche besitzt 16 Morgen 279 Quadratruten Land.
  • 1707  Inzwischen gibt es wieder einen 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten, 3 Hausleute, einen Schäfer, Schmied, und Hirten.
  • 1711 In Biegen wird ein Schmied sesshaft. 16 Hüfner, 12 Kossäten, 1 Paar Hausleute, 1 Hirte hat Vieh, der Schäfer, Meisterknecht von 72, Hammelknecht von 48, Lämmerjunge von 25 Schafen zeugen davon, das es den Bauern recht zufriedenstellend geht.
  • 1713 – 1727 Biegen ist zeitweise an Fürst Menschikow (1672 – 1729), St. Petersburg, verschenkt worden und musste dorthin seine Steuern entrichten.  “Ihro Majestät dem Fürsten Menzikoff das Amt Biegen geschenket, alß wir Stettin überkommen haben” (im Nordischen Krieg)
  • 5.3.1715  Instruktion zur Kirchenvisitation, jeder Superintendent, Propst oder Inspekteur musste in seinem Amtssprengel eine Lokalvisitation auf Kosten der besuchten Gemeinde durchführen.
  • 1716 – 1746 Öffentlichen Kirchenbuße, bei Ehebruch, “Hurerey” und später weiteren Delikten, musste das Gemeindemitglied öffentlich Buße tun, ansonsten blieb es vom Abendmahl ausgeschlossen.
  • 28.9.1717 Einführung der Schulpflicht
  •  1727 – 1731 Lehnträger ist das Amt Biegen
  • 1728 – 1731  Das Amt Biegen befindet sich in Sequesterverwaltung, nachdem Menschikow in Ungnade gefallen war, im gleichen Zeitraum ziehen Heuschreckenplagen durch das Lebuser Land und verwüsten die Felder.
  • 1730 Vasa Sacra

Abendmahlskelch, Vasa Sacra

Abendmahlskanne

 

 

 

 

 

 

  • 1731-  1739  Lehnsherr ist Graf Ernst Johann von Biron (1660 – 1772), sein Generalbevollmächtigter ist der Herr von Beerfelde auf Lossow
  • 1734 Biegen gewinnt an Einwohnern: 11 Bauern, 18 Kossäten, 5 Hausleute, 1 Müller, 1 Schmiede, 4 Leineweber, 1 Schneider, 2 Rademacher, 2 Schäfer, 1 Hirte, 1 Ziegelstreicher, 33 Frauen, 24 große Söhne, 20 große Töchter, 17 Söhne und 27 Töchter unter 10 Jahren, 7 Knechte, 4 Mägde.
  • 1739 – 1740 Lehnsherr ist Graf Burkhard Christoph von Münnich (1693 – 1767), Amtsinhaber der Baron von Tryden
  • 1740 – 1839 Lehnträger ist das Amt Biegen
  • 1745 Biegen erhält einen Unterförster, besitzt eine Windmühle mit einem Gang. Es gab vorher ein verbrieftes Mühlenrecht, welches unter Strafe untersagte, das Korn in einer anderen, als der Müllroser Mühle mahlen zu lassen. 19 Bauern und 9 Kossäten können nun im Ort zur Mühle gehen.
  • 1747 20 erbliche Bauernhöfe und 9 erbliche Kossätenhöfe sind vorhanden.
  • 16.10.1748 Eine Trappenplage auf den Feldern des Amtes Biegen führt zu einer Beschwerde durch den Amtsrat Jeckel (Feskel) aus Biegen, unterstützt wird er u.a. vom Oberforstmeister von Krosigk, Da die erlaubten Abschüsse eine Taxe von 2 Reichsthalern pro Stück an die Königliche Jagdkasse zur Folge hatten, bat er um eine Absenkung der selbigen auf 16 Groschen für einen Hahn und 12 für eine Henne. Einen Monat später stimmte man dem zu, 
  • 1749 Biegen hat den Pfarrer Samuel Grützmacher und den Küster Hellwig. Die Dorfgemeinschaft ist angewachsen auf 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner (Schulze), 1 Zweihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten 10 Büdner, einen Dorfhirten, Schäfer, Schmied, Heideläufer; 42 Männer, 45 Frauen, 22 Söhne und 13 Töchter über 12 Jahre, 45 Söhne und 60 Töchter unter 12 Jahren, 16 Knechte, 21 Einlieger. Die Amtsverwaltung besitzt 1194 Morgen 147 Quadratruten Land, 16 Morgen 123 Quadratruten Gärten, 183 Morgen 54 Quadratruten Wiese. 1500 Schafe weiden neben anderem Vieh.
  • 8.1.1752 Amtsrat Carl Ludwig Jeckel,  verheiratet in erster Ehe mit Anna Charlotte Sophia geb. Bechin, in zweiter Ehe mit Marie Elisabeth geb. Prozenius. Sein Sohn ist der Oberförster Franz Christoph Jeckel, geb. 10.1.1764. Im Biegener Amt war er bis Juni 1762. Der  Amtsrats Johann Joachim Jaeckel, sein Bruder,  reicht ein Localorium für die minderjährigen Kinder des Amtsrat Carl Ludwig Jeckel, zwecks Erb- und Theilungs Rezess ein, als die erste Frau, Mutter dreier Kinder, starb.
  • 1756 – 1763 7 jähriger Krieg, die Menschen leiden unter den durchziehenden Truppen große Not
  • 1760 Die Kirche und der Pfarrhof werden im 7 jährigen Krieg geplündert, den “Beyträgen zur neuern Staats- und Kriegs-Geschichte, Stücke 1-190, 1757-1764, Danzig, J. C. Schuster” kann man 1760 entnehmen: “In dem Amt Biegen haben die Rußische Völker ihre Plünderungen und barbarische Verheerungen aufs höchste getrieben, welche sie dorten auf dem Amt-Hause und in dem ganzen Dorfe auf eine fast unglaubliche Art ausgeübet, indem sie auch daselbst kein Fenster, Tür, Kisten, Kasten, Stuhl, noch Tisch ganz gelassen, die Kirche beraubet, mit Unflath allenthalben besudelt, die Canzel zerhauen, die Todtengewölber aufgeschlagen, und die Cörper geplündert, den alten sieben- und siebzigjährigen Prediger Grützmacher nach devastierten (verwüstetem) Pfarrhause nackend ausgezogen, und ihm nicht einmal die Beinkleider gelassen, so daß er einige Tage hindurch mit einer um den Leib gebundenen alten Schürze… herumgegehen und endlich in diesen miserablestenn Umständen sich nach Frankfurt begeben müssen, allwo er von gutherzigen Leuten mit Kleidung und Brod gegen seine Blösse und Hunger versehen, auch wegen der von den Cosaken empfangenen Wunden am Kopfe und erbärmlichen Kantschuschlägen curiret werden müssen; der dasige Küster Hellwig hatte eben dieses betrübliche Schicksal, viele alte und junge Eingesessene wurden auf den Tod geprügelt…”
  • 12.8.1763 “Allgemeines preußisches Schulreglement“, es regelte allgemeinverbindlich den Unterricht
  • 1766 Auf den Biegener Feldern wird der ausgedehnte Anbau von Futterkräutern eingeführt (Burnet = Pimpinelle, Luzerne, Raigras, Trefoil = Hopfenklee, Rotklee und Turnip = Rüben), die Sämereien bezog man auf Veranlassung Friedrich II. aus England. Der Anbau mit Fruchtfolge wurde “englische Wirtschaft” genannt und setzte sich relativ schnell auch anderern Orts durch.
  • 1772 Ein Prediger wird erwähnt (Anmerkung: Pfarrer war Johann Friedrich Hirsekorn), es gibt noch 20 Bauern und Halbbauern, 10 Kossäten und Büdner, 2 Müller, 1 Schmiede, insgesamt 349 Bewohner.
  • 1775 Erwähnung als “Biegen” in den Landkarten, um 1775 verliert das Amt Biegen die” Aufhütung” der Schäferei auf den Untertanenfeldern
  • 20.5.1776 Der Friedhof um die Biegener Kirche herum ist mit einer Mauer umgeben, welche von den Einwohnern unterhalten werden musste
  • 3.9.1776 Christian Uckrow, Bauer, Dreihüfner, Ausgedinger und Gerichts-Schulze, Kirchen- und Schulvorsteher wird in Biegen geboren. Sein Grabmal befindet sich an der Kirche in Jacobsdorf.
  • 1781 Neu – Pillgram wird unter dem Amte Biegen auf königlichem Vorwerksland mit Büdnerfamilien gegründet.
  • 1782 Es gibt neben dem Prediger auch einen Küster. Die Einwohnerschaft hat sich erneut erholt, 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner (Schulze), 1 Zweihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten, 8 Büdner, ein Dorfhirte, Schäfer, Schmied, Heideläufer, Kreisgärtner, 8 Einlieger, werden gezählt.
    Auf dem Land weiden 20 Kühe, 10 Stück Jungvieh, 1200 Schafe, Schweine- und Federviehzucht wird betrieben.
  • 11.5.1783 Catharina Dänicken, geb. am 18.7.1729, verstirbt. Ihr Grabstein wird in die Südwand der Kirche eingelassen.
  • 1783 – 1823 Karbe Wappen Die Söhne des Johann Christian Karbe (1705 – 1770) und der Anna Baath (1713-1762) pachten die Domäne Biegen als Generalpächter zusammen mit Dubrow, Hohenwalde und Pillgram. Ihrer Familie gehörte u.a. ab 1789 auch das Rittergut in Sieversdorf bei Frankfurt (O), der Biegener Zweig (Oberamtmann Wilhelm Karbe) starb aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mannesstamm aus. Carl Friedrich Karbe erblickte bereits als Biegener am 21.2.1796 das Licht der Welt und starb am 18.8.1836 in Petershagen.  
  • 1786 Der Justiziar des Amtes Biegen, Johann Georg Stolle, wechselt nach Müllrose, um dort der Justizbürgermeister zu werden.
  • 1787 Ein Oberschulkollegium wird eingerichtet, es ist mit dem Oberkonsistorium faktisch identisch, die Pfarrer sind auf dem Lande ohnehin in der Regel die einzigen, welche den nötigen Bildungsstand mitbringen, den Unterricht durchzuführen, die Küster unterrichten auch Lesen und Schreiben.
  • 1794 Der Kirchturm brennt vollständig ab, durch den Neubau erhielt er ein Oberteil aus Backstein, die Fenster wurden umgebaut und erhielten Korbbögen, der Chor wurde um einen Anbau erweitert. Im Turmoberteil befinden sich Schallöffnungen und die Aufhängung für 2 Glocken. Der Turm wurde mit einem Zeltdach versehen, oben mit einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1794
Schule und Kirche

Die Schule des Ortes, daneben die Kirche mit dem Backsteinturm und Zeltdach (Foto um 1900)

 

Anbau Südwand

Anbau am Chor

Wetterfahne

Wetterfahne

Korbbogenfenster

Korbbogenfenster, heute vermauert

Grundriss Kirche Biegen

Grundriss

  • 20.2.1798 Dem Bäckermeister Schultze wird “die von ihm angelegte Winkelschule wiederholentlich untersagt. Er meint aber, daß ihm solche nicht gewehrt werden könne.“  Auf Betreiben des Magistrates und des Konsistorialrat Gedicke erging am 26.9.1799 ein erneutes Verbot.*)

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.