Biegener Kirchgeschichte I

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil I  seit der Bronzezeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts

 

  • 2200 v. Chr. – 800 v. Chr. Der Ort war schon seit der älteren Bronzezeit besiedelt, wie Funde ( Abb. von 1909) belegen. Einige der Fundstücke befanden sich in Besitz des Pfarramtes unter Dr. Schaumann.1)

Bronzenadeln Begenetwa 1 km westlich des Gutshofes wurden Gräber gefunden, welche u.a. Bronzenadeln enthielten

 

 

Buckelurne Biegenetwa 2 km östlich des Dorfes wurden aus Hügelgräbern Buckelurnen geborgen

Tongefäße Aurither Typus Biegen

Tonklappern Biegen

etwa 2,5 km südlich und südwestlich des Dorfes befanden sich in Flachgräbern zahlreiche Gegenstände

Henkelkännchen Göritzer Typus

  • 1249 – 1278 Herzog Boleslaw II. von Liegnitz veräußert das Land Lebus zur Hälfte an Magdeburg. Die andere behielt er als Lehen, das er vier Jahre später aber an die askanischen Markgrafen von Brandenburg übergab, die dann 1278 den restlichen Teil als Pfand von Magdeburg übernahmen. Das Land Lebus wird nun mit Diplomatie und nicht mit dem Schwert erobert.
  • 1253 Vordringen der askanischen Markgrafen. Verlegung des Handelsweges auf eine südlicher gelegene Linie MünchebergFrankfurtPosen,  Frankfurt wird durch die Askanier zur Stadt erhoben. Entlang dieser Linie: Gründung von neuen Siedlungen: “Bigyn” mit 64 Hufen*), Dorfbesitzer waren derer “von Bigan”, vielleicht aus dem ausgestorbenen Rittergeschlecht derer von Biegen (Gottfried Stael von Biegen (1323), Burg Vrouwensteyn) ?

(althochdeutsch: biogan, beogan, biegan -> biegen, andere Deutung aus den 80er Jahren: alt-slawisch: bogatu -> reich, albanisch: begati -> Reichtum, polnisch: biec -> laufen, biegacz -> der Läufer)

Mark Brandenburg

die Ausdehnung der Mark Brandenburg von 1170 (dunkelgrau) bis 1250 (hellgrau) erfolgte unter den Askaniern durch Lokatoren, welche etwa 200.000 Einwohner warben und über 100 Städte und 2500 Dörfer gründeten, etwa 30% der Bevölkerung waren slawischen Ursprungs, viele “Neu”- Brandenburger stammten aus niederdeutschen Gebieten bis nach Flandern und den Niederlanden

  • um 1270 Massive Kirchen wurden meist 10 – 20 Jahre nach der Dorfgründung erbaut, so dass die Biegener Kirche vermutlich um 1270 fertig gestellt wurde.Die Kirche ist aus behauenen Granitfindlingen, mit kleinen, für die Entstehungszeit typischen Fenster- und Türöffnungen, man hielt die Fensteröffnungen möglichst schmal, da Glas damals sehr kostbar war. Die Mauern sind 90 cm dick, “echte” Wehrkirchen aus Süddeutschland, welche an den Landesgrenzen erbaut wurden, haben sogar Wandstärken vom 120 cm und mehr, trotzdem konnte die Kirche in unruhigen Zeiten auch dem Schutz der Dorfbewohner dienen, da die zweischalige Bauweise der Feldsteinmauern und die Bauhöhe entsprechende Wandstärken voraussetzte. Die Ost – West – Ausrichtung der Kirche entspricht der alten Glaubensvorstellung, dass Jerusalem generell im Osten lag. Die erste Baulinie der neu zu erbauenden Kirche wurde am Tage des Patroziniums (Heiligenpatronats) nach dem Punkt des Sonnenaufgangs ausgerichtet. Hatte die Kirche zwei Titelheilige, wurden entweder die Winkel gemittelt oder nördliche und südliche Langhauswand wurden unterschiedlich ausgerichtet. In frühchristlicher Zeit wurden Kultstätten, an denen ein Märtyrer oder dessen Reliquien beigesetzt waren, nach diesem benannt und ihm geweiht. In Biegen fanden sich zwei Beutel mit Reliquien des Heiligen Eucharius bei der Restaurierung des Altars im Jahre 1958.
  • 1366 Erwähnung in einer Urkunde als “dorf czum Bigen” *)
  • bis nach 1368 Lehnträger sind derer von Lossow über einen Hof mit 10 Hufen (Ersterwähnung eines Otto de Lossowe in Lauban 1290, ein Peter de Lossowe war zwischen 1303 und 1334 Consiliarius und später Truchseß der brandenburgischen Markgrafen aus dem Geschlecht der Askanier, also ein sehr einflussreicher Mann, um 1328 soll der Stammsitz in Lossow bei Frankfurt (O) gewesen sein)
  • 1368 – nach 1405 Lehnträger sind Fritz und Hans Belkow (Belichowe) zu Frankfurt (O) über 1/2 Biegen mit Wagendienst, Ober- und Untergericht und dem Patronat (schon um 1308 stellten die Patrizierfamilien Belkow und Hokemann die 12 “Konsuln” bzw. “Schöppen” in Frankfurt (O), Belehnung vor 1373 des Fritzke Belkow, der letzte Belkow (Belcko) starb verarmt in Folge von Verschwendung 1547) Erwähnung in einer Urkunde des Kartäuserklosters bei Frankfurt (O) “vnd daz halbe dorff czu Bygen”*)
  • 1385 Das Domkapitel stellte den Antrag, den Bischofssitz nach Fürstenwalde zu verlegen, die Marienkirche wird zur Kathedrale erhoben. In den Auseinandersetzungen der Wittelsbacher, die Herren der Mark geworden waren, mit Kaiser Karl IV kam es 1773 zum Krieg, in dessen Verlauf das Lebuser Schloss und die Stadt verwüstet wurden und als Bischofssitz nicht mehr geeignet waren.
  • 1396 Bischof Johann erteilte allen Förderern des Kartäuserklosters “Domus Misericodiae” (Barmherzigkeit Gottes) 40 Tage Ablaß.
  • 14. Jh. Ein mit Spitzbogen umrahmtes (heute vermauertes) Portal zeigt rechts und links Weihekreuze im Kreise roter Erdfarbe, es findet sich eine Glocke in der Kirche, 0,76 m Durchmesser, verziert mit spätgotische Minuskeln.
  • um 1399 – 1405 Lehnträger sind derer von Beerfelde über 17 Hufen (altes Brandenburger Adelsgeschlecht, bereits seit 1285 Stammsitz zu Lebus, derer von Beerfelde sind u.a. mit von Burgsdorff, Lehnsherrn von Müllrose, verwandt, sie stammen von dem Braunschweigschen Geschlecht derer von Bährfelde/Bahrfelde ab)
  • 15. Jh.  Eine größere Glocke, 0,90 m Durchmesser mit der Inschrift “O REX GLORIA CHRISTE VENI CUM PACE” (O ruhmvoller König, Christus, komme mit Frieden), befindet sich im Turm. Am Hals eine Anzahl Medaillons mit Darstellungen, u.a. Lamm, Kreuzigung, Taube, Verkündigung.
  • um 1400 Im Chorraum entstehen Malereien, sie zeigen Passionsszenen, Ornamente, Wappen und ein Kloster (vermutlich das Karthäuserkloster “Barmherzigkeit Gottes” zu Frankfurt (O), gegründet 1396, dem ein Teil Biegens gehörte) “Der Legende nach hatte Biegen ein Nonnenkloster mit großem Landbesitz. Der heilige See, heute verlandet und teilweise Wiese an der Straße nach Jacobsdorf, diente den Nonnen als Badestelle.” Der Triumphbogen (Spitzbogen), er verbindet das längliche Schiff mit dem eingezogenen Chor, ist geschmückt mit ornamentaler Malerei und einem Posaunenengel.
Carthäuser Stadansicht Frankfurt 1562

Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (O)

Blick vom Karthäuserkloster auf die Stadt mit der zweitürmigen Marienkirche. Nachschnitt um 1598 der erstmalig 1562 erschienenen Stadtansicht.*)

 

 

 

 

 

  • 1402 Zum Dorf Biegen gehören eine Mutterkirche, ein Rittergut, eine Tochterkirche in Pillgram, insgesamt 64 Hufe, wovon 4 Hufe dem Pfarrer gehören.
  • bis 1416  die von Lossow haben ihre Lehnanteile vereinigt (Hans von Losso(w), “dorff zcu dem Bygin”)*)
  • vor 1416 – nach 1438 Lehnträger sind derer von Lossow *)
  • 1416 Das Kartäuserkloster kauft das Dorf Biegen mit der Hälfte der dabei gelegenen großen Heide für 700 Schock Groschen, was aber vom Kurfürsten anscheinend nicht bestätigt wurde
  • vor 1417 von Beerfelde hat seine Lehnanteile vereinigt
  • April 1432 Die Hussiten belagern Lebus und Frankfurt, brandschatzen das Kartäuserkloster in Frankfurt (6.April) und zerstören den Dom in Fürstenwalde. Als sie im Lager in Müllrose waren, unternahmen die Frankfurter einen Angriff, welcher zu erheblichen Verlusten bei den Hussiten führten. Die darauf folgenden Plünderungen und Grausamkeiten zerstörten viele Dörfer, Sieversdorf war noch 30 Jahre später wüst.
1432

Codex diplomaticus Brandenburgensis*)

  • 1437 Das Kartäuserkloster wurde größer und prachtvoller wieder aufgebaut.
  • 1438 Lehnträger sind derer von Lossow über ganz Biegen, das Kloster erwirbt, diesmal bestätigt, die große Heide zu Biegen und zahlt für diese und die erworbenen Teile von Briesen mindestens 310 Schock
  • bis nach 1442 Heidezins an die Kartäuser von 50 – 70 gr jährlich
  • 1450 Unruhige Zeiten, Polen, Russen und Litauer ziehen durch das Land und belagern Frankfurt.
  • 1450 – nach 1460 Lehnträger sind derer von Kracht (Hintze Kracht, urkundlich erwähnt 7.1.1466, Heincze Cracht wird in einer Urkunde von 1438 des Markgrafen als “unser Schreiber” erwähnt) (ein Geschlecht aus Norddeutschland, Mecklenburg und Vorpommern, seit um 926 in der Mark Brandenburg)
  • 1460 von den 64 Hufen sind 24 wüst, es Zinsen noch 31,  Verblieben sind 11 Kossäten, ein Krüger, ein Richter, der Schäfer des Schulzen hat 50 Schafe, Krachts Schäfer hat 50 Schafe.
  • vor 1463 – 1475 Lehnträger sind derer von Lossow*)
  • 1475 – 1487 Lehnträger sind derer von Beerfelde zu Rosenthal (“Rosintal“)
  • 1487 – 1500 Lehnträger sind derer von Köckeritz  (Kockeritz) (diesem Geschlecht waren u.a. Cölln an der Spree, Lübbenau und Raakow verlehnt, Hans von Köckeritz wird in einer Urkunde vom 7.4.1454 erwähnt)
  • Ende 15. Jh. Der quadratische Westturm wurde an die Biegener Kirche gebaut, er diente nach den damaligen Vorstellungen der Abwehr des Bösen, das aus dem Westen kam. 
  • 1499 Joachim I. wird Kurfürst von Brandenburg, er gründet 1506 die Universität “Viadrina” und hält bis zu seinem Tode fest am katholischen Glauben. Heinrich von Kockeritz zum Bigen huldigt dem Kurfürsten Joachim I. und dem Markgrafen Albrecht in Frankfurt /O.
  • um 1500 Die auf den Grundbesitz zu entrichtenden Abgaben waren gering, die Bauern hatten im bischöflichen Gebiet nur an 3-4 Tagen Spanndienste zu leisten (Pflügen, Getreide oder Heu einbringen, Küchenholz herbei schaffen), meist wurden je Hufen Land 9-75 Groschen, meist 30 Groschen erhoben. Die Höhe richtete sich nach der Bodenqualität und danach, ob man in einem Überschwemmungsgebiet lebte. In diese Abgabe eingeschlossen war das “Bischofsgeld” mit 4-6 Groschen. Der Pfarrer erhielt im Jahr einen Scheffel Hartkorn, auch 1-2 Messpfennige. Die Kossäten hatten ebenfalls ihr Auskommen, da sie stets Tagelohn erhielten. Es gab im Bistum unter Bischof Dietrich von Bülow (*1460-1523) keine Erbuntertänigkeit oder Leibeigenschaft.
  • 1500 – 1504 Lehnträger sind derer von Brietzke (Britzik) zu Britz, ein ursprünglich Magdeburger Adelsgeschlecht, dessen Stammhaus in Jerichow zu finden war
  • 1502  Um dem Pfarrer seine Arbeit zu erleichtern, wurde das Andachtsbüchlein “Baum des Legenda AureaSeelenheils” für den Hausgebrauch in Frankfurt (O) gedruckt, es war von Geiler von Kaysersberg, dazu standen dem Pfarrer die Postille des Nicolaus de Lyra  mit Bibelerklärungen und Predigtausarbeitungen zur Verfügung, die “Sermones discipuli de tempore et de sanctis” des Johannes Herolt, sowie der “Meffreth vel hortus reginae”, über die Heiligen konnte man in den “Legenda aurea” des Jacobus de Voragine nachschlagen. Der Pfarrer feierte in der Gemeinde neben den Festen zu Verehrung der Kirchenpatrone und der Kirchenheiligen auch die Heilige Hedwig am 15. Oktober.
  • 1504 – 1665 Lehnträger sind derer von Röbel (Altes mecklenburgisch – brandenburgisches Adelsgeschlecht. Das Geschlecht der Röbels wird 1375 als Inhaber von Gerechtsamen in Buch, Karow und Umgegend erwähnt, welches später u.a. Krummensee, Wegendorf, Hirschfelde Kloster Friedland und andere Orte in Besitz hatten)
  • 1505-1514 Neue Messbücher werden vorgeschrieben: “Breviarium ad usum Ecclesiae Lubucense” (1505) für den Klerus, “Missale Lubucense” (1509) und “Viaticum Lubucense” (1514), die beiden letzteren waren mit dem Wappen des Bischof geschmückt. Ein erhaltenes Exemplar des Missiale in Frankfurt (O) bezeugt dessen Verwendung noch Jahrzehnte nach der Reformation.
  • 1535 Markgraf Joachim II. erbt von seinen Vater große Teile der Mark Brandenburg und soll laut Testament am katholischen Glauben festhalten, er hält an den alten Kirchentraditionen fest, steht jedoch im Briefwechsel mit Martin Luther und lässt an der Universität “Viadrina” von Gelehrten Glaubensgespräche führen.
  • 1536 Erste Kirchenvisitationen werden eingeführt, um sich u.a. einen Überblick über das Vermögen der Kirchen und Klöster zu verschaffen. 
  • bis 1538 Lehnsherr über Biegen ist der Markgraf bzw. Kurfürst
  • 1538 – 1598 Lehnsherr ist der Bischof von Lebus
  • 1.11.1539  Reformation in Brandenburg, Einführung des Kirchenbuches, die Pfarrer waren angehalten, über das Gemeindeleben Buch zu führen.
    Der Lebuser Bischof Georg von Blumenthal (*1490-1550) protestierte gegen die Visitationen, darauf unterließ der Markgraf die Zahlung des Bischofzehnt und nötigte 1540 den Bischof zu dem Einverständnis, das der Markgraf den Zehnt einzog und jeden Februar gegen Quittung an den Bischof ausbezahlte. Die Bischofsgüter wurden steuerpflichtig und Priester sowie andere Geistliche mussten die Visitationen fortan dulden.
    Herausgabe einer “Kastenordnung” welche zur Einstellung evangelischer Prediger verpflichtete, ihnen die Ehe erlaubte, die Entfremdung der kirchlichen Einnahmen verbot, welche z.B. für den Unterhalt der Pfarreien bestimmt waren, es wurden zu kontrollierende Kassenbücher eingeführt, Zuständigkeiten neu festgelegt, die Instandsetzung von Schulen verfügt, die Einrichtung von Stipendien zum “studio”, auf dem Lande wurden die “obersten Lehnsherren” zu “Vormündern” der Pfarrer bestellt, beaufsichtigten also die Einkünfte und Vermögensverwaltung ihrer Kirchegemeinde.
  •  4.12.1539 Der Protest Georg Buchholzers (1503-1566) brachte Luther dazu, folgenden Brief zu verfassen, welcher in kaum einer Darstellung der brandenburgischen Kirchengeschichte fehlt und die brandenburgischen Sonderformen im Interesse der Durchsetzung der Reformation toleriert: „So gehet in Gottes Namen mit herum und tragt ein silbern oder gülden Kreuz und Chorkappe oder Chorrock von Sammet, Seiden oder Leinwand, und hat euer Kurfürst an einer Chorkappe oder Chorrock nicht genug, die ihr anziehet, so zieht der 3 an, wie Aaron der Hohe Priester drei Röcke übereinander anzog [...]. Haben auch ihre Kurfürstliche Gnaden nicht genug an dem Circuitu oder Prozession, das ihr umher gehet, klingt und singet, so gehet sieben mal mit herum, wie Josua mit den Kindern von Israel um Jericho giengen, machten ein Feldgeschrei und bliesen Posaunen. Und hat euer Herr, der Markgraf, ja Lust dazu, mögen ihre Kurfürstliche Gnaden vorherspringen und tanzen mit Harfen, Pauken, Zimbeln und Schellen wie David vor der Lade des Herrn tat, da die in die Stadt Jerusalem gebracht ward …“
  • 1.3.1540 Einführung einer “Kirchenordnung”, Adel, Städten und Gemeinden wurde untersagt, Pfarrer ohne ordentliche Berufung und Ordination ins Amt zu berufen, einzig, um ihre eigene Macht zu festigen. Die Bewerber sollten von nun an auf ihre theologischen Fähigkeiten und menschlichen Qualitäten geprüft werden. Die Kirchenordnung behandelte in drei Teilen die Lehre, den Katechismus und und die Agende, war somit Verfassung und Gottesdienstordnung, sie sicherte aber mit dem Einverständnis Luthers den Fortbestand vieler altkirchlicher Zeremonien und Bräuche. Der Bischof von Lebus lehnte die Kirchenordnung ab.
  • Ende 1540 – 1543 Generalvisitationen wurden u.a. in den Gemeinden des Bistums Lebus durchgeführt, zur Bekanntgabe und Erläuterung der Kirchenordnung, Feststellung der  Vermögensverhältnisse und Inventare, Sicherstellung der Besoldung der Pfarrer, Küster und Lehrer, Empfehlung zur Herstellung caritativer Einrichtungen. Verantwortlich für die Visitation war Kanzler Johannes Weinlöben (+1558) unter Superintendent Jacob Stratner (+1550).
  • 1542 die Röbels führen 27 Gulden 16 Groschen Landsteuer ab
  • 1543 Im Bistum Lebus zeigte sich kein Wandel, daher übernahm das Konsistorium die Aufgabe, die für den Aufbau des Kirchenwesens in den Gemeinden notwendigen Maßnahmen zu treffen, ihren Vollzug zu beaufsichtigen und als Schiedsstelle Bescheide zu erteilen. Das Konsistorium gab es seit dem 22.4.1543 in Berlin als Behörde und Träger des landesherrlichen Kirchenregiments und war mit einer Reihe der vormals den Bischöfen obliegenden Kompetenzen ausgestattet worden, obwohl die völlige Beseitigung der bischöflichen Verfassung zu diesem Zeitpunkt nicht Bestandteil der Reform war.
  • 1555 von 60 Hufen werden 4 Schock Bischofszehnt abgeführt
  • 1555 Augsburger Religionsfrieden, der protestantische Glauben wird anerkannt. Der Lebuser Bischof Johannes VIII. von Horneburg, das letzte katholische Bollwerk, stirbt am 16.6.1555 in Storkow nach nur 5 Jahren im Amt, Einzug der bischöflichen Güter, der Markgraf ist Verwalter selbiger.
  • 1561 “Geistliche Polizey-, Visitations- und Consistorialordnung”, sie unterstützt den Verwaltungsaufbau und schafft für den nunmehrigen “Generalsuperintendenten” eine Reihe von “Superintendenten”, die ihn unterstützen. Sitz des Superintendenten des Landes Lebus ist Frankfurt (O). Die “Inspectoren” beaufsichtigen nun auch die Schulmeister, regeln Vakanzen etc. Die bischöflichen Befugnisse der Ordination, Konfirmation und Amtseinführung der Pfarrer (“Institution”) besaßen sie nicht.
  • 1563 Der Markgraf Joachim II. legt ein öffentlich testamentarisches Glaubensbekenntnis gemäß der Augsburger Konfession ab, belässt es aber bei den alten Gebräuchen und Zeremonien, auch die Ausstattung seiner Hofkirche ändert sich nicht.
  • 1572 Kurfürst Johann Georg erlässt eine Kirchenordnung, die auf der Confessio Augustana beruhte, sein Sohn Joachim Friedrich ist 1555-1598 Bischof von Lebus, um den katholischen Einfluß zu unterbinden. Die Gemeinden mussten ein Exemplar für 1 1/2 Gulden erwerben, welches in der Frankfurter Druckerei Eichhorn gedruckt wurde.
  • 1573 Die Visitations- und Konsistorialordnung schreibt u.a. Tauf-, Trauungs- und Sterberegister vor. Neben dem Datum der Amtshandlung müssen nun auch die Namen der Täuflinge, Brautleute oder Verstorbenen erfasst werden. Die Visitationen wurden auf einen Intervall von 10 Jahren festgesetzt, allein 3 Jahre sollten sie im Stift Lebus andauern.
  • 1573 – 1581 Generalvisitationen, bei welcher man die Pfarrer die Konkordienformel von 1577 unterschreiben ließ, die Visitationen wurden durch die 1576 ausgebrochene Pest erschwert.

    Portal

    das vermauerte Priesterportal der Biegener Kirche

Man rückte in der Folgezeit in der lutherischen Kirche Kanzel und Taufe in die Nähe des Triumphbogens, vermauerte häufig das Priesterportal, da nun entbehrlich, veränderte das Gestühl und richtete der wachsenden Gemeinde eine Empore ein, um mehr Platz zu schaffen. Bis ca. 1625 entstanden neue Kanzeln, Altäre und Taufen, auch in der Biegener Kirche finden sich diese Veränderungen.

 

 

  •  1573 – 1806 Inspektionen im Pfarramt Biegen.
  • 1577 Das ” Breviarium ad usum Ecclesiae Lubucense” wird durch ein reformiertes Brevier ersetzt.
  • 1585 Die Söhne des Feldmarschalls Joachim von Röbel erwerben zu ihrem Besitz in Biegen das gesamte Dorf Rosengarten. Dieses wird im Kirchenvisitationsbericht von 1600 ebenfalls erwähnt: “Der Bagram ist eine Feldmark, so halb zu Lichtenberg und halb zu Rosengarten gehört, und worauf die Junkeren ihre Weyereyen und Vorwerke haben.”
  • Ende 16. Jh. Der Altaraufsatz in der Biegener Kirche ist aus Sandstein gearbeitet, damals sehr wertvoll und von weit her gebracht, im Aufbau einem Flügelaltar ähnelnd.

Besonders plastisch ist der Passionszyklus herausgearbeitet, im unteren Teil des Altars sieht man das Große Abendmahl Jesu am Gründonnerstag, links darüber ist Jesus im Garten dargestellt. Im oberen linken Bild wird der Meister aus Nazareth verspottet und ausgepeitscht, im rechten oberen Bild wird ihm die Dornenkrone aufgesetzt. Im Bild darunter bricht Jesus unter der Last des Kreuzes zusammen. Die Kreuzungsszene bildet den Mittelpunkt des Altaraufsatzes. Zu sehen sind Maria, die Mutter Jesu, und der Jünger, den Jesus lieb hatte. Das Kreuz steht auf einem Totenschädel – der Gekreuzigte, Auferweckte, hat dem Tod die letzte Verbindlichkeit, die Macht, genommen. Vier Wappen sind zu sehen, links unten Biesenbrow, darüber Röbel, rechts unten Mörner, darüber Krummensee.

  • um 1595 Biegen hat einen Rittersitz, die Schäferei 1000 Schafe, das Dorf ist gewachsen und besitzt u. a. einen Weinberg und eine Windmühle. Der Krüger besitzt 4 Hufen Land, der Schulze und 8 weitere Einwohner 3, 7 haben 2 Hufen, die 17 Kossäten haben jeder 1 Hof, 9 Hausleute werden gezählt (Leineweber, Müller, Schmied, Hirte, Schweiner).
  • ab 1598 Lehnsherr über Biegen ist der Kurfürst bzw. der König
  • um 1600 Der erste in Biegen ansässige evangelische Pfarrer ist Paul (us) Praetorius (lateinisiert von Schultze oder Schultheiß: Scultetus, Praetor = Vorsteher, Oberrichter, Schulze ), die Kirche ist Mutterkirche, der Pfarrer besitzt 4 Hufen Land, mit 30 Scheffeln Roggen zu besäen, auch mit 12 Scheffeln Gerste, ein Pfarrhaus und einen Ackerhof zu 5 Scheffel Aussat, dazu kommen 2 1/2 Wispel Meßkorn, 1 Morgen Wiesenwachs. Der Küster hat ein Küsterhaus mit Kohlgarten, dazu 30 Scheffel Roggen, den Korb alle Quartale und Ostereier.

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.