Geschichte der Briesener Kirche III

Abriss der Geschichte der Briesener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil III  seit Beginn des 20. Jahrhunderts

 

  • 1904
Schule Briesen, heute Ärztehaus

Briesen erhält einen Schulneubau, welcher auch Lehrerwohnungen beinhaltet.

  • 5. 12. 1906 Die Fürstenwalder Zeitung berichtet von dem seltsamen Verlauf der Trauung bei der Besitzerfamilie Kalisch. Die Hochzeitsgesellschaft hatte sich um 15 Uhr versammelt und durchwatete die schlechte Straße, um dann vom Kantor Pfannenschmidt an der Kirchentür zu erfahren, das der Pastor nicht eingetroffen war. Die gesamte Gesellschaft wurde nach Hause geschickt und wartete mehrere Stunden auf das Eintreffen des Pfarrers. Gegen 18 Uhr sahen einige der Gäste, welche vor die Tür gegangen waren, die Kutsche des Pastors “hergerasselt kommen”. Er hielt jedoch nicht, sondern fuhr direkt zur Kirche, wo er jedoch niemanden vorfand.
  • um 1908
um 1900

Dorfplatz, im Hintergrund links der Kirchturm, Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf

  • 1914-1918
Gefallene des 1. Weltkrieges in Briesen

Das erste im Briesener Kirchenbuch verzeichnete Opfer des Krieges ist der in Briesen beigesetzte und am 14. September 1914 in Frankreich gefallene Landwirt und Unteroffizier Traugott Jeske. 1915 sind unter anderen die Ersatzresevisten Otto Kalisch und Paul Grund, der Gardefüsilier Paul Schramm und der 20-jährige Kriegsfreiwillige Werner Topp aus Kersdorf aus dem Forsthaus an der Flut den „Heldentod gestorben“. Werner Topp fiel in Russland und wurde dort auch beerdigt. Kurz vor Ende des Krieges fiel der Musketier Karl Schneider aus Kersdorf mit nur 19 Jahren.

  • um 1921
Kirche mit Kriegerdenkmal

Kirche mit Kriegerdenkmal

  • 30. 10. 1921 Am 30. Oktober 1921 wird in Kersdorf der „Gedächtnisplatz unserer im Weltkriege Gefallenen“ eingeweiht. Die Feier beginnt mit Musik „Wir treten zum Beten“. Pfarrer Wapler und Lehrer Schippke halten eine Ansprache, ein Oberstleutnant Sellier eine Weiherede. Der Männerchor singt „Heldenklage“ und „Ruhet in Frieden“. Es gibt eine Kranzniederlegung. Neben anderen sind auch Herr Gruschke und Fräulein M. Grunow und an der Feier beteiligt.
  • Juli 1924 Die örtliche Glashütte spendet für der Kirche für die je 8 unteren Fensterscheiben gelbe Pressglasscheiben
  • ab 1929 Die Gemeindemitglieder sammeln Spenden zur Sanierung der Kirchenorgel.
  • 1931 eingekircht ist Waldschlößchen
  • 25.4.1933 Die Kirche erhält eine eigene Kirchenfahne.
  • 6.7.1933 Zeitung, Kirchenamtliches: “Gemäß der amtlichen Verfügung führen sämtliche Geschäfte der aufgelösten Körperschaften jeweils zusammen mit dem Pfarrer bis auf weiteres … in Briesen der bisherige Aelteste”
  • 1937 – 1938 zum 100. Jahrestag der Kirchweihe wird der Außenputz erneuert
  • 1939 Ein Lager für jüdische Zwangsarbeiter wird in Kersdorf eingerichtet, zu den Nutznießern dieser Zwangsarbeit gehörte leider auch die evangelische Kirche, da die Zwangsarbeiter auch in Waldbeständen der Kirche arbeiten mussten. Nach Berichten von Heinz Jacoby erhielten sie für ihre Arbeit 60 – 80 RM im Monat, im Juni 1943 wurde die Deportation ins KZ Theresienstadt von Himmler angeordnet.
  • 1942 die Preger – Glocke geht “verloren”
  • 1946 Es werden 138,4 ha um Briesen, 69 ha Waldzulage aus Petersdorf und 125 ha Wald bei Alt Madlitz enteignet, 5 Umsiedler erhalten 26,2 ha Land.
  • seit 1946 der zuständige Superintendent hat seinen Sitz in Frankfurt (O)
  • 1950 eingekircht sind Kersdorf und Kersdorfer Schleuse, außerdem An der Fluth, Ballhornsruh, Fluthkrug, Frankfurter Niederlage und Marienhof
  • 1951 die Konfirmationen führt Pfarrer Lipski durch
  • 1954 – 1957 die Konfirmationen führt Pfarrer Krüger – Haye aus Biegen durch, er lässt den Altar mit Eichenholz ummanteln
  • 1958 – 1967 Der Pfarrer Walter Baaske aus Jacobsdorf übernimmt die Konfirmationen und lässt Renovierungsarbeiten in der Kirche durchführen – u. a. werden die Fensterrahmen mit Eiche erneuert und antik verglast, die Seitenempore und der Altar entfernt. Die hohe Kanzel, einst am Ostgiebel, wird ersetzt durch eine eichene an der Nordseite und auch der neue Altar besteht nun aus dem selben Holz.
  • 27.04.1958 Die Briesener Konfirmanden von 1958. Gernot Alter, Helga Bresicke, Bernd Erdmann, Werner  Feister, Adelheid Fürstenberg, Christa Grund, Isolde Henseler, Eckerhard Kalisch, Manfred  Lück, Peter Merkel, Helmut Missekewitz, Klaus Sattelberg, Rainhard Scheel, Klaus Schirrnick,  Werner Seibt, Burckhard Schmolling, Günter Schönebaum, Peter Schubert, Peter Sommer, Ursula Theis, Peter Thorwirt.
Konfirmation 1958 Briesen

Foto Gemeindebrief 2/2008

  • 1964 die Kirche erhält eine 2. Glocke “O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.”
  • 1978 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf
  • 1993 – 1994Generalinstandsetzung der Kirche unter Pastorin Frau Perlwitz-Böhm: Altar und Kanzel – nun in weiß neu erbaut- kehren an ihren ursprünglichen Platz zurück. Original sind zum Zeitpunkt der Instandsetzung nur der Taufstein, das Kruzifix und die Altarleuchter aus der Zeit von 1838 erhalten. Das Läutwerk wird umgebaut, eine Elektroheizung installiert, die Fassade und das Dach erneuert. Der “Echte Hausschwamm” sprengte alle Kalkulationen und Zwang zur nicht erwarteten Gebälksanierung, so dass zum Schluss die enorme Summe von 700.000,- DM aufgewendet werden musste, um die Kirche im alten Glanz erstrahlen zu lassen, allein 460.000,- DM brachte die Kirchgemeinde auf.
  • 18. Sonntag nach Trinitatis, 2.10.1994 Erntedanksonntag, die Wiedereinweihung der Kirche durch Superintendent Christoph Bruckhoff, er sagte in seiner Predigt: “Trotz klein gewordener Gemeinde gehöre die Kirche – auch im übertragenen Sinne – mitten ins Dorf.”
  • Juni 1999 die Orgel wird rekonstruiert
  • 2005 Gründung des Posaunenchors Briesen mit 8 Kindern und Jugendlichen
  • 16.7.2007 Der langjährige Chorleiter Johann Kreuzig verstirbt.
  • 2008 Die fünfundachtzigjährige Frau Kreuzig spendet der Kirchengemeinde eine neue Altardecke. Diese wurde von ihr genäht und mit selbst angefertigter Klöppelspitze eingefasst. 
  • 31.08.2008 auf dem Kirchplatz wurde zur Erinnerung und Mahnung an die Toten ein Denkmal eingeweiht

  • 19.10.2008 Goldene Konfirmation
Goldene Konfirmation

mit freundlicher Genehmigung MOZ vom 30./31.10.2008, zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken

  • 12.07.2009 Dorfkirchentag

für weitere Ansichten bitte auf das Bild klicken

  • 18.10.2009 Goldene und diamantene Konfirmation

Von links nach rechts: Pfarrer Althausen, Elfriede Hanik, Erika Schulz, Heinz Baensch, Gerhard Sostak, Karl-Heinz Purps
Foto: Gemeindebrief 10/2009

  • 25.4.2010 Jubelkonfirmation

Vor 50 Jahren und mehr konfirmiert wurden:
Waltraud Althausen, Renate Ballhorn, Edelgard und Manfred Blum, Regina Budack, Sieglinde Jurgeleit, Ingrid Klebe, Ilse Kockjoy,
Käthe König, Ursula und Helmut Kosch, Brigitte Krakow, Ursula und Joachim Lück, Harry Neumann, Christa Schulz, Hermann Skott, Charlotte Tiersch, Dieter Vogel, Dorit Ziedler.
Leider konnten nicht alle damaligen Konfirmanden auf dem Foto sein.
Foto: Gemeindebrief 13/2010

  • 22.05.2011 Goldenen und Diamantenen Konfirmation (1961 und 1947 konfirmiert)

Karin Much (Dommenz), Bernhard Elgner, Wolfgang Noske, Monika Fuhrmann (Kania), Christel Otto (Siebke), Erika Wagner, Günther Ballhorn, Eckhard Hesse, Rudi Schlupp, Helga Blume (Kupp), Waltraud Schmidt (Vogel)
Foto: Gemeindebrief 19/2011

  • Pfingstsonntag, 12.06.2011

Konfirmanden Arian Gerlach aus Briesen und Alexander Schönrock aus Jacobsdorf
Foto: Gemeindebrief 19/2011

  • 27.05.2012

Konfirmation von Julian Pohlmann
Gemeindebrief 25/2012

  • 4.6.2013 Dorfkirchentag in Briesen
  • 22.9.2013 Jubelkonfirmation von links): Reinhard Witte, Evelyn Gosdschan (geb. Evert), Peter Bläske, Reinhard Wenzel, Pfr. i. R. Baaske, Jürgen Noske, Sabine Hecke (geb. Firl), Doris Czachurski (geb. Rösgen), Gudrun Simon (geb. Schwierz), Klaus-Dieter Schmidt, Ingeburg Voss (geb. Lilienthal), Gertrud Acker, Brigitte Sand (geb. Otto), Pfr. Andreas Althausen, Irene Wolf (geb. Fanta), Edith Heinicke (geb. Jatter).
Jubelkonfirmation

Gemeindebrief 33/2013

  • 8.5. 2014
Konfirmation

Am Pfingstsonntag wurde Brian Gene Tromm konfirmiert.
Gemeindebrief 37/2013

  • 12.10. 2014 Jubelkonfirmation
Jubelkonfirmation

Auch Pfr. i. R. Walter Baaske, der viele der Anwesenden in seiner Amtszeit von 1957 bis 1967 als
in Jacobsdorf und Briesen konfirmiert hatte, und seine Frau Annemarie, waren dabei.
Gemeindebrief 10/2014

  • 11.10. 2015 Jubelkonfirmation
Jubelkonfirmation

Auch Pfr. i. R. Walter Baaske, der viele der Anwesenden in seiner Amtszeit von 1957 bis 1967  in Jacobsdorf und Briesen konfirmiert hatte, war dabei.
Gemeindebrief 2/2016

Geschichte der Briesener Kirche II

Abriss der Geschichte der Briesener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil iI  seit Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

 

  • bis 1702 der Schulmeister erhielt von des Küsters Dezem (Zehnt) 2 Scheffel Roggen.
  • 1702 Der Schulmeister verwaltet die Feldhüterstelle, das Schulhaus ist in gutem Zustand, es hat einen Garten. Den Dezem des Schulmeisters zieht der Küster aus Jacobsdorf ein. Der Pfarrer besitzt kein Pfarrhaus mehr, er hat 2 Hufen nebst Beiland, welches er für 18 Scheffel Korn jährlich vermietet hat. Im Dezember erhält er von der Hufe 1 Scheffel, von jeder Hufe und jedem Kossäten 2 Eier. Die Kirche ist in gutem Stande, da erst 23 Jahre alt. Sie hat 3 Stücken Land, welche vermietet sind und einen Kossätenhof. Es gibt in Briesen eine Mahl- und eine Schneidemühle, eine feste Schmiede. 
  • 1703 Abschaffung des Exorzismus vor der Kindstaufe, den Pfarramtskandidaten wurde das Versprechen abgenommen, “auf Begehren der Eltern absque Exorcimo unweigerlich” zu taufen
  • um 1713 Man führt Arbeiten am Kirchturm aus und baut eine Turmuhr ein.
  • 5.3.1715 Instruktion zur Kirchenvisitation, jeder Superintendent, Propst oder Inspekteur musste in seinem Amtssprengel eine Lokalvisitation auf Kosten der besuchten Gemeinde durchführen.
  • 1716 – 1746 Öffentlichen Kirchenbuße, bei Ehebruch, “Hurerey” und später weiteren Delikten, musste das Gemeindemitglied öffentlich Buße tun, ansonsten blieb es vom Abendmahl ausgeschlossen.
  • 1716 ab hier sind Kirchenbücher im Pfarramt Jacobsdorf vorhanden
Kirchenbuch

Kopie aus dem Kirchenbuch vom Advent 1773

  • 28.9.1717 Einführung der Schulpflicht
  • 1745 Johann Albrecht von Strantz auf Petersdorf ist Besitzer des Lehnschulzengutes in Briesen, die Wassermühle hat einen Mahl- und einen Schneidegang
  • 1750 Christian Kalisch ist Kirchen- und Schulvorsteher
  • 1763 “Allgemeines preußisches Schulreglement”, es regelte allgemeinverbindlich den Unterricht
  • 1770 Gottfried Denzer der Dorfschulze, Kirchenvater und Krüger stirbt
  • um 1780 Die Feuchtigkeitsschäden zwingen zur Sanierung der Kirche, im Zuge dessen wird ein kleiner Raum an die Kirche angebaut.
  • 1787 Ein Oberschulkollegium wird eingereichtet, es ist mit dem Oberkonsistorium faktisch identisch, die Pfarrer sind auf dem Lande ohnehin in der Regel die einzigen, welche den nötigen Bildungsstand mitbringen, den Unterricht durchzuführen, die Küster unterrichten auch Lesen und Schreiben.
  • 1801 Das Dorf wächst, der erste Krug wird eröffnet, neben der Schmiede gibt es eine Wasser-, Mahl- und Schneidemühle und 47 Feuerstellen. Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf.
  • 1806 Briesen hat 312 Einwohner (4 Ganz-, 4 Halbbauern, 20 Halbkossäten, 9 Büdner, 2 Einlieger), Krug, Schmiede, Wasser-, Mahl- und Schneidemühle, das Lehnschulzenamt ist unter der Herrschaft Alt Madlitz, Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf.
  • 1806 – 1912 der zuständige Superintendent hat seinen Sitz in Frankfurt (O)
  • 31.1.1809 Großbrand auf dem Anger, der seit dem leer steht. Die Witwe des bereits verstorbenen Müllermeisters Johann Schneider stirbt “vor Schreck” über das Feuer um 12 Uhr mittags.
  • 1809 Johann Friedrich Ludwig Wolf ist herrschaftlicher Holzwärter in Briesen, Meister Peter Gersdorfer ist Weber und Universitätsbuschläufer. Johann Peter Philipp Flor ist Tischlermeister in Briesen. 
  • 1810 Johann Christoph Gottlieb Tietze ist Schulhalter, Johann Friedrich Ludwig Wolf ist Aufseher des Universitätsbusches in Briesen. Sein Vater war gräflicher Förster zu Madlitz. H. Gottlieb Busse ist königlicher Unterförster in der Jacobsdorfschen Forst.
  • 28.11.1810
Sterberegister Briesen 1810

Christian Lehmpfuhl, Gerichtsschulze, Kirchen- und Schulvorsteher stirbt.

  • ab 1811 Das Patronat hat der König bzw. der Fiskus inne.
  • 1811 – 1823 Briesen untersteht nicht mehr der Universität Viadrina, sondern dem Amt Frankfurt (O)
  • 1811 – 1918 Der König wird Kirchenpatron, an seine Stelle tritt später der Staat.
  • 1812 – 1946 Der zuständige Superintendent hat seinen Sitz in Frankfurt (O) I.
  • Dezember 1813 Kirchen- und Schulvisitation in der Parochie durch Superintendent Neumann zu Lossow, er fand die Kirche recht reparaturbedürftig vor.
  • 18.1.1816 Prediger Tetz rechnete 9 Reichsthaler aus der Friedensfest-Kollekte für die invaliden Krieger, Witwen und Waisen des Feldzuges 1813 / 1815 ab.
  • 1817 Friedrich Wilhelm III. führt zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirchenunion zwischen Lutheraner und Reformierten ein
  • 1824 – 1872Briesen untersteht als Lehn dem Amt Fürstenwalde.
  • 1825 Die Verordnung des Königlichen Oberlandesgerichts zu Frankfurt verpflichtet die Pfarrer jährlich zur Übergabe der standesamtlichen Daten.
  • 3.11.1830 die Kirche wird wegen Baufälligkeit gesperrt und abgerissen
  • 1831 im Dorf haben sich 3 Viktualienhändler niedergelassen, es gibt neben dem Krug einen Schankwirt
  • 3.7.1834 Eine neue Feuerlöschordnung tritt in Kraft, der Conducteur Lehmann aus Jacobsdorf ist Commissarius, der Gutsbesitzer Sembach aus Pillgram sein Stellvertreter.
  • 1837 – 1838 Kirchneubau unter der Aufsicht der Maurermeisters Carl Arnold aus Fürstenwalde auf dem Anger, welcher nach Großbrand 1809 leer stand. Es entstand ein klassizistischer Putzbau aus Backstein mit einem quadratischen, zweigeschossigem Westturm, das Spitzhelmdach hat an allen Seiten Schallöffnungen. Die Vorlage bildet eine Schinkelzeichnung der Oberbaudeputation von 1829.
  • 1838 Prediger ist Magister Raschig aus Jacobsdorf, Küster und Schullehrer der Gemeinde Briesen und Kersdorf ist Friedrich Zeuschner, der Einlieger Christian Schulze ist Küster und Schullehrer Emeritus, Kirchenvorsteher sind der Gerichtsschulze und Bauer Johann Gottfried Lehmpfuhl, sowie der Büdner und Schmiedemeister Müller, Schulvorsteher sind die Bauern Klupsch (Mühlenmeister) und Julius Frey (Färbermeister)
  • Juni 1838 400 Auswanderer fuhren durch den Müllroser Kanal und an Kersdorf vorbei auf 4 Spreekähnen, ihr Ziel war Australien. Ihr Auswanderungsgrund bestand in der “Kabinettsordre” vom 2.9.1837, welcher die separierte Gemeindebildung untersagte, die Auswanderung jedoch erlaubte. In Potsdam hielten sie in der Nähe des Stadtschlosses und sangen Lutherlieder.
  • 16. Sonntag nach Trinitatis, 30.9.1838 Kirchweihe des Neubaus durch Generalsuperintendent, Oberkonsitorial Rath, Ritter pp. Dr. Brescino
  • 1847 Abgrenzung der Verantwortung und Zuständigkeit von Konsistorien und Landesregierungen im Königreich Preußen 
  • 1860 – 1861 Pfarrer Schlemüller aus Arensdorf  und Spiener zu Lossow vertreten den verstorbenen Pfarrer Raschig.
  • 1864 Briesen erhält einen Bahnhof, ein Vorwerk gehört ebenfalls dazu
  • um 1865 – 1870 Orgeleinbau durch die Firma Sauer, Opus Nr. 143, 2 Manuale, 1 Pedal, 11 Register
  • 1.10.1874 Der Pfarrer übergibt die Personenstanderfassung an das nun zuständige Standesamt in Petersdorf.
  • vor 1883 eingekircht ist Seehof (Forsthaus Dehmsee)
  • 31.10.1884 Beschluss: Geistlichen, Schullehrern und Kirchendienern ist bei der Durchführung des Dreiklassenwahlrechts die Wahlberechtigung entzogen.
  • 27.5.1885 der Kirchenälteste Zimmermeister Karl Gottlob verstarb, er war viele Jahre Gemeindevorsteher, Kirchenältester und Schiedsmann
  • 1888 Die Kirche erhält zwei Kronleuchter.
  • 1899

  • um 1900 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf

Geschichte der Briesener Kirche I

Abriss der Geschichte der Briesener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil I  seit Beginn des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts

 

  • 1225 erste Erwähnung, auch: Brezen, Breza (polabisch: Birke), Brysen, Brysin oder Brissen (Birkendorf)
  • 1237 “Merseburger Zehntvertrag”, die Askanier verpflichten sich zu einer Vier-Hufen Pfarrausstattung. Orte, die dieser Ausstattung nicht entsprechen, sind vermutlich früher gegründet worden. In der Altmark z.B. waren 1-2 Hufen üblich oder in der Lausitz 3 Hufen.
  • 1403 “in deme dorffe Brisen” in einer Urkunde der Kartäuser
  • ab 1403 Markgraf Jobst von Mähren, Pfandbesitzer der Mark Brandenburg, erteilte einen Lehnbrief dem “Heinrich Strantz zu Sieversdorf”, weil Schlabrendorf keine Lehnserben hatte, auf dessen Anteil die Anwartschaft und Mitbelehnung von Briesen fallen konnte,  Briesen ist Pfandbesitz derer von Strantz, welche auf das edelfreie thüringische Geschlecht derer von Tüllstedt zurückgehen, ab 1210 mit dem Beinamen Strantz. Im 14. Jhd. erlosch die thüringische Linie, die märkische Linie ist seit 1325 nachweislich, Stammhäuser waren Sieversdorf und Petershagen (1416 erhielten Hermann (IV.) Strantz und seine Söhne in beiden Orten jeweils einen Hof mit 10 Hufen als Lehen)  (Eine Margarethe von Strantz war 1568 Küsterin im Kloster Friedland, ein Otto von Strantz war Herr auf Sieversdorf und Petershagen, vor 1566-1625, verheiratet mit Margaretha von Burgsdorff, Müllrose * 1575)
  • bis nach 1403 Lehnträger sind derer von Schlabrendorff über den größten Teil des Ortes (altes brandenburgisch-pommersches Adelsgeschlecht, welches um Berlin / Teltow ansässig war, später z.B. Lehn in Groß Machnow, war verwandt mit von Beerfelde, von Hake, von Wedel u.a.)
  • 1405 “Bryßin” (Brysin) in einer Urkunde des Hochstifts Lebus als Kirchdorf erwähnt, vermutlich als Mutterkirche, (Sedes= Sprengel) Falkenhagen (Valkenhagen). Es mussten jährlich 2 Talente als Cathedratikum an den Bischof abgeführt werden. Der Sprengel umfaßte die Stadt Falkenhagen, Döbberin, Jahnswalde ( zu Beginn des 15. Jhd. wüst), Petershagen, Treplin, Hohenjesar, Karzig, Niederjesar, Mallnow, Alt Podelzig, Lebus, Wüsten-Kunersdorf (im 30jährigen Krieg wüst), Petersdorf, Briesen, Alt Madlitz, Wilmersdorf, Falkenberg, Demnitz, Neuendorf im Sande, Steinhöfel, Fürstenwalde, Trebus, Beerfelde und Jänickendorf. 
  • bis 1438 Lehnsherren sind derer von Lossow zu Biegen über halb Briesen, mit dem Lehnschulzen, dem Krüger mit 3 Hufen, 12 Hüfnern, 7 Kossäten, Anteilen der großen Heide und dem halben Gericht, welche auch das Patronat inne haben (Ersterwähnung eines Otto de Lossowe in Lauban 1290, ein Peter de Lossowe war zwischen 1303 und 1334 Consiliarius und später Truchseß der brandenburgischen Markgrafen aus dem Geschlecht der Askanier, also ein sehr einflussreicher Mann, um 1328 soll der Stammsitz in Lossow bei Frankfurt (O) gewesen sein)
  • 1438 “an dem dorffe zcu Briesen” in einer Urkunde der Kartäuser, welchen ein großer Teil des Dorfes als Lehn untersteht (Lossower Lehnsanteil), 50 gr Heidezins mussten an das Kloster jährlich gezahlt werden
  • 1438 – 1538 das Kartäuserkloster in Frankfurt (O) hat das Patronat inne
  • 1440 Briesen ist Pfandbesitz derer von Strantz über einen Hof und Anteile am Dorf 
  • um 1450 Glocke , 65 cm Durchmesser, soweit man die Inschrift lesen konnte, lautet sie wohl: Ave Maria gracia plena dominus tecvm benedicta tv in mvlierib “Sei gegrüßt, Maria, du Gnadenreiche. Der Herr sei mit dir! Gesegnet bist du unter den Frauen.”
  • 1492 die Lehnsanwartschaft erhält das Kartäuserkloster in Frankfurt (O)
  • 1460 Briesen ist Pfandbesitz derer von Strantz über einem Hof mit 4 Hufen Land frei zum Dienst, das Dorf, welches insgesamt 24 Hufen umfasst, hat 2 Pfarrhufen. Am 26.4. verkauft Hans Grosse, Bürger zu Frankfurt (O) seine Hebungen in den Mühlen zu Briesen (“Brysen”) an die Kartäuser.
  • 1470 Johann Strantz (“…hans strancz zcu petirshagen…” zu Petershagen verkauft seine Hebungen zu Briesen (“…czum Brezen…”) an die Kartäuser (Urkunde Copialbuch des Klosters  Nr.40)
  • 6. Januar 1471 Strantz zu Petershagen verkauft wiederkäuflich (Pfandbesitz) seine Hebungen zu Briesen an die Kartäuser (Urkunde Copialbuch des Klosters  Nr.41)
  • 1485 die von Strantz zu Petersdorf und Sieversdorf verkaufen wiederkäuflich (Pfandbesitz) ihren Freihof und die Schäferei zu Briesen  nebst Zinsen an die Kartäuser
  • 1493 Briesen ist Pfandbesitz derer von Strantz zu Petershagen über einem freien Hof mit Schäferei und 3 Hufen, 1 Wiese zwischen dem Dorfe und dem Busche, 10 Hufen und 12 Kossätenhöfen, der Anteil derer von Lossow ist im Pfandbesitz des Kartäuserklosters
  • bis 1493/1495 Lehnsherr ist der Markgraf bzw. Kurfürst
  • 1495 – 1538 Briesen in Besitz des Kartäuserordens Frankfurt (O), dazu gehören auch größere Anteile des Briesener Busch, dazu kommen frühere Anteile, die mit den neuen vereinigt werden
  • 16.11.1538 „Spandauer Vertrag, Joachim II. mit Prior Peter Golitz (+15.10.1551) und gantzem Convent“ Briesen wird an die drei Bürgermeister von Frankfurt, Hieronymus Jobst, Matthäus Wins und Peter Petersdorf (Pederstorff) auf Booßen (vor 1490 – 1543/44), übergeben, für den Fall, dass die Kartäuser bei Nichtzahlung der Rente von ihrem Recht der Schadloshaltung Gebrauch machen sollten
  • 1538 – 1540 Lehnsherr und Patron ist der Kurfürst
  • 1539 Reformation in Brandenburg, Einführung des Kirchenbuches, die Pfarrer waren angehalten, über das Gemeindeleben Buch zu führen. Briesen (24 Hufen) und Kersdorf werden zur Parochie Jacobsdorf gelegt, die Kirche Briesen hat 6 Groschen Bischofszehnt abzuführen, 2 Hufen Land gehören dem Pfarrer, alte Kirche mit Friedhof auf dem Mühlenplatz (Meyerscher Mühlengrund)
  • 3. April 1540 – 1811 Kurfürst Joachim II. verfügt die Übergabe des Besitzes des Kartäuserklosters an die Universität “Viadrina” Frankfurt (O), welche auch das Patronat inne hat.
  • 1573 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf
  • 1573 – 1806 Kircheninspektionen
  • 1603 Kirchenglocke, 75 cm Durchmesser, trägt an der Haube zwei Kruzifixe und die Inschrift: Martin Preger hat mich gegossen 1603. Mertin (Martin) Preger war der Sohn des Glockengießers Sebastian Preger, Frankfurt (O)
  • 1613 Übertritt der Hohenzollern zur reformierten Konfession
  • 1624 von den 20 Kossäten (u. a. dem Müller), gehören der Kirche 2, der Pfarrer hat noch immer 2 Hufen
  • 1633/1634 von 22 Bauernhöfen sind 14 wüst, von den 20 Kossätenhöfen 9
  • 1662 Verordnung zum Aufbau einer Schule
  • 1663 Kersdorf gehört deren von Wulfen, welche Stiftsvasallen und Lehnleute des Stiftes Lebus waren
  • 1679 Eine neue Kirche wird gebaut, sie ist eine der damals regional typischen Fachwerkkirchen, etwa 19 m lang, 9 m breit und 5 m hoch. Der kleine Turm war fast quadratisch mit knapp 6 m Seitenlänge und ca, 13 m hoch. An der Spitze eine Helmstange, trug er die beiden Glocken.
  • 1687 die beiden Universitätshufen sind wüst, auch ihre 5 Kossätenhöfe, der erste Wassermüller hat eine Mühle
  • um 1690 Briesen ist Tochterkirche von Jacobsdorf
  • 27.2.1692 Da viele Bauern sich weigerten, die Katechismuslehre zu besuchen, wurden die Pfarrer angewiesen, das “Zirkularschreiben” des Landesherren von der Kanzel zu verlesen, darin wurden Inspektoren angewiesen, die vom Pfarrer anzuzeigenden Gemeindemitglieder streng zu ermahnen, falls dies nicht genüge, werden von Landesherren Geld- und Leibesstrafen verhängt.
  • Dezember 1696 Die Regierung stellt fest, trotz einer Verordnung im selben Jahr, welche den Karfreitag aufwerten sollte, kam es beinahe überall noch immer zu den Marienfesttagen. Wo Prediger, Patron und Gemeinde zustimmten, sollten die traditionellen Feiertage gänzlich abgeschafft werden, zumindest sollte erst am nächstfolgenden Sonntag gefeiert werden.
  • 1696 Die Universität übergibt denen von Strantz das Lehnschulzengericht mit 4 freien Hufen, 2 Pachthufen und eine freie Schäferei mit Lehnbrief. 
  • 1700 Kirchenvater und Gerichtsperson war Georg Kucke