Biegener Kirchgeschichte V

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil V seit Beginn des 21. Jahrhunderts

 

  • Okt 2004 Die umfangreiche Sanierungsarbeiten, begonnen unter Pfarrerin Frau Perlwitz – Böhm finden ihr Ende unter dem neuen Pfarrer Herrn Althausen. 24 Balken der Dachkonstruktion sind gewechselt, Turm und Glockengestühl sind repariert, im Kirchenschiff wurden Dielung und Dachstuhl erneuert, das gesamte Kirchdach neu eingedeckt. Mauern wurden geklammert und geankert und die Fassade restauriert. Es entstand eine neue Wegebefestigung rund um die Kirche. Insgesamt wurden rund 500.000 EUR verbaut, welche von den 4 Kirchgemeinden, vom Konsistorium der Evangelischen Kirche, vom Kirchkreis, dem Landkreis und dem Land Brandenburg zur Verfügung gestellt wurden.
  • 1.1.2004 Aus der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz (EKsoL) und der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (EKiBB) wird die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) (Neubildungsvertrag pdf), eine neue Grundordnung tritt in Kraft. 
  • 2006 Dorfkirchentag
  • September 2007
Pfarrhaus Biegen

das Pfarrhaus in Biegen

ehemalige Schule

die ehemalige Schule, später als Kindergarten genutzt, heute Wohnhaus mit Gemeinderaum

Eingangstür

die Eingangstür, heute zum Gemeinderaum

  • 28.05.2010 Konfirmation

Spreejournal der MOZ

  • 11.07.2010 Dorfkirchentag
Dorfkirchentag 2010 Biegen

Gemeindeblatt September/Oktober 2010

Gemeindebrief 17/2011

  • 27.05.2012 Konfirmation

Gemeindebrief 25/2012 Konfirmation von Anna Döbis

  • Ostern 2013 Stiftung einer mit italienischen Spitzen gefassten Altardecke durch Frau Edith Zühlke. Im Juni 2013 ihren 100. Geburtstag feiernd, ist Frau Zühlke unser ältestes aktives Gemeindeglied.

Gemeindebrief 30/2013

  • 28. 02. 2014
  • Pfingstsonntag, 8.05.2014 Konfirmation
Konfirmation

Gemeindebrief 37/2013 Lea Brose (links) und Luise Pfundstein (rechts)

  • Pfingstsonntag, 4.12.2016 Abschluss-Gottesdienst für Rita Perlwitz-Böhm P.i.R. nach 30-jähriger Tätigkeit. Sie war von 1987 bis 1998 Pastorin für Biegen und Pillgram, später auch Briesen und Jacobsdorf.

Rita Perlwitz-Böhm P.i-R. Gemeindeblatt 8/2017

 

 

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.

Die Pfarrer in Biegen

  • um 1600     Paul Prätorius (Verwandter des Michael Prätorius oder des Paulus Prätorius ?)
  • 1618 – 1637 Prediger Friedrich Lange
  • 1637 – 1670 vac., in dieser Zeit kümmert sich der Jacobsdorfer Prediger Magister H. M. Balthasarus (Bartholomae) Lampert(us) um die Kirche
  • 1670 – 1717 Johannes Hirsekorn
  • 1717 – 1765 Samuel Grützmacher (*um 1683)
  • 1765 – 1800 Johann Friedrich Hirsekorn
  • 1765 – 1800 Johann Friedrich Hirsekorn
  • 1801 – 1817 Moritz Wilhelm Baumann  Prediger Baumann
  • 1817 – 1841 Karl August Ferdinand Wehmer
  • 1841 – 1873 Christian Gotthelf Henschker
  • 1873 – 1902 Otto Ludwig Theodor Heinecke
  • 1903 – 1938 Dr. Gustav Schaumann  Dr. Schaumann
  • 1939 – 1945 Meier
  • 1946 – 1951 Walter Schubert
  • 1952 – 1960 Horst Krüger – Haye
  • 1960 – 1968 Ekkehard Runge (Beauftragter des Bibeljahres für die neuen Bundesländer 2003)
  • 1968 – 1975 Helmut Sell übernahm später die evangelische Sankt-Petri-Gemeinde Luckenwalde
  • 1975 – 1985 Wolfgang Rein
  • 1986 – 1987 in dieser Zeit kümmerte sich die Gemeindepflegerin Petra Schulz aus Jacobsdorf um die Kirchgemeinde
  • 1987 – 1998 Rita Perlwitz – Böhm
Rita Perlwitz - Böhm, Pfarrerin i.R.

mit freundlicher Genehmigung MOZ 21.9.2009
Unsere ehemalige Pfarrerin Frau Perlwitz mit ihrer Mutter Frau Edith Zühlke – auch ihr Sohn Siegfried, Bruder von Frau Perlwitz, ist bekannt, er ist unser Landesposaunenwart. Links in der Runde Frau Döbis, ohne ihre Kuchen wären die Feiern im Frauenkreis nur halb so schön.

  • 1998 – 1999 in dieser Zeit kümmert sich der Müllroser Pfarrer Johannes Simang – vor seiner Trauung hieß er noch Bernd Roggl, um die Kirchgemeinde
  • seit April 1999  Andreas Althausen

Biegener Kirchgeschichte IV

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil IV seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

 

  • 1903 Der Zuschuss zum Pfarrwitwen- und Waisenfond wird den Pfarrern erlassen.
  • 1905 Das Anfangsgehalt der Pfarrer wurde auf etwa 2.400 M angehoben, die Geistlichen mussten jedoch als einzige Beamte Beiträge für ihre Pension zahlen oder sich anrechnen lassen.
  • 1907 Das Endgehalt der Pfarrer wird auf 6.000 M jährlich angehoben.
Kirche Biegen 1907

Kirche Biegen 1907

  • 1912 Der Ort hat vor dem Weltkrieg bereits 500 Einwohner, einen eigenen Spar- und Darlehnskassenverein, eine Brennerei (Edm. Loth), Brennmeister ist R. Meseck, eine Mühle (G. Kupper), 2 Gasthöfe (H. Glieschen, C. Schönfeld), 2 Gemischtwarenhandlungen (Gleische, Schickram) , Sattler  (W. Grienitz), Tischler (E. Gerlach), Schmiede (J. Hansel), Dachdeckerei (O. Lehmann), Schuhmacher (C. Banisch) und Schneiderei (W. Nickel) sind ebenso vorhanden, wie eine Bäckerei (W. Ewald).
Biegen 1912

Kirche Biegen 1912

Biegen Dorfstrasse

Blick von der Dorfstraße zur Kirche

  • 1914 – 1918 1. Weltkrieg Da Väter, Ehemänner und Söhne eingezogen wurden, gerade auf dem Lande die Frauen ihre Arbeiten auf dem Feld und in den Ställen übernehmen mussten, versuchte man vielerorts, mit Abendandachten, Kriegsgebetsstunden, Kriegerfrauenabenden, Weihnachtspäckchen für die Front, Lebensmittelspenden für die Stadtbevölkerung und vielen anderen Aktionen, die sich leerenden Reihen in den Kirchen zu füllen und den Verbund der Zurückgebliebenen zu stärken.
  • 1917 Die Glocke aus dem 15. Jh muss abgeliefert werden, anscheinend wurde sie später ersetzt, da sich im 2. Weltkrieg 2 Glocken im Turm befinden.
  • 19.11.1918 Verfügung über die Abschaffung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach, mit dem Untergang des Kaiserreichs endet das Staatskirchentum.
  • 1918
Vitrine

Rest des im zweiten Weltkrieg zerstörten Kriegerdenkmales. Es wurde zur Erinnerung an die Gefallenen errichtet

  • 1919 Gründung des “Verbandes der Patrone der evangelischen Kirche”, die Patrone trugen weiterhin die Baulasten von Kirche und Pfarrhaus
  • 1923 Mühlenbesitzer ist Karl Schulz
  • 1.4.1924 Die neue Kirchenverfassung tritt in Kraft. Pfarrer waren nun einander gleichgestellt, ohne Rangunterschiede, Frauen erhielten das Wahlrecht (GKR).
  • 1925 – 1939 Die Einwohnerzahl Biegens sinkt von 540 auf 397
  • 1928 – 1929 in Biegen gibt es den Brennerei und Spirituosenvertrieb (E. Behrends)
  • vor dem 2. Weltkrieg
Biegen vor dem 2. Weltkrieg

Oben Dorfansicht, unten links Karl Schönfeld Fremdenzimmer, rechts das Schloss, es war 1929 als Bestandteil des Rittergutes (412 ha) in Besitz des Elard von Oldenburg-Januschau, Reichstagsabgeordneter und enger Vertrauter Hindenburgs.*)

Schule Biegen

die neue Schule

  • 1931 In Biegen stehen 77 Wohnhäuser mit 110 Haushaltungen.
  • 11.5.1931 Preußischer Staatsvertrag, Vertrag zwischen Kirche und Staat, welcher dem Staat ein gewisses Mitspracherecht einräumt, Teile dieses Vertrages haben bis in die Gegenwart Gültigkeit (Saarland, NRW). 
  • 23.3.1933 Hitler garantiert in seiner Regierungserklärung die Rechte der Kirche und bezeichnet das Christentum als bleibendes Fundament des sittlichen Lebens des deutschen Volkes
  • 14.7.1933 Neue Deutsche Evangelische Kirchenverfassung als Reichsgesetz.
  • 23.7.1933 Kirchenwahlen, gegen die Deutschen Christen konnte durch staatlichen Zwang nur eine Sammelliste “Evangelium und Kirche” kandidieren, welche auch die Gruppe “nationalsozialistische Pfarrer” enthielt. Die Kirchenwahlen wurden im Land als “Volksabstimmung” für oder gegen die “neue Zeit” verstanden, die Deutschen Christen gewannen, da ihnen der gesamte NS-Propagandaapparat zur Verfügung stand.
  • 11.9.1933 Es gründet sich der “Pfarrernotbund“, dieser kritisierte die Zugehörigkeit vieler Pfarrer bei den Deutschen Christen als unvereinbar mit der Unparteilichkeit und Autorität des Amtes. Bis zum Frühjahr 1934 wurden etwa 60 Kritiker mundtot gemacht, sie wurden straf- oder in den Ruhestand versetzt, erhielten Verweise oder Beurlaubungen.
  • 2.3.1934 “Kirchengesetz über die Leitung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union”, es erfolgt die Gleichschaltung der preußischen Kirche mit der Reichskirche und deren verfassungsmäßiger Umbau in eine Führerkirche
  • 1934 Gründung der Bekennenden Kirche, in der “Barmer Erklärung” wendet sie sich gegen die NS- Einmischung in Kirchenbelange. 
  • 1934 – 1938 Renovierungsarbeiten in der Biegener Kirche, bei welchen die Malereien unter 8 Kalk- und Tünchschichten wieder freigelegt wurden, Umbau der Orgel, “Opus 1503″ mit 2 Manualen, 1 Pedal, 16 Registern unter Oskar Walcker (1869-1948) und Orgelbaumeister Karl Ruther (+1955) (Sauer - Walcker Orgelbau)
  • 1939 In Biegen sind land- und forstwirtschaftlich 1 Betrieb mit über 100 ha, 14 mit 20 – 100 ha, 14 mit 10 – 20 ha, 9 mit 5 – 10 ha, 7 mit 0,5 – 5 ha ansässig. Es gab erste Enteignungen: 56,1 ha wurden auf 21 Landarbeiter und landlose Bauern, 55,8 ha auf 7 Landarme, 177,4 ha auf 19 Umsiedler, 10,7 ha auf 3 Handwerker, 6,6 ha auf 4 Arbeiter und Angestellte, 1 ha Wiese an 1 Altbauern, 9 ha Wald an 5 Altbauern, 10 ha an die Gemeinde, 24, 6 ha an VdgB und ca. 3, 5 ha an die Post verteilt.
  • 1939/1940 der Hilfsprediger Dr. Alfred Schmidt kommt nach Biegen, er wurde nach seinem Wehrdienst Superintendent und war von 1957 – 1959 im Auftrag der Ev. Akademie Missionar in  Japan
  • Mai 1941 Durch die Gestapo werden die 12 Mitglieder der Prüfungskommission und weitere führende Theologen der Bekennenden Kirche inhaftiert und ihr damit faktisch das Rückgrat gebrochen. Die Brandenburger halten jedoch auch im Oktober 1943 noch an ihren Notrecht fest und übereignen ihre Kollekten nicht dem Konsistorium.
  • 1944 Die größere Biegener Glocke wurde zum Einschmelzen entwendet
  • 1945
Pfarrhaus 1945

das Pfarrhaus

Gemeinderaum

der Gemeinderaum

Altar 1945

1945, der Altar mit dem aufgesetzten Gottesauge, die Fenster dahinter noch nicht vermauert

Altar Biegen

Zustand 1907

Kirche 1945

das Dorf und die Kirche sind zu 80 % zerstört

  • 7.5.1945 Generalsuperintendent Dibelius (1880-1967) übernimmt in Berlin die “Vakanzverwaltung” für Berlin-Brandenburg und die Niederlausitz als Bischof. Die Besatzungsmächte achteten und förderten die Kirche und so erhielt die Kirche einen Zuschuss zur Pfarrerbesoldung, so dass den Pfarrern ein Gehalt von 250 – 350 RM gezahlt werden konnte. Gleichfalls konnte durchgesetzt werden, das die Kirchensteuer im Lohnabzugsverfahren über die Finanzämter an die Staatssynode abgeführt wird.
  • Oktober 1945 aus der “Kirchenprovinz Mark Brandenburg” wird die “Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg”, Typhus fordert seine Opfer, wo noch das Abendmahl abgehalten wird, geschieht dies mit Wasser, in der Rationsverteilung erhalten Pfarrer die vorletzte Stufe.
  • 1945 – 1949 Pfarrer Walter Schubert (1945 – 1951) berichtet:

” Ca. 20.000 Steine wurden heraus gestoßen, dabei wurde das gesamte Uhrwerk vollkommen zerstört, die 2. wertvolle Glocke zum Springen gebracht, der Glockenstuhl stark beschädigt… Durch den ungeheuren Luftdruck wurde der Sandsteinaltar beschädigt, die Orgel fast ganz zerstört. Was die Kampfhandlungen verschont hatten, begannen in den Jahren 1945 – 1949 die Witterungseinflüsse zu vernichten. … Die völlige Verarmung der Gemeinde, die katastrophale Verknappung der Baumaterialien … machte eine Selbsthilfe unmöglich. Sie musste sich auf Entrümplungsarbeiten beschränken. Die Kirchengemeinde versammelte sich zu ihren Gottesdiensten im Pfarrhaus, das sich zu diesem Zweck als viel zu klein erwies. Sie opferten ihre Gaben für den Kirchenbau. Da erreichte uns am 30.7.1949 die fast unglaublich erfreuliche Nachricht, dass zur Instandsetzung der Kirche 8.000 DM gestiftet seien unter der Zusicherung, dass die Arbeiten unverzüglich in Angriff genommen werden würden.”

nach 1945

Kirche Biegen

  • 1946 In Biegen werden 427,2 ha enteignet, die alteingesessene Bevölkerung erhält bedeutenden Zuwachs durch die 19 Umsiedler, welche 177,4 ha Land erhalten, es leben 467 Einwohner im Dorf.
  • 1946 – 1950 “administrativ repressierte” Deutsche, unter ihnen viele Geistliche, werden abgeholt, viele “verschwinden” unter bis heute ungeklärten Umständen in den Lagern 
  • 31.5.1946 Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule: “Die schulische Erziehung der Jugend ist ausschließlich Angelegenheit des Staates. Der Religionsunterricht ist Angelegenheit der Religionsgemeinschaften…“
  • 1947 Der Kostenvoranschlag für die Kirchsanierung weist eine Summe von 50.500 DM aus.
  • 1948 Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nimmt seine Arbeit auf, es wird eine Grundordnung für die Ev. Kirche Berlin-Brandenburg beschlossen. Trotz großer Not wurde von den “Mächtigen” alles unternommen, die kirchliche Krankenpflege fast vollständig zu unterbinden.
  • 18.3.1949 Die Johanniterkrankenhäuser werden beschlagnahmt.
  • 1.4.1949 Neue Grundordnung der Landeskirche, die Teilung in Berlin, Kurmark und Niederlausitz bleibt bestehen, die Ausübung des Religionsunterrichts an den Brandenburger Schulen gelingt nur unter großen Schwierigkeiten.
  • 26.8.1949 Der Gemeindekirchenrat beschließt, die Kirche wieder Instand zu setzen, die Arbeiten am Turm müssen jedoch zurück gestellt werden, da die Kosten deutlich höher, als 1947 angenommen, sind. Pfarrer Schubert schreibt:

“Beim Aufreißen der Decke sind zwei Balken gebrochen, neun Sparren sind verfault, mehrere Balkenköpfe schwer beschädigt … Aber wir verlieren nicht den Mut … Abends, wenn der Pfarrer in die Häuser geht, um für den nächsten Tag einen Mittagstisch für die Handwerker zu besorgen, wird er merken, wie hier und dort ein gläubiges Leuchten in den Augen manches Sorgenvollen und Verbitterten zu sehen ist.”

Das Kirchendach wird mit Holzschindeln eingedeckt, inzwischen ist aus Hamburg die Glocke unterwegs in die Heimatkirche. Die Ältesten sammeln 1.275 DM, damit der Glockenturm ausgebessert und die Glocke aufgehängt werden kann.

  • Dezember 1949
Dezember 1949

Blick von der Jacobsdorfer Dorfstrasse (heute Müllroser Landstrasse) zur Kirche

  • 24.12.1949 Um 16 Uhr läuten die Glocken das Weihnachtsfest ein, die Gemeinde nimmt ihr Gotteshaus wieder in Gebrauch, trotz noch vorhandener Schäden

Kirche 1949

  • 1949 – 1954 Aus öffentlichen Mitteln für künstlerisch bedeutende Kirchen wurden durch den stellv. Ministerpräsidenten der DDR Otto Nuschke und dem Institut für Denkmalspflege in Zusammenarbeit mit der Kirche 10 Mill. Mark zur Verfügung gestellt, die andere Hälfte wurde durch Gemeinden und Landeskirche aufgebracht.
  • Ostern 1950 Die Kirche widersetzt sich Partei und Regierung, tritt gegen die Werbung für “Nationale Front“, Eintritt in die “DSF” und die “FDJ” ein, führt öffentlich Beschwerde, das der “Jungen Gemeinde” untersagt ist, ihr Abzeichen zu tragen. Pfarrer, welche der “Nationalen Front” beitreten, werden von der Kirche gemaßregelt.
  • April 1952 Pfarrer Krüger – Haye übernimmt die Pfarrstelle und leitet bis 1955 die 2. Phase des Aufbaus. Im Kirchturm hängen 2 Glocken, die kleinere wird verkauft, um den weiteren Aufbau zu finanzieren. Eine andere, Leihgabe aus Hasselbusch (Niesporowice), Kreis Soldin, hängt nun an ihrer Stelle, sie wurde von Lorenz Kökeritz aus Stettin 1670 gegossen.
  • Juli 1952 2. Parteikonferenz der “SED“, die Politik gegen die Kirche wird verschärft
  • 1952 Der “Jungen Gemeinde” wird ihr Kirchentag in Lübbenau untersagt, die Zeitschrift “Stafette” darf nicht mehr erscheinen.
  • 1953 Da die Jungen Gemeinden unter großen Schwierigkeiten in der DDR agieren (Verfolgung seit 1951), wird auf Beschluss der GKR als Turmbekrönung das Kreuz auf der Weltkugel – Zeichen der Jungen Gemeinde – angebracht. Das Zeltdach des Turmes ist mit einem Reifen, der innen ein “A” zeigt, geschlossen. Das “A” steht für “Christus ist das Α und Ω”

Sanierung Kreuz

  • Mai 1953 Vorwurf, die Junge Gemeinde sei eine “unter religiöser Maske getarnte illegale Agenten- und Spionageorganisation“. Viele Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, kirchliche Veranstaltungen, Rüstzeiten und Kirchentage verboten.
  • 10.6.1953 Auf Befehl der UdSSR müssen die Repressalien zum Teil rückgängig gemacht werden.
  • 1954 “Kinder, die sich einer Handlung unterziehen, die im Gegensatz zur Konfirmation steht (Jugendweihe o. ä), können nicht konfirmiert werden.“
  • Ende 1954 Der Druck gegen alles Religiöse verschärft sich durch die SED, Jugendweihen werden begünstigt.
  • 1955 Die erste LPG Typ I wird in Biegen gegründet.
  • 12.12.1955 Gründung des Posaunenchors unter dem Pfarrer Krüger – Hayer in Biegen.
  • 1956 Der Kirche wird die Möglichkeit des eigenen Zwangseinzugs der Kirchensteuer genommen. Aus staatlicher Sicht wurde die Kirchensteuerverwaltung als eine kirchliche Angelegenheit angesehen, wobei die kircheneigene Beitreibung der Kirchensteuern einen zusätzlichen staatlichen Vollstreckungstitel benötigte, dieser wurde ihr jedoch verwehrt, die Folge war, das es keinen Einzug der Steuer über den Lohn gab und dieser auch nicht einklagbar war. Austritte aus der Kirche wurden nun beim Standesamt erklärt.
  • 1957 Die mechanische Sauer – Orgel wird wiederhergestellt, das Chorgestühl nicht mehr eingebaut, die Kanzel wird aus dem Bogen weiter ins Kirchenschiff versetzt, die 3 Altarfenster werden zugemauert und der Fußboden mit Altarstufen wird neu verlegt. In die LPG sind seit der Gründung 59 Mitglieder mit 510 ha Land aufgenommen.
  • 1.10.1957 Im “Neuen Deutschland” wird durch Walter Ulbricht der Ton gegen Kirche verschärft. Die Ost -CDU erklärt in seinem Auftrag: “Wer gegen die Jugendweihe ist, verneint den Fortschritt.” Die Dorfjugend nimmt dagegen weiter am Konfirmandenunterricht teil.
  • 1958 Der Sandsteinaltar wird fertig restauriert, das Gottesauge nicht mehr aufgesetzt. Die Gesamtkosten der Instandsetzung seit dem Krieg beliefen sich auf über  60.000 DM, die Hälfte von der Kirchgemeinde Biegen aufgebracht, der Rest waren Beihilfen der Gesamtkirche, des Kirchlichen Hilfswerks und staatliche Mittel der Denkmalspflege
Turmarbeiten

Turmarbeiten

Turm

Turm saniert

  • 21.7.1958 “Jeder Bürger genießt volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsausübung steht unter dem Schutz der Republik.“ Grundsätzlich änderte sich jedoch nichts.
  • 3.9.1958 Bei Restaurierungsarbeiten wird unter der Altarplatte in einer Bleikapsel die Stiftungsurkunde gefunden, dazu zwei Beutel mit Reliquien des Heiligen Eucharius. “Dieser ist nach der Legende vom Apostel Petrus aus den 70 ausgewählt und über die Alpen entsandt worden, um im Rheinland das Evangelium zu verkünden. Er soll dann 25 Jahre als erster Bischof von Trier gewirkt haben. Nach der Kritik der lacte sanctorum gehörte er in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christi Geburt”
Reliquien

Biegener Reliquien

  • 21.10.1958 Noch immer befinden sich Pfarrer und Mitarbeiter der Kirche in Haftanstalten der DDR.
  • 1958 Das “Stalinstadter Dokument” mit Forderungen der Partei nach einer Stadt ohne Kirchen, führt den Besuch von Gottesdiensten unter “ehewidrigem” Verhalten auf, die Kosten des Scheidungsverfahrens habe der kirchlich gebundene Ehepartner zu tragen, da einem “fortschrittlichem” Menschen das Zusammenleben nicht zumutbar sei.
  • Dezember 1959 In der Gemeinde ist die neue Agenda für die Evangelische Kirche der Union (EKU) in Gebrauch und ein neues Kirchengesangbuch (EKG). Als erster Lektor wird Robert Barsch eingeführt. Die Sakristei ist noch im Wiederaufbau.
  • 1960 – 1968 Gemeindefahrten der Gemeinden Biegen und Pillgram, ab 1964 zusammen mit der Gemeinde Rosengarten
  • Sonntag Rogate, 22.5.1960 Der 2. Abschnitt des Aufbaus ist abgeschlossen, Superintendent Wachholz aus Frankfurt (O) weiht die Kirche zur “St. Nicolai Kirche” wieder ein:

“Zu seiner Ehre hat die Gemeinde diese Kirche wieder aufgebaut. Er halte seine schützende Hand über dieses Haus und diese Gemeinde, damit an diesem Altar das Sakrament recht verwaltet und in diesem Haus sein Wort recht gepredigt werde. Amen.”

Blick vom Eingang aus

Blick vom Eingang aus

Blick in der Chor

Blick in der Chor

Kirche

Kirche

Turm

  • 1960 Aus der LPG Typ I wird Typ II, inzwischen hat sie 187 Mitglieder und 1054 ha Fläche.
  • 1960 – 1963 Über Elternversammlungen in den Schulen wird Druck auf die Gemeinden und Pfarrer ausgeübt, um die Konfirmationen zu unterbinden und die Jugendweihen zu fördern, wer die Jugendweihe verweigerte, dem wird der Besuch weiterführender Schulen untersagt, Lehrstellen verweigert.
  • bis 1962 Biegenbrück ist eingekircht und gehört zur Biegener Kirche
  • 1967 – 1989 Die Kirchenleitungen und Konsistorien wurden verstärkt bespitzelt, mit Wanzen angezapft und ihre Entscheidungen und Beschlüsse waren für die Stasi kein Geheimnis, selbst ganz interne Dinge. Die Folgen waren, dass wesentliche Beschlüsse der Kirchenleitungen, aber auch Synodenbeschlüsse, zum Teil durch die Staatssicherheit manipuliert wurden, was die Vermutung nahe legte, das Mitarbeiter der Kirche im Dienst der Stasi standen, leider wurde dies durch Auswertungen der Akten der Staatssicherheit nach 1990 zur Gewissheit.
  • August 1967 Der (MfS-) Rechtsanwalt Clemens de Maiziére (Vater des Lothar de Maiziére) und damaliger Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche, sollte prüfen, ob man der Evangelischen Kirchenleitung Berlin-Brandenburg (EKiBB) Rechtsbrüche nachweisen könne, ob der Rechtsstatus der Kirche anzufechten sei und ob man bei den Einnahmen Unregelmäßigkeiten finden könne (10% waren Zuschüsse der DDR, 50% Zahlungen der Gläubigen und 40% kamen aus dem Westen). Es ließ sich jedoch nichts konstruieren, setzte aber die Gründungsbestrebungen für einen Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR verstärkt in Gang. Die finanziellen Verflechtungen zwischen Partei und Kirche, ob Bauvorhaben, Geschenksendungen oder Bruderhilfen, sind bis heute nicht restlos geklärt. Jeder kirchliche Mitarbeiter und Pfarrer, jeder Anstaltsleiter und jeder Konsistorialrat war mehr oder weniger, unbewusst oder bewusst in die Parteigeschäfte des SED-Handelsunternehmens GENEX verwickelt. Schätzungen gehen davon aus, dass ein großer Teil (bis 50%) des kirchlichen Haushaltes aus Devisen bestritten wurde, kirchliche Mitarbeiter hatten i.d.R. ein sehr geringes Einkommen, so dass die Zahlungen aus der Bruderhilfe für sie ein halbes Jahreseinkommen bedeuten konnte.
  • 1969 – 1975 “Nachrichten von der Nichtaufnahme christlicher Kinder in die Vorbereitungsklassen und in die EOS, von Zurückweisungen vom Hochschulstudium, von der Zurücknahme schon ausgesprochener Zulassungen und von Relegierungen gehören leider weiterhin zum ‘täglichen Brot‘ der Kirchenleitungen.“
  • 1972 Das Dach ist mit Biberschwänzen gedeckt, es zeigen sich Schäden im Gebälk. Unter Pfarrer Helmut Sell (1968 – 1975) werden Holzschutzmaßnahmen durchgeführt.
  • 18. Sonntag nach Trinitatis, 1.10.1972 Superintendent Rössler aus Lebus hält die Festpredigt zur 500 Jahr Feier der Gemeinde
  • 1974 Die Pfarrer werden per Verordnung genötigt, ihren staatlichen Gehaltszuschuss persönlich beim jeweiligen Rat in der Abt. Inneres abzuholen.
  • 1.10.1975 Der Pfarrsprengel Jacobsdorf wird pfarramtlich mit Biegen verbunden (Dauervakanz), jetzt gehören 4 Kirchen und Gemeinden zusammen. Pfarrer Wolfgang Rein beginnt seinen Dienst. Die Idee des Dorfkirchentags wird geboren. Die Zusammenlegung der Gemeinden in der DDR erfolgte aus praktischen Erwägungen heraus, da immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchten. In Städten wuchs der Anteil der konfessionslosen Einwohner z.T. auf 80% der Bevölkerung.

Auf dem Kirchboden findet sich ein altes Rednerpult aus der Biegener Kirche, auf welchem folgender Zettel klebt:

PPP Ratgeber

PPP Ratgeber

Dies ist ein PP! Nein, nicht was Sie denken.

Um dieses PP von dem PP an das Sie vielleicht denken zu unterscheiden, fügen wir ein so genanntes Unterscheidungs- “P” hinzu. Sie stehen jetzt an (oder besser hinter) einem PPP. Jetzt alles klarer, nicht wahr?

Lieber PPP-Kandidat !

Fühlen Sie sich nicht wie auf dem PP. Geben Sie sich locker. Stehen Sie unverkrampft. Gewisse Schwankungen hinter dem PPP können Sie leicht korrigieren, in dem Sie sich mit der linken Hand am Oberteil des PPP festhalten. (Auf keinen Fall mit beiden Händen – man könnte Sie mit gewissen anderen Artgenossen verwechseln). Sie überlegen, was Sie mit der rechten Hand tun sollen ? Biblisches, lieber Kandidat, biblisches! Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut. Nun ein letzter Blick auf Ihr Manuskript. Sie sind doch hoffentlich vorbereitet? Oder muß Ihnen eine Stimme zuflüstern: “Du bist ein fauler Hund” !

Auf denn ! Schauen Sie Ihrer PPP-Gemeinde fest ins Gesicht. Am besten eignet sich der mittlere Part um die Näse. Und immer Ruhe bewahren, lieber Freund! Tief einatmen – anhalten und jetzt müßte es kommen ….. ja jetzt ….. na was ist denn ? ….. Kommt es ? ….. Kommt was ? Was kommt dennn jetzt ? ….. Sie wissen nicht weiter ? Seien Sie ganz beruhigt ! So geht es fast jedem PPP-Kandidaten am Anfang. Lassen Sie flugs ein Lied anstimmen. Zu empfehlen ist EKG 282 / alle Strophen. Und jetzt das Ganze von vorn !

W. R.

  • 1976 Die LPG “Thomas Müntzer” Biegen wird an die bestehende LPG Typ III in Jacobsdorf angegliedert.
  • 18.8.1976 Selbstverbrennung der Pfarrers Oskar Brüsewitz (1929-1976) als Protest gegen die Unterdrückung der Kirche in der DDR in Zeitz.
  • 5.9.1976 1. Dorfkirchentag in Biegen
  • 18.11.1976
Altar in die Denkmalsliste aufgenommen

Der Sandsteinaltaraufsatz wird in die Bezirksdenkmalliste aufgenommen unter Nr. 0146

  • 1977 In Biegen ist ein Betrieb der Bezirksdirektion für Straßenwesen (Straßenwärter), ein Betriebsteil der KAP Jacobsdorf und ein Gartenbaubetrieb der LPG.vorhanden.
  • 1978 Im Dachgebälk wird Schwammbefall entdeckt und ein Sanierungsplan aufgestellt. Durch Blitzschlag werden Turm und Schilfdach erheblich beschädigt, es kommt zu Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk. Die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche.
  • 1978 Auf die Einführung des “Wehrkundeunterrichtes” in der Schule reagiert die Kirche mit dem Programm “Erziehung zum Frieden”.
  • 1979 Die Kirchliche Waldgemeinschaft stellt Holz zur Verfügung. Der Sanierungsplan sieht Kosten von 20.000 M vor, das Institut für Denkmalspflege befürwortet den Plan, leider bleiben Schreiben an den Rat des Kreises unbeantwortet.
  • 1980 Der Generalsuperintendent Erich Schuppan (23.3.1915 – 3.9.2006) aus Eberswalde wendet sich an den Rat des Kreises, das Evangelische Konsistorium gewährt eine Beihilfe von 10.000 M. Eine Feierabendbrigade des VEB Bau Frankfurt (O) soll die Zimmermannsarbeiten durchführen auf Basis der Nachfeierabendarbeit (GBl.I 35/1975), da kein staatl. Betrieb die Arbeiten übernimmt. Die LPG stellt Werkstätten, Maschinen, Fahrzeuge und ihre Küche für die Verpflegung zur Verfügung, viele Gemeindemitglieder packen mit an.
  • 1981 – 1983 Ohne staatl. Baubilanz, aber mit Mitteln in Höhe von 25.000 M von der staatl. Denkmalpflege geht das Bauen weiter. Für ihren Einsatz werden die Ältesten vom Rat des Kreises, Abt. Kultur mit einer Prämie ausgezeichnet. Innerhalb eines Jahres spenden die Gemeindemitglieder 5.000 M und die kirchliche Baubrigade vom Evangelischen Jungmännerwerk Berlin mauert an der Südseite einen neuen Dachsims, da an dieser Stelle der Dachstuhl das Mauerwerk nach außen drückte. Das Kirchenschiff wird mit Zement – Doppelrömern neu eingedeckt. Alles geschieht unter der Anleitung von Bauingeneur Volker Haby aus Briesen.
  • 1982 – 1983 Die Dacharbeiten werden beendet und Schwammbefall in den Bänken festgestellt, darauf hin werden sie durch neuwertige aus der Gertraud – Kirche Frankfurt (O) ersetzt. Der Elektriker Schütze aus Jacobsdorf übernahm die Installationen. Zwei stilgerechte Kronleuchter und ein roter Kokosläufer (Geschenke der Partnergemeinden  Köln und Walsum) vervollständigen die Inneneinrichtung. Diese .Ausbauphase kostete 70.000 M und noch war die farbliche Innengestaltung nicht erfolgt.
nach der Schwammsanierung

nach der Schwammsanierung

  • Sonntag, Exaudi, 19.5.1985 9. Dorfkirchentag, Generalsuperintendent Richter aus Cottbus weiht die St. Nicolai Kirche wieder ein. 
Wiedereinweihung 1985

Wiedereinweihung 1985

Blick von der Pillgramer Strasse

Blick von der Pillgramer Strasse aus

Kirchturm

Kirchturm

  • 1990er Es ist weiterhin nicht möglich, den Religionsunterricht an der Schule als Unterrichtsfach durchzuführen, auch eine Wahl zwischen “Lebensgestaltung- Ethik- Religion” (LER) und dem Religionsunterricht wird nicht ermöglicht. Es wird jedoch an vielen Schulen den Religionslehrern ermöglicht, die Unterrichtsräume außerhalb des eigentlichen Schulunterrichts zu nutzen.
  • 1991 Wiedervereinigung des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR mit der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
  • 8.11.1996 Ev. Kirchenvertrag mit dem Land Brandenburg, dort ist festgelegt, dass das Land die Unterhaltung kirchlicher Gebäude durch Bereitstellung eines Betrages von jährlich 3 Mio. DM unterstützt.
  • 1999 Die umfangreiche Sanierungsarbeiten beginnen unter Pfarrerin Frau Perlwitz – Böhm.

 

Quellen:

Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.

1961

06.09.1961, Einschätzung der Stimmung unter den einzelnen Schichten der Bevölkerung.

Abt. Org./Kader
Sektion Information

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unterstützt die Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.1961.
Aus allen Bevölkerungsschichten gibt es dazu positive Stellungnahmen. Solche typischen Stellungnahmen sind:
„Wir begrüßen die Maßnahmen unserer Regierung, weil damit den Militaristen in Westdeutschland und Westberlin ein entscheidendes Halt geboten wurde.“
„Diese Maßnahmen hätten schon viel früher kommen müssen, damit wären die Menschenhändler und Spekulanten rechtzeitig unschädlich gemacht worden.“
„Die Maßnahmen von seiten unserer Regierung waren notwendig, um endlich die Störtätigkeit von Westberlin aus zu unterbinden und den sozialistischen Aufbau in unserer Republik erfolgreich zu verwirklichen.“
„Es wurde höchste Zeit, daß den Menschenhändlern in Westdeutschland und Westberlin endlich ein Riegel vorgeschoben wurde. Niemand kann tatenlos zusehen, daß gute Facharbeiter und hervorragende Wissenschaftler abgeworben werden.“

Unter der Arbeiterklasse zeigt sich, daß unter der Führung der Partei ihre Aktivität bedeutend gewachsen ist. Das drückt sich besonders darin aus, daß die Mehrheit der Arbeiterklasse die Maßnahmen von Partei und Regierung aktiv unterstützt.
Aus allen Betrieben gibt es Zustimmungserklärungen und Verpflichtungen zur Stärkung unseres Arbeiter- und Bauernstaates, zur Störfreimachung unserer Wirtschaft von den Bonner Ultras, zur Steigerung der Produktion und zum Schutze der Errungenschaften der DDR.
Im Ergebnis der Diskussion, besonders über den Deutschen Friedensplan und die Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.61 und danach, schrieben viele Brigaden und Belegschaften Briefe mit Verpflichtungen und Zustimmungserklärungen an den Staatsratsvorsitzenden Gen. Walter Ulbricht.
So haben die Hochöfner aus Stalinstadt in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden die Verpflichtung abgegeben, den Monat August zum Monat der höchsten Planerfüllung zu machen. Die Werktätigen zogen eine Zwischenbilanz und konnten berichten, daß sie ihre Verpflichtung, im August 1961 112.175 to Roheisen zu schmelzen, am 31.8.61 um 22.00 Uhr mit 115.098 to erfüllt haben.
Die „Roten Hochöfner“ gingen neue Verpflichtungen ein und beschlossen, bis zum Tag der Volkswahlen weitere 1.000 to Roheisen über den Plan zu produzieren.
Die Brigade P e h l e von der Bauunion Frankfurt-Oder gab eine Erklärung ab, in der es heißt: „Die Maßnahmen unserer Regierung sind eine Manifestation in ihrer Einheit und Geschlossenheit, ihrer Stärke und Friedensliebe. Zu den bevorstehenden Wahlen wird sich auf Grund dieser Maßnahmen das Vertrauen der Wähler zu ihren Kandidaten noch mehr festigen. Wir befürworten die Initiative des sozialistischen Lagers zum Abschluß eines Friedensvertrages. Unsere Losung ist: ‚Am 17.9.61 geben wir unsere Stimme den Kandidaten der Nationalen Front bis 9.00 Uhr.’
Unsere Verpflichtung, bis zur Wahl 40 Stunden im NAW zu leisten.“
Diese Erklärung wurde von 9 Brigademitgliedern eigenhändig unterzeichnet.
Solche Beispiele gibt es in vielen Betrieben.
Die große Bereitschaft der Arbeiterklasse kommt auch durch zahlreiche Meldungen zur Teilnahme an der Kampfgruppe, durch vorbildlichen Dienst in der Kampfgruppe, oder der Verpflichtung, die Arbeit derjenigen Kollegen zu übernehmen, die ihren Dienst in der Kampfgruppe tun, zum Ausdruck.
Das Vertrauen der Arbeiterklasse zur Partei und ihren Maßnahmen drückt sich u.a. auch darin aus, daß im Bezirk in der Zeit vom 1.8. bis 28.8.61 80 Arbeiter (ohne die Jugendlichen) um Aufnahme als Kandidat in die Partei baten.
Es gibt Anregungen durch Parteileitungen und Gewerkschaftsorgane, das Beispiel der Brigade „Krahmann“ auch in unserem Bezirk zu verallgemeinern.
Nach dem Stand vom 28.8.61 gibt es 123 Kollektive, die nach diesem Beispiel arbeiten.
Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Kreisen unterschiedlich, und die Gesamt-Bewegung geht noch schleppend voran.
Die Gründe für das Zurückbleiben auf diesem Gebiet liegen in folgendem:
a) daß eine Reihe von PO und gewerkschaftlicher Leitungen mit den Brigaden, die um den Titel „Brigade der sozialistischen Arbeit“ kämpfen, in der Vergangenheit zuwenig politisch gearbeitet haben und den Brigaden nur ungenügend Hilfe bei der Verwirklichung ihrer Verpflichtungen gaben;
b) daß sowohl in einer Reihe von Parteileitungen, als auch in den Gewerkschaftsgruppen noch keine völlige Klarheit über den politischen Inhalt und damit über die große Bedeutung der Krahmann-Bewegung besteht.
c) Noch nicht alle Leitungen haben begriffen, daß nach dem Beispiel Krahmann der Inhalt der sozialistischen Wettbewerbs wesentlich verbessert werden kann, und darauf Einfluß genommen werden kann, vorhandene Planrückstände aufzuholen und den Plan in allen seinen Teilen bis zum 17.9.61 zu erfüllen. Diese aufgezeigten Schwächen zeigen sich besonders im Bereich der IG-Metall, der IG Bau-Holz und der Gewerkschaft Druck und Papier.
Ein Teil der Arbeiter sieht in den politischen Grundfragen nicht klar.
In den Versammlungen und Aussprachen gab es Unklarheiten und zum Teil negative und feindliche Äußerungen, wie z.B.:
„Warum gleich Panzer und Stacheldraht, das wäre nicht nötig gewesen“,
„die Westmächte wollen doch auch keinen Krieg“.
Das zeigt, daß ein Teil der Arbeiter die Gefährlichkeit und Aggressivität des Militarismus in Westdeutschland unterschätzt.
Eine Ursache liegt darin, daß eine Anzahl von PO und Gewerkschaftsleitungen aus Betrieben es in der Vergangenheit noch nicht genügend verstanden, das breite politische Gespräch allseitig offensiv zu führen.

Stimmung unter den Genossenschaftsbauern.
Es gibt unter den Genossenschaftsbauern nach den Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.61 ebenfalls eine positive Entwicklung.
Es gibt zahlreiche positive Stellungnahmen, in denen die Maßnahmen der Partei und Regierung begrüßt werden.
Diese positive Entwicklung zeigt sich besonders bei der Einbringung der Ernte, in einer Anzahl ökonomischer Verpflichtungen, wie z.B. Steigerung der Marktproduktion, vorfristige Erfüllung der Pläne, Teilnahme am Albinshofer Wettbewerb, in der gegenseitigen sozialistischen Hilfe usw.
In einem Brief an die Brigade „Otto Krahmann“ brachten die Genossenschaftsbauern der LPG Typ 1 in Lossow, Krs. Fürstenberg, zum Ausdruck, daß sie die Initiative der Brigade auf ihre genossenschaftliche Arbeit übertragen.
Sie stellten sich das Ziel: „Unsere Meßuhr muß vorgehen.“ Die Sache der LPG muß zur Sache des ganzen Dorfes werden.
Die LPG-Bauern haben den Staatsplan in Getreide bereits erfüllt. Sie riefen alle Genossenschaftsbauern unseres Bezirkes auf, ihrem Beispiel zu folgen.
Die Genossenschaftsbauern der LPG Schulzendorf, Krs. Freienwalde, haben den Plan der Marktproduktion in Getreide mit 36.- to übererfüllt und leisten gleichzeitig sozialistische Hilfe bei der Getreideablieferung für die wassergeschädigte Gemeinde Neulowin.
Nach dem Stand vom 20.8.61 beteiligen sich 280 LPG am Albinshofer Wettbewerb.
Es zeigt sich jedoch, daß die ökonomischen Verpflichtungen überwiegen, und nur vereinzelt gibt es solche Verpflichtungen, die zur Entwicklung einer guten genossenschaftlichen Arbeit, zur Durchsetzung der innergenossenschaftlichen Demokratie und der Vergütung nach dem Endprodukt sowie zur Mitarbeit in der Nationalen Front, in der Kommission usw. beitragen.
Es ist noch nicht gelungen, den Parteieinfluß durch Schaffung von PO, Kandidatengruppen und LPG-Aktivs zu verstärken.
In 206 LPG des Typ 1 gibt es weder GO noch LPG-Aktivs.
Bei einem Teil der Genossenschaftsbauern gibt es Unklarheiten und Schwankungen:
a) bei einigen ehemaligen Groß-Bauern tritt die Tendenz des Abwartens auf, sie spekulieren, daß es noch einmal anders kommt.
b) Noch nicht alle Austrittserscheinungen sind überwunden.
c) Noch nicht allen in LPG des Typ 1 wird die genossenschaftliche Arbeit durchgeführt.
d) Es gibt Tendenzen der Zurückhaltung von landwirtschaftlichen Produkten und der Nichterfüllung der Pläne der Marktproduktion, besonders bei Getreide, wie z.B. in Friedrichswalde, Krs. Ebw. und in Manschnow, Krs. Seelow.
e) bei einem Teil der LPG-Bauern drückte sich das Wirken der RIAS-Parolen in den Angsteinkäufen aus.
Die typischen Argumente zu den Maßnahmen unserer Regierung waren die gleichen wie bei der Arbeiterklasse.
Es gab vereinzelt Beispiele, daß Genossenschaftsbauern provokatorisch auftraten.

Stimmung unter den Mittelschichten.
Die Handwerker und Gewerbetreibenden sind noch nicht allumfassend in die Wahlbewegung einbezogen worden. Erst in den letzten Tagen wurde verstärkt mit ihnen gearbeitet.
In Fortsetzung der Aussprachen mit dem Mittelstand kommt zum Ausdruck, daß auch sie immer mehr die Notwendigkeit der eingeleiteten Maßnahmen unserer Regierung erkennen. So gibt es gute Beispiele, wie die der Handwerker aus Frankfurt-Oder, die sich in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden wandten, ihre treue Verbundenheit zum Arbeiter- und Bauernstaat zum Ausdruck brachten und sich verpflichteten, zusätzliche Konsumgüter im Werte von 120.- TDM zu produzieren. Für 88,- TDM wurden Verpflichtungen für zusätzliche Reparaturen und Dienstleistungen übernommen. Hiervon wurden bereits 71 % erfüllt. Auf einem Forum brachten die Handwerker zum Ausdruck, daß sie ihre Perspektive im Sozialismus klar erkannt haben.
Auf einer Wählervertreter-Konferenz in Fürstenberg brachte der Kollege Teichert von der Maler-PGH „Drei Schilde“ zum Ausdruck, daß die Wähler gemeinsam mit ihren Abgeordneten für die sozialistische Zukunft kämpfen werden.
Mit 50.- TDM wollen die Maler in diesem Jahr ihren Produktionsplan übererfüllen.
Die PGH des dienstleistenden Handwerks unternehmen zurzeit große Anstrengungen, um Reparaturen und Dienstleistungen im Rahmen der ökonomischen Friedensfahrt, des Gütezeichens „Q“ und der tausend kleinen Dinge noch weiter zu verbessern. So wurde z.B. in Stalinstadt in allen PGH der Ministerratsbeschluß vom 12.8.61 diskutiert. Im Ergebnis der Diskussion und zur Unterstützung der Wahlen verpflichtete sich die Gruppe Schneider, für 20.- TDM zusätzlich Konfektions-Artikel, besonders Kinderbekleidung herzustellen.
Solche Beispiele gibt es auch in anderen Kreisen. Breiten Raum in der Diskussion nehmen aber nach wie vor die ökonomischen Probleme ein, wie z.B. Forderung nach Arbeitskräften, Material-Fragen usw. In den Wählervertreter-Konferenzen und Rechenschaftslegungen kam zum Ausdruck, daß die Beteiligung der Mittelschichten verhältnismäßig schwach ist und sie auch in der Diskussion ungenügend auftraten. Das ist ein Ausdruck dafür, daß die KL der Partei, die Ausschüsse der Nationalen Front, die Organe der staatlichen Verwaltung und die Block-Parteien noch nicht genügend das politische Gespräch mit den Angehörigen des Mittelstandes entwickelt haben.
Der Einfluß der Partei durch die Grundorganisationen und ein Einfluß der Gewerkschaften ist in den PGH noch schwach entwickelt.
Ein großer Teil der Einzelhändler verhält sich passiv und abwartend. Provokatorische Äußerungen traten nur vereinzelt auf.
So brachte z.B. der Schreibwarenhändler Rischke aus Frankfurt-Oder zum Ausdruck: „Wenn wir freie Wahlen in ganz Deutschland zulassen würden, dann wäre die Gefahr gebannt.“
Das Argument der freien Wahlen trat besonders unter den Angehörigen der Mittelschichten auf.

Stimmung unter der Jugend
Die Arbeit unter den Jugendlichen hat in der letzten Zeit einen größeren Aufschwung genommen. Das ist besonders darauf zurückzuführen, daß mit dem Kampfaufruf des Zentralrates der FDJ und in Vorbereitung der Wahlen durch die PO und durch die FDJ-Grundeinheiten eines größere Aktivität zu verzeichnen ist.
Der aktive Kern der FDJ leistet bei der Durchführung des Kampfaufrufes eine große Arbeit.
Die Durchführung des Aufgebotes hat gezeigt, daß es dort Erfolge gibt, wo wir richtig mit der Jugend darüber sprechen.
Die Mehrheit der Jugendlichen stellen sich auf die Seite unseres Arbeiter- und Bauernstaates. Das drückt sich vor allem in der Bereitschaft zur Verteidigung unserer Republik aus. Mit dem Stand vom 30.8.61 haben bisher 1.055 Kampfappelle der FDJ stattgefunden (in 90,4 % aller Grundeinheiten.)
An diesen Kampfappellen haben 29.585 Freunde teilgenommen.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 3.356 Jugendliche für den Dienst in den bewaffneten Organen unserer Republik gewonnen. Davon sind 637 Reservisten und 37 hauptamtliche Funktionäre.
Vom 13.8.61 bis 28.8.61 baten 274 Jugendfreunde um Aufnahme in die Partei der Arbeiterklasse.
Viele Jugendliche stellten sich auch den Ordnungsgruppen oder den Kampfgruppen zur Verfügung.
Die Bereitschaft der Jugendlichen drückt sich auch in vielen ökonom. Verpflichtungen in Industrie und Landwirtschaft und in der Teilnahme zur Bergung der Ernte aus.
Die Brigade des Jugendhochofens 4 in Stalinstadt verpflichtete sich, den Monat August 1961 mit 400,– to über den Staatsplan abzurechnen.
Die Jugendlichen der LPG Döbberin, Krs. Seelow, wollen dafür sorgen, daß ihre LPG täglich 250 kg Milch mehr abliefert.
Im Krs. Bernau waren am vergangenen Wochenende 318 Jugendfreunde zur Bergung der Ernte in den LPG tätig.
Solche Beispiele gibt es in allen Kreisen.
Viele Jugendliche wandten sich in Schreiben und Zustimmungserklärungen an den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, wie z.B. die Studenten der Forstfakultät Eberswalde, die ihre Treue zum Arbeiter- und Bauernstaat zum Ausdruck brachten, wobei sich 34 Studenten sofort bereit erklärten, ihren Dienst in der NVA aufzunehmen. Die Studenten verpflichteten sich weiter, ihre Stimme am 17.9.61 bis 9.00 Uhr […]
Oder die Jugendlichen der MTS-Spezialwerkstatt Müncheberg, wo sich 36 sofort bereit erklärten und 33 nach Abschluß ihrer Lehre ihren Dienst in der NVA aufnehmen.
Die mit den Jugendlichen geführten Aussprachen zeigen aber auch, daß ein Teil von ihnen noch nicht den Kampfaufruf des Zentralrates der FDJ verstanden hat, daß sie keinen Klassenstandpunkt haben.
Im Vordergrund der Ablehnung des Eintrittes in die bewaffneten Organe stehen im wesentlichen solche Argumente:
– Der Eintritt in die bewaffneten Organe schränkt unsere persönliche Freiheit ein –
– freiwillig gehen wir nicht, führt die Wehrpflicht ein, dann sind wir bereit –
– wir nehmen keine Waffe in die Hand, denn wir wollen nicht auf Verwandte schießen, wenn alle Arbeiter kein Gewehr in die Hand nehmen, kann niemand Krieg führen. –
Diese Argumente resultieren hauptsächlich daraus, daß viele Jugendliche die Gefährlichkeit des westdeutschen Militarismus unterschätzen, dem Einfluß des Klassengegners durch RIAS- und Westfernsehen ausgesetzt waren, ihnen die Erfahrungen des Klassenkampfes fehlen und sie diese Erfahrungen in der Vergangenheit durch die ältere Generation nur ungenügend vermittelt erhielten.
Das zeigt, daß die klassenmäßige Erziehung der jungen Generation noch nicht in Ordnung ist.
Wir sind in der klassenmäßigen Erziehung über den Rahmen des sozialistischen Jugendverbandes im wesentlichen nicht hinausgekommen.
Bei vielen Jugendlichen sind die Begriffe – Patriotismus, Freiheit, Vaterland – u.a. klassenmäßig nicht klar.
In einigen Aussprachen mit Jugendlichen gab es feindliche Auffassungen.
So sagte der Ing.-Praktikant Prochnow von der Fa. Beuchelt u. Co. in Frankfurt-Oder zum Eintritt in die NVA: „So etwas kommt für mich gar nicht in Betracht. Ich bin hochqualifizierter Facharbeiter, wo bleibt die Hilfe des sozialistischen Lagers? Soll doch die SU helfen, dann brauchen wir das nicht zu tun.“
Der Jugendfreund Ewald, erweiterte Oberschule Eberswalde, sagte in der Mitgliederversammlung der FDJ. „Als Sohn eines Intelligenzlers bin ich über die Zwangsmaßnahmen der FDJ empört. Was hat das mit Überzeugung und Freiheit, die uns laut Verfassung garantiert sein soll, zu tun, wenn Ordnungsgruppen der FDJ Koffer-Radios von Jugendlichen vernichten, die auf den Straßen Westsender hören.
Ich kann dem Staat mehr bei einer wissenschaftlichen Arbeit, zu der ich mich berufen fühle, geben, als bei den bewaffneten Kräften.“
Der Jugendfreunde Buggisch aus Seelow: „Ich gehe nicht zur Armee, und wenn Ihr mich einsperrt. Macht eine Stunde die Grenze auf, und ich bin weg.“
Im Kraftwerk Finkenheerd legten einige FDJ’ler während der Diskussion über den Eintritt in die NVA ihr FDJ-Dokument auf den Tisch und erklärten ihren Austritt. So z.B. der Jugendfreund Klaus Herta, der dazu sagte: „Provokateure kann ich nicht prügeln, deshalb bin ich mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden. Ich bind nicht bereit, zur NVA zu gehen und möchte auch nicht mehr Mitglied der FDJ sein.“
In einigen Fällen zeigt sich, daß verantwortliche Funktionäre sich nur ungenügend mit den Problemen der Jugend und der Jugendlichen befassen.
So äußerte sich z.B. der Direktor der Papierfabrik Schwedt, Gen. Kluge, als sich der FDJ-Sekretär an ihn wandte: „Ich habe keine Zeit, komm am Montag wieder.“
In der Mitgliederversammlung der FDJ in den Mühlenwerken Müllrose, auf der der Betriebsleiter Gen. Jurk zu den Jugendlichen sprach, wurde er vom Parteisekretär unterbrochen, der u. a. sagte: „Ich habe schon früher 12 Stunden gearbeitet, und muß es auch heute noch. Auch die Waffen, welche bei uns hergestellt werden, schießen westdeutsche Arbeiter tot. Diese Arbeiter kämpfen auch nur um das tägliche Brot.“
Auf Grund dieser Diskussion konnte auch kein Ergebnis bei den Jugendlichen erzielt werden. Die durchgeführten Jungwählerversammlungen zeigen, daß man größeren Wert auf eine richtige politische Vorbereitung legen muß.
In den Gemeinden Gosen und Falkenberg, Krs. Fürstenw., sind die Jungwählerversammlungen ausgefallen.

Stimmung unter der Intelligenz
Von allen Teilen der Intelligenz hat die Mehrzahl der Angehörigen der techn. Intelligenz eine klare Position zu den Maßnahmen unserer Regierung vom 13.8.61.
Diese klare Position kommt in öffentlichen Stellungnahmen und in einer engen kameradschaftlichen Zusammenarbeit mit den Arbeitern zur Störfreimachung unserer Wirtschaft und zur Planerfüllung zum Ausdruck.
In vielen Betrieben arbeiten Angehörige der techn. Intelligenz gemeinsam mit den Arbeitern in den sozialistischen Gemeinschaften.
Seit dem 13.8.61 wurden weitere sozialistische Arbeitsgemeinschaften mit einer klaren Aufgabenstellung gebildet.
So beschleunigt z.B. eine Arbeitsgemeinschaft im Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) die Überleitung von Neuentwicklungen in die Produktion.
Vereinzelt zeigt sich bei einem Teil der Angehörigen der techn. Intelligenz eine abwartende Haltung. Das trifft z.B. für die Intelligenz im VKB Kranbau Eberswalde zu.
Ein Teil der Angehörigen der techn. Intelligenz zeigt eine ablehnende Haltung. Das drückt sich in solchen Argumenten aus wie: „Die Maßnahmen der Regierung sind zu hart, die Westmächte wollen doch auch keinen Krieg.“
„Was ist das für eine Freiheit, wenn Stacheldraht durch Berlin gezogen wird und wir nicht mehr ungehindert dort hinfahren können.“
Von der wissenschaftlichen Intelligenz liegen ebenfalls einige positive Stellungnahmen vor, wie z.B. von Prof Dr. Gillwald und Dr. Jeuthe von der Forstfakultät Eberswalde.
In einer Parteiversammlung vor dem 13.8.61 gab es hier in der Diskussion zum Deutschen Friedensplan große Unklarheiten und zum Teil feindliche Auffassungen.
Viele Angehörige der med. Intelligenz, wie die Seelower Ärzte, wandten sich in einem Schreiben an den Genossen Walter Ulbricht und brachten ihr Vertrauen und die Anerkennung für die von der Regierung der DDR veranlaßten Maßnahmen zur Sicherung des Friedens zum Ausdruck.
Auf einem Forum im Klub der Intelligenz in Eberswalde wurde lebhaft und mit großer Gründlichkeit über die Lebensfragen der Deutschen Nation diskutiert.
Der Eberswalder Arzt, Dr. med. Zwerg, der vor einiger Zeit aus Westdeutschland in die DDR übersiedelte, überzeugte die Gesprächsteilnehmer durch eine klare Beweisführung.
Aus eigener Kenntnis der Dinge stellte er den Charakter des militaristischen Bonner Staates dar und verwies auf die seit Jahren betriebene psychologische Kriegsvorbereitung. Er betonte, daß er ebenfalls nach Bekanntwerden der Maßnahmen unserer Regierung eine zeitlang Zweifel hatte, heute aber überzeugt sei, daß diese Maßnahmen notwendig sind, weil sie dem Frieden nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt dienen.
Im wesentlichen trifft diese Einschätzung auch für die veterinär-med. Intelligenz zu. Dabei zeigt sich, daß viele von ihnen bereits in sozialistischen Arbeitsgemeinschaften mit Genossenschaftsbauern und Angehörigen der Land-Intelligenz (Agronomen u.a.) eng zusammenarbeiten.
Es gibt eine Reihe von Angehörigen der med. Intelligenz, die sich jeder politischen Stellungnahme enthalten und nur ihre fachliche Arbeit sehen.
So erklärte der Dr. Lichtenstein, Bernau: „Ich möchte mich nicht zu Dingen äußern, die ich nicht beurteilen kann. Wenn die Regierung solche Maßnahmen beschließt, dann wird sie, so wollen wir hoffen, ihren Grund dafür haben.“
Ein weiterer Teil der med. Intelligenz bringt in Gesprächen und Diskussionen ihre Ablehnung zu den Maßnahmen der Regierung zum Ausdruck. So z.B. Dr. Lehnert vom Landambulatorium Letschin, Kreis Seelow, der sagte: „Es ist doch eine verdammte Schweinerei, daß mitten durch Berlin Stacheldraht gezogen wird und Betonpfähle errichtet wurden. Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun und ist eine Behinderung der persönlichen Freiheit der Bürger.“
Ein offenes, feindliches Auftreten zeigt auch der Ehem. Gen. Dr. Holz vom Bezirkskrankenhaus Frankfurt (Oder) in einer Gewerkschaftsversammlung. Er brachte sinngemäß folgende Argumente: „Unsere Wahlen sind nicht demokratisch, freie Wahlen mit gesamtdeutscher Liste wären angebracht. Bei uns geht alles drunter und drüber. Die Pläne werden nicht erfüllt, weil unfähige Menschen an leitenden Stellen sitzen. R.-Fluchten wären darauf zurückzuführen, daß die Menschen sich für ihr Geld nicht das kaufen können, was sie wollen.“
Holz wurde inzwischen aus der Partei ausgeschlossen.
In einer Auseinandersetzung mit Dr. Holz in einer Gewerkschaftsversammlung distanzierten sich alle Schwestern von der Haltung und Meinung Dr. Holz. Sie brachten u.a. zum Ausdruck, daß sie bisher eine hohe Meinung von seinem fachlichen Können hatten, aber tief erschüttert sind über seine Haltung zu den wichtigsten Fragen unserer Politik. Alle Schwestern verurteilten das Verhalten als unmoralisch und unverantwortlich. Am Schluß dieser Beratung unterschrieben alle eine Erklärung, in der sie ihre Treue zur DDR zum Ausdruck brachten und sich verpflichteten, durch vorbildliche Arbeit auf der Station dieses zu beweisen.
In den letzten Tagen fanden in allen Kreisen Parteiaktivtagungen mit allen Genossen Lehrern und Kreislehrer-Konferenzen zur Vorbereitung des neuen Schuljahres statt. Es zeigt sich, daß der überwiegende Teil der Lehrer in die Wahlbewegung einbezogen wird.
Es liegen zahlreiche Treue-Bekenntnisse zur Republik und den Maßnahmen unserer Regierung aus den Kreisen der Lehrer vor. Auf den Kreis-Lehrer-Konferenzen wurde zu den politischen Fragen Stellung genommen, in deren Ergebnis Willenserklärungen abgegeben wurden, die Verpflichtungen zur Verteidigung der Heimat, des Einsatzes der Lehrer zu Wahlen, der gründlichen Vorbereitung und Durchführung des neuen Schuljahres sowie die Gewinnung von Jugendlichen zur NVA beinhalten.
Bei einigen Lehrern gab es Schwankungen und Zurückhaltungen. Auf der Kreislehrer-Konferenz in Fürstenwalde wurde eine Entschließung zur Diskussion gestellt, wonach sich alle Lehrer im Alter von 18 – 23 Jahren verpflichten, ihren Ehrendienst in der NVA abzuleisten, und die Älteren, an Reservisten-Lehrgängen teilzunehmen.
Trotzdem in den Diskussionen dazu keine Stellung genommen wurde, zeigte sich bei der Abstimmung, daß 5 Lehrer dagegen stimmten, die an der Oberschule 1 in Fürstenw. tätig sind.
Auf der Aktivtagung der Lehrer in Beeskow wurde zu den Maßnahmen der Regierung vom 12.8.61 in der Diskussion überhaupt nicht gesprochen.
Die Arbeit mit der Intelligenz durch die N.F. hat sich in den letzten Tagen verstärkt. Es wurden größere Anstrengungen unternommen, um alle aus der pol. Situation auftauchenden Fragen zu klären.
Trotzdem ist die Anzahl der Aussprachen und ihr Ergebnis noch nicht befriedigend.

Christliche Kreise:
Einige Pfarrer und christliche Persönlichkeiten unseres Bezirkes gaben positive Stellungnahmen zu den Maßnahmen unserer Regierung ab und stellen sich hinter den Wahlaufruf der Nationalen Front, wie z.B. die Pfarrer Buttgereit – Freienwalde, Philipp – Alttrebbin, Kreis Seelow, Müller – Fürstenberg, Prediger Rinder – Frankfurt (Oder), Kollege Boesel, Leiter der Industrie und Handelskammer im Bezirk.
Durch Aussprachen mit christlichen Bevölkerungskreisen wurden einige Erfolge erreicht.
Beispielsweise nahmen Studenten der DASR „Walter Ulbricht“ an einer Aussprache im Internat des evgl. Krankenhauses Woltersdorf teil, klärten eine Reihe auftretender Fragen und konnten feststellen, daß die Teilnehmer zum Abschluß für die Erhaltung des Friedens und die Obrigkeit, denen sie Untertan seien und deren Willen sie auszuführen bereit seien, beteten.
Aus allen Kreisen mehren sich die Beispiele dafür, daß Pfarrer gegen die Wahl arbeiten, indem sie z.B. die Kandidatur von Kirchenratsmitgliedern verhindern, die Teilnahme der christlichen Bevölkerung an Wahlveranstaltungen durch zur gleichen Zeit angesetzte Gottesdienste u.a. kirchliche Veranstaltungen einschränken und durch teilweise versteckte oder offene Stimmungsmache gegen die Wahl die christliche Bevölkerung beeinflussen.
Einige Pfarrer sind offen reaktionär.
So sagte z.B. der Pfarrer aus Oderberg in einer Predigt sinngemäß: „Früher trugen viele die Braunhemden, die haben sie alle ausgezogen. Jetzt haben schon einige das rote Hemd ausgezogen, es werden noch mehr werden.“
Superintendent Boche aus Eberswalde erklärte: Panzer und Konzentrationen von Soldaten an den Grenzen hätten noch nie zu einer friedlichen Lösung von Konflikten geführt. Die Maßnahmen seien übereilt, und als Christ könne er sie nicht gutheißen. Der 13.8.61 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte des deutschen Volkes.
Superintendent Wachholz aus Frankfurt (Oder) brachte in seiner Predigt am 13.8.61 eine offene Hetze gegen den Genossen Walter Ulbricht zum Ausdruck und bezeichnete Hitler und Eichmann als unschuldig.
Dieser Beeinflussung entsprechend sind die streng christlichen Bevölkerungskreise noch sehr zurückhaltend in der Wahlvorbereitung.
Eine Einschätzung der Tätigkeit der jungen Gemeinde ist nicht möglich, da uns hierüber Informationen überhaupt nicht vorliegen.

In den letzten Tagen zeigte sich, daß durch die politische Aktivität der Partei, besonders durch die Ansprachen des Gen. Walter Ulbricht, unter allen Schichten der Bevölkerung in vielen Fragen Klarheit geschaffen wurde.
Viele Menschen, die zu Beginn der Maßnahmen unserer Regierung am 13.8.61 zweifelten oder Unklarheiten äußerten, erkennen heute die Zusammenhänge schon besser und äußerten sich positiv.

Verteiler:
Gen. Mückenberger
Gen. Held
Gen. Rehner
Gen. Buchholz
Gen. Leppin
Gen. Meyer
Gen. Kipsch
Gen. Meier, ZK
Gen. Preuss
Gen. Henze, S.
Gen. Gräfrath, Agit.Prop.
Information

Quelle : ZIS – Zeitgeschichte Informations System

Biegener Kirchgeschichte III

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil III seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

 

  • 1800 Pillgram gehört zum königlichen Domänenamt Biegen, in Biegen leben etwa 385 Bewohner (Stand 1798)
  • 1801 Außer dem inzwischen vorhanden, einzeln liegendem Dorfkrug ist eine 2. Windmühle vorhanden, der königliche Unterförster betreut das Biegenbrücksche Revier. Die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche. Neben 10 Ganz- und 10 Halbbauern, 10 Ganzkossäten, 2 Büdnern und 20 Einliegern, gibt es 1 Kreisgärtner, 2 Rademacher, Schmiede und Krug
  • 8.4.1802 Das Oberkonsistorium stellte in einem Gutachten u.a. fest, dass das Amt des Pfarrers zu wenig Ansehen auf Grund seines geringen, teilweise noch immer aus Naturalien bestehenden Einkommens genießt. Man sprach sich für eine ähnlich den Beamten festgelegte Berufslaufbahn mit entsprechendem Einkommen und unabhängiger von Patronatsrechten aus. Es wird die Vereinigung der beiden protestantischen Kirchen empfohlen.
  • 1805 Dem Amtmann Karbe zu Biegen gehört das Dorf Sauen mit Gut und Windmühle, sowie die Sauensche Wassermühle. Es gibt zu diesem Zeitpunkt 2 Ganzbauern, 8 Ganzkossäten, 3 Einlieger, Schmied, Krug, Ziegelei und einen Förster über 900 Meter Holz. Die 20 Feuerstellen werden von 149 Einwohnern bewohnt.
  • 1806 – 1812 der zuständige Superintendent für die Kirche in Biegen hat seinen Sitz in Frankfurt (O)
  • 1808 Kirche und Religionsgemeinschaften unterstehen staatlicher Verwaltung.
  • 1811 – 1918 Der König wird Kirchenpatron, an seine Stelle tritt später der Staat.
  • 4.6.1813 Die Neumärkische Landwehrinfanterie unter Generalmajor von Hinrichs nimmt mit dem 1 Bataillon 1. Brigade Quartier.
  • 18.1.1816 Pfarrer Baumann rechnete 7 Reichsthaler aus der Friedensfest-Kollekte für die invaliden Krieger, Witwen und Waisen des Feldzuges 1813 / 1815 ab.
  • 1816 Der Mühlenbesitzer hieß Wolff. Es werden 31 spannfähige bäuerliche Nahrungen mit 4367 Morgen verzeichnet. Der Domänenbeamte Karbe wird zum Amtsrath ernannt.
  • 1817 Friedrich Wilhelm III. führt zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirchenunion zwischen Lutheraner und Reformierten ein
  • 2.11.1817 Pfarrer Wehmer übernimmt die Vertretung für den verstorbenen Müllroser Pfarrer und weiht eine Gedenktafel der Kriegeropfer in der Müllroser Kirche.
  • 1818 Das Dorf und das Vorwerk zählen zusammen 43 Feuerstellen und 351 Bewohner.
  • 1821 “Kirchenagende für die Königlich Preußische Armee, Weihnachten 1821″, sie bildet die liturgische Grundlage für alle Agenden bis in die Gegenwart
  • 1824 – 1839 Lehnträger über Jacobsdorf ist das Amt Biegen, dazu gehört auch “Vorheide” bei Müllrose
  • 1825 Die Verordnung des Königlichen Oberlandesgerichts zu Frankfurt verpflichtet die Pfarrer jährlich zur Übergabe der standesamtlichen Daten. Es gibt ein einzeln liegendes Vorwerk, 11 Ganz- und  9 Halbbauern, 9 Ganzkossäten, 10 Büdner und 15 Einlieger, 8 Handwerker, 1 Krug (einzeln liegend), 2 Windmühlen.
  • 12.1.1825

Holzdiebstähle und Forstvergehen werden im Königl. Preuß. Justizamt Biegen verhandelt

  • 4.4.1826 Verfügung an die Konsistorien, Kandidaten vor Antritt der Pfarrstelle zu verpflichten, die königliche Agende einzuführen
  • 4.7.1827 Die Evangelische Kirchenzeitung erscheint erstmals.
  • 18.3.1828 “Agende für die Evangelische Kirche in den Königlich Preußischen Landen mit besonderen Bestimmungen und Zusätzen für die Provinz Brandenburg”
  • 14.5.1829 Das Amt des Generalsuperintendenten wird wiederhergestellt, die Verleihung der Bischofswürde ist eine persönliche Ehrung.
  • 1830 Dubrow wird vom Domänen-Fiskus an den Amtmann und Landwirt Fischer verkauft Die dort seit 1766 siedelnden Kolonisten besaßen zusammen nur 5 Morgen Land, das veräußerte Gut dagegen war 1058 Morgen 20 Quadratruten groß und war bis mindestens 1852 in Fischers Besitz.
  • 1831 Ein Viktualienhändler hat sich in Biegen angesiedelt. Das Dorf gewinnt an Handwerkern: : 2 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schuhmacher, 3 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schneider, 1 Tischler, 1 Rade- und Stellmacher, 2 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schmiede, 2 Windmühlen, 2 Ölmühlen, 2 Webstühle auf Leinen, 1 Webstuhl auf Leinen als Nebenbeschäftigung, 1 Viktualienhändler, 1 Krug, 11 männliche und 17 weibliche Dienstboten werden erfasst,
  • 1832 der Jahreszins für das Getränke-Verlags-Recht des Kruges in Biegen ist auf mindestens 18 Kreuzer festgesetzt
  • 3.7.1834 Eine neue Feuerlöschordnung tritt in Kraft, der Conducteur Lehmann aus Jacobsdorf ist Commissarius, der Gutsbesitzer Sembach aus Pillgram sein Stellvertreter.
  • 15.3.1836

Verkauf des alten Schulhauses in Biegen wegen Neubau

  • 8.5.1837 Berufung des Prediger Wehmer zu Biegen zum Prediger in Müllrose, I. Frankfurter Superintendantur, er lehnte jedoch ab und blieb in Biegen
  • 1839 – 1872 Lehnträger ist das Amt Frankfurt (O)
  • 1840 Das Vorwerk ist Erbpacht, die 2 Windmühlen und 54 Wohngebäude sind vorhanden für 451 Bewohner.
  • 1847 Abgrenzung der Verantwortung und Zuständigkeit von Konsistorien und Landesregierungen im Königreich Preußen 
  • bis 1849 eigenes Justizamt Biegen, Biegenbrück ist unterstellt, ebenso Neu – Pillgram (jetzt zu Pillgram eingemeindet)
  • 1849 – 1878 gerichtszugehörig der Gerichtskommission Müllrose
  • 29.6.1850 Der Oberkirchenrat wird gegründet.
  • 2.7.1850 “Grundzüge einer evangelischen Gemeindeordnung”, der Gemeindekirchenrat sollte gewählt werden, wahlberechtigt waren alle “selbständigen Familienoberhäupter und Hausväter”, sofern sie das 24. Lebensjahr vollendet hatten und “im vollen Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte” waren und nicht durch “lasterhaften Lebenswandel oder durch tatsächlich bekundete Verachtung der Religion oder der Kirche öffentlichen Anstoß gegeben haben”. Der Gemeindekirchenrat sollte aus mindestens 4 weltlichen Mitgliedern und dem Pfarrer bestehen, Kandidaten mussten mindestens das 30. Lebensjahr vollendet haben. Viele Pfarrer waren jedoch durch Acker und Naturalienbezüge abhängig von den Patronen und wollten sich nicht auch noch vom Gemeindekirchenrat abhängig machen, so dass vielerorts die Wahl unterblieb.
  • um 1850 Einbau einer Sauer-Orgel, das Erbpachtgut des Vorwerks von 1765 Morgen ist in Besitz der Familie Selchow  
  • 1856 Seidenraupenzucht wird durch Familie Hutzel vorgenommen
  • 1859 30 spannfähige bäuerliche Nahrungen mit 4400 Morgen, 22 nichtspannfähige bäuerliche Besitzungen von 1/16-6 Morgen, (zusammen 42 Morgen), sind vorhanden.
  • 30.9.1861

    Zum Küster- und Schullehrer-Adjunkten wurde August Adolph Koeppler bestellt.

  • 22.11.1861

Bauausschreibung für Baulichkeiten am Pfarrhaus und dem dazugehörigen Viehstall in Biegen, veranschlagt waren Kosten in Höhe von 167 Thaler

  • 26.11.1861

Bauvergabe für Arbeiten am Küster- und Schulgehöft in Biegen, veranschlagt waren 99 Thlr. 6 Gr. 11 Pf.

  • 1864 Zum Dorf gehören nun insgesamt neben dem Vorwerk und den 2 Windmühlen 4 ausgebaute Gehöfte, 59 Wohn-, 5 gewerbliche und 124 steuerfreie Gebäude und 624 Einwohner.
  • 1866 Beim Chausseebau wird in Straßenbreite ein Gang zugeschüttet, welcher unterirdisch von der Kirche zum Kloster verlaufen sein soll, die Chaussee verläuft nach Müllrose.
  • 30. Januar 1868
Wochenschrift für Astronomie, Meteorologie und Geographie, Band 11, 1868

Putulsk Meteorit, 250 kg, Einschlag bei Putulsk

  • 9. November 1868 Dr. Wilhelm Ludwig Graeschke, Sohn des Brauereiverwalters, Tagelöhners und Nachtwächters Christian Gottlieb Graeschke und der Friederike Luise, geb. Klawisch, kommt in Biegen zur Welt.
    • Er studiert in Berlin und 1903 – 1905 in Tübingen, promoviert und wird Stationsassistent der Reichsbahn in Berlin. In späteren Jahren Geschäftsführer, dann Direktor der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg (1917-1933)- Gründer und langjähriger Vorsitzender einer Wohnungsbaugesellschaft für Beamtenwohnungen in Berlin-Friedrichshagen.
    • Graeschke veröffentlichte verschiedene Bücher:
    • Was muss der Landwirt von den Eisenbahn-Gütertarifen wissen?, Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, 1903
    • Die Landwirtschaftskammern als Glied des landwirtschaftlichen Verwaltungsorganismus in Preußen: insbesondere die Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, A. Mieck, 1905
    • Verkehrs-Handbuch für den Landwirt, Band 23 von Arbeiten der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, Mieck, 1912
    •  Er verstirbt am 18.September 1933 in Berlin – Karlshorst. Seine Ehefrau war Elise Tandler.
  • 30. Mai 1869
1869

Bauvergabe für den Brückenbau der Chaussee nach Biegen, veranschlagt waren 1046 Thlr.

  • 1.10.1874 Der Pfarrer übergibt die Personenstanderfassung an das nun zuständige Standesamt in Petersdorf.
  • 1879 Der Gutsbesitzer Clarence Wenborne besitzt 387,5 ha in Biegen, der Grundsteuerreinertrag beträgt 4284 Mark
  • 1879 – 1952 gerichtszugehörig dem Amtsgericht Frankfurt (O)
  • 1880 2 Bockwindmühlen und 1 Chausseegeldhebestelle
  • 1882 Der Ort ist beträchtlich angewachsen, es gibt 1 Besitzung (1650 Morgen), 9 Bauerngüter (zusammen 1908 Morgen), 20 Kossäten (zusammen 1179 Morgen), 7 Büdner (zusammen 43 Morgen, 10 Besitzungen  (zusammen 7 Morgen).
  • 31.10.1884 Beschluss: Geistlichen, Schullehrern und Kirchendienern ist bei der Durchführung des Dreiklassenwahlrechts die Wahlberechtigung entzogen.
  • vor 1885 das Forsthaus Buschschleuse untersteht der Kirche in Biegen
  • 1891 Gründung eines brandenburgischen Pfarrervereins als Berufsverband.
  • 4.6.1891 Hermann Blume wird in Biegen geboren. Er wurde Geiger, verlor jedoch im ersten Weltkrieg seine rechte Hand. Nach einem Studium in Berlin wurde er Komponist, NS-Funktionär und Sonderbeauftragter für Musikwesen des Reichsarbeitsministers Franz Seldte, Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden seine Werke verboten. Blume starb am 10. Mai 1967 in Großbottwar, Kreis Ludwigsburg.
  • 2.7.1898 Das Diensteinkommensgesetz brachte dem Pfarrer endlich ein Mindesteinkommen, welches mit dem Dienstalter angehoben wurde und ergänzte das bisherige Pfründesystem. Die Pfarrgehälter lagen bei etwa 1.800 M jährlich in der Eingangsstufe und stiegen alle 6 Jahre um 600 M, maximal waren nach 25 Jahren 4.800 M erreichbar (vor 1898 weniger). In den lukrativsten Pfründen konnte ein Pfarrer jedoch bis zu 13.000 M erzielen, so dass die Fluktuation erheblich war. Das Eingangsgehalt der Oberlehrer lag bei 2.700 M.
  • um 1900
um 1900

Dorfblick von der Pillgramer Strasse aus, der Ort hat 64 Häuser.

Lithografie

Farblithografie, noch mit Turmuhr, die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.

Biegener Kirchgeschichte II

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil II  seit Beginn des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

 

  • 1600 Die Pillgramer Kirche ist Tochterkirche der Kirche “St. Andreas Nikolai” zu Biegen.
  • 1601 Das Epitaph (altgriech. epitáphios = „auf dem Grab befindlich“) an der inneren Südseite des Altarraumes zeigt einen Besitzer Biegens, Hans von Gelnitz, aus dem Hause Sawen (Sauen), er starb 1601 und ist dort begraben
Hans von Gelnitz

Foto von 1907

Hans von Gelnitz

Hans von Gelnitz

Kirche Sauen

Kirche zu Sauen, dem Stammsitz derer von Sawen

  • 1608 Rittersitz derer von Röbel
  • nach 1613 Durch den Konfessionswechsel mussten die Malereien in der Biegener Kirche weiß übertüncht werden, es sollten die “Götzen” – Bilder entfernt werden, unter Luther gab es keine “Bilderstürmerei”.
  • 1618 – 1648 Der 30 jährige Krieg zerstört die Kirche stark, auch einen Teil des Altars, daher wird oberhalb ein Gottesauge angebracht, Symbol der Allgegenwart Gottes, das Pfarrhaus verbrennt
Gottesauge

Gottesauge und Tafel unter dem Gottesauge, welche den Altar bis 1957 schmückten

Tafel unter dem Gottesauge

Einer ist der Allerhöchste der Schöpfer aller Dinge HERR GOTT du bist unsere Zukunft für und für
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit
Himmel und Erde werden vergehen aber meine Worte werden nicht vergehen

  • 1624 Es leben in Biegen jeweils 17 Hüfner und Kossäten, 1 Hirte, 1 Pachtschäfer, die Schäferknechte, 1 Schmied, 4 Paar Hausleute, 12 Hufen gehören der Herrschaft,  1 Hüfner und 1 Kossät mit 2  Hufen gehen ab, so den von Röbel “freigewilligt” (steuerfrei gestellt)
  • 1632 – 1829 Das Amt des Generalsuperintendenten ruht.
  • 1633 – 1634 20 Ritterhufen, von den 17 Bauern die zusammen 28 Hufen hatten, ist nur noch einer (!) vorhanden, von den 17 Kossätenhöfen sind 11 wüst, Hirte, Schmied sind noch vorhanden.
  • um 1636 das Gutshaus, ein zweigeschossiger Bau, brennt ab
  • 1637 Prediger Lange musste Biegen verlassen, weil es ganz wüste und menschenleer war. Superintendent Martin Heinsius notierte dazu: ” Der verwahrlost das Pfarrhaus, daß es im Grunde abbrennt, und weil das Dorf schon wüste war, zeugt er weg in die Altmark.”
  • 1648  Nach dem Friedensschluss fanden sich einige Familien wieder ein und nach Jahren wurde die Predigerstelle mit einem ehemaligen Fleischergesellen besetzt, weil dieser lesen und den Katechismus konnte. Die reformierte Glaubensrichtung wird als gleichberechtigt neben Lutheranern und Katholiken anerkannt.
  • 1652 Es gibt 4 Pfarrhufen, welche der Pfarrer selbst beackert, die Kirche hat 3 Morgen Land in jedem Feld, welches die Bauern beackern.
  • 1654 Die Ritterhufen derer von Röbel sind zum Teil sehr bewachsen, 30 Bauernhufen und 9 Kossätenhöfe sind wüst, die Mühle steht leer, 2 Dreihüfner sind verblieben. Kurfürst Friedrich Wilhelm erlässt ein “Zensurgesetz”, welches lutherische Schriften verbietet.
  • 9.10.1655 Dem Konsistorium wird verboten, an den Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag des Augsburger Religionsfriedens teilzunehmen.
  • 3.12.1656 Verbot der Ordination auf die Konkordienformel, die Pest wütet in der Region Frankfurt (O).
  • 3.3.1657 Kandidaten der Theologie durften nicht mehr außerhalb Brandenburgs examinieren und ordinieren. Auf Grund dieser erneuten Veränderung in der Staatspolitik und der damit verbundenen Eingriffe in die Religion, welche die Aufnahme der Hugenotten in Brandenburg ermöglichen sollte, blieb die Pfarrstelle, welche seit 1637 vakant war, noch bis 1670 unbesetzt.
  • 1662 Verordnung zum Aufbau einer Schule
  • bis 1665 das Patronat hat das Gut Biegen inne
  •  um 1665 Biegen wird Staatsdomäne, der Kurfürst hatte das Dorf von den von Röbels erworben, und bekommt ein eigenes Justizamt, Joachim Erdmann von Burgsdorff (auch: Burgstorff, 1635-1706, kurfürstlicher Hauptmann über die Ämter Lebus, Fürstenwalde und Biegen Erbherr auf Reitwein, Wulkow und Burgdorf) hat das Amt inne. Seine Familie ist mit den Stifterfamilien, deren Wappen auf dem Biegener Altar sind und dem ehemaligen Besitzer, dessen Epitaph in der Biegener Kirche befindlich ist, verwandt. Das Patronat übernimmt der Kurfürst bzw. der Fiskus.
  • 1665 – 1713  Lehnträger ist das Amt Biegen, zu welchem außer dem Dorf Biegen noch Müllrose, Pillgram, Hohenwalde, Kaisermühl, Oberlindow und Biegenbrück gehören, alle müssen Überbestande der Kirchenkasse abführen und die Rechnungsbücher der Kirche zur Prüfung dem Amte vorlegen.
  • 1666 Es gibt wieder 13 bewohnte Hufen, 27 sind wüst, 1 Schäfer, 1 Hirte mit Vieh, 1 Wohnschmiede werden gemeldet.
  • 1670 – 1713 Pillgram wird Eigentum des Amtes Biegen
  • 28.2.1672 ältestes erhaltenes Kirchbuch der Biegener Kirche und original Ledereinband “Dominica Quinquagesima“, ist der erste Eintrag einer Eheschließung zu Biegen

originaler Ledereinband 1673

restaurierte Kirchbuchseite Biegen 1673

Februar 1672

 

 

 

 

 

  • 28.1.1677 “Heute Dato bezeuge ich (Anmerkung: Zabel von Burgsdorff), daß die Bauern und Kossäthen von den Dörfern Biegen, Pillgram und Hohenwalde ihr Getreide jederzeit in der hiesigen Mühlroschen Mühle bey hoher Straffe durchaus nicht anderswo zu mahlen verbunden seyn. Sintemahlen die Mühlrosche Mühle Ihrer Herrschaft Jährlich große Pächten und andere viele onera abgeben muß.” Der zu entrichtende Mühlenzins der Müllersfamilie Többicke wurde an das Amt Biegen entrichtet.
  • 15.11.1682 – 1691 Joachim Erdmann von Burgsdorff (*um 1620), Amtshauptmann des Amtes Biegen
  • 1687 Das kurfürstliche Amt verfügt noch immer über 7 wüste Kossätenhöfe auf seinen 14 Hufen, 21 Hufen haben die Bauern, 16 Ganzkossäten beackern diese zusammen mit 2 Dreihüfnern und 1 Einhüfner, welche noch bauen,
  • 1487 – 1500 Lehnträger sind derer von Köckeritz  (Kockeritz) (diesem Geschlecht waren u.a. Cölln an der Spree, Lübbenau und Raakow verlehnt, Hans von Köckeritz wird in einer Urkunde vom 7.4.1454 erwähnt)
  • um 1690 die Biegener Kirche wird als Mutterkirche erwähnt, in Pillgram steht die Tochterkirche
  • 20.11.1691 -1710 Amthauptmann wird der Stallmeister und Kammerjunker Carl Ludwig von Froben (Frobenius)
  • 27.2.1692 Da viele Bauern sich weigerten, die Katechismuslehre zu besuchen, wurden die Pfarrer angewiesen, das “Zirkularschreiben” des Landesherren von der Kanzel zu verlesen, darin wurden Inspektoren angewiesen, die vom Pfarrer anzuzeigenden Gemeindemitglieder streng zu ermahnen, falls dies nicht genüge, werden von Landesherren Geld- und Leibesstrafen verhängt.
  • 18.9.1696 Der Biegener Heidereiter Andreas Siebenbürger entdeckt den legendären 66-Enders im Amt Biegen, in der Jacobsdorfer Heide und bereitet den Abschuss durch Friedrich I. vor.

66 Ender

66 Ender


 

 

 

 

 

 

 

Erbaut vom Baumeister Andreas Schlüter, Einweihung am 16. September 1707, Inschrift:

“Diesen Hirsch hat in der Brunftzeit mit eigener Hand geschossen der Durchlauchtigste / Großmächtigste Fürst und Herr / Herr Friedrich der Dritte / Markgraf und Kurfürst zu Brandenburg / im Amte Biegen auf der Jacobsdorfschen Heide / am 18. September anno 1696 / hat gewogen fünf Zentner 35 Pfund / nachdem er schon 3 Wochen geschrien”

1728 tauschte Friedrich Wilhelm I. das Geweih bei dem Kurfürsten August von Sachsen gegen eine Kompanie großer Grenadiere ein. Seit dem befindet es sich im Monströsensaal von Schloss Moritzburg und ist bis heute mit 19,8 kg Gewicht das schwerste Hirschgeweih der Welt

Original Geweih des 66 Enders

Foto des Original Geweihs

  • Dez. 1696 Die Regierung stellt fest, trotz einer Verordnung im selben Jahr, welche den Karfreitag aufwerten sollte, kam es beinahe überall noch immer zu den Marienfesttagen. Wo Prediger, Patron und Gemeinde zustimmten, sollten die traditionellen Feiertage gänzlich abgeschafft werden, zumindest sollte erst am nächstfolgenden Sonntag gefeiert werden.
  • 28.2.1702 König Friedrich I. übereignet dem Heidereiter Andreas Siebenbürger für seine Dienste beim Abschuß des 66-Ender im Jahr 1696 einen wüsten Hof von 3 Hufen in Biegen.
  • 1703 Abschaffung des Exorzismus vor der Kindstaufe (“Ich beschwöre dich, du unreiner Geist, dass du ausfahrest aus diesem Diener Christi”), den Pfarramtskandidaten wurde das Versprechen abgenommen, “auf Begehren der Eltern absque Exorcimo unweigerlich” zu taufen
  • 1704 Biegen hat sich vom Krieg wieder erholt, besitzt u. a. 42 Bauern – und 16 Ritterhufen, der Pfarrer hat 4 Hufen, auch die Schäferei hat 1000 Schafe. Der Pfarrer wohnt in Biegen im Pfarrhaus mit Hinterhof, Obst- und Küchengarten. Der Küster wohnt ebenfalls in Biegen und hat hinter dem Haus einen kleinen Baumgarten.Die Kirche besitzt 16 Morgen 279 Quadratruten Land.
  • 1707  Inzwischen gibt es wieder einen 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten, 3 Hausleute, einen Schäfer, Schmied, und Hirten.
  • 1711 In Biegen wird ein Schmied sesshaft. 16 Hüfner, 12 Kossäten, 1 Paar Hausleute, 1 Hirte hat Vieh, der Schäfer, Meisterknecht von 72, Hammelknecht von 48, Lämmerjunge von 25 Schafen zeugen davon, das es den Bauern recht zufriedenstellend geht.
  • 1713 – 1727 Biegen ist zeitweise an Fürst Menschikow (1672 – 1729), St. Petersburg, verschenkt worden und musste dorthin seine Steuern entrichten.  “Ihro Majestät dem Fürsten Menzikoff das Amt Biegen geschenket, alß wir Stettin überkommen haben” (im Nordischen Krieg)
  • 5.3.1715  Instruktion zur Kirchenvisitation, jeder Superintendent, Propst oder Inspekteur musste in seinem Amtssprengel eine Lokalvisitation auf Kosten der besuchten Gemeinde durchführen.
  • 1716 – 1746 Öffentlichen Kirchenbuße, bei Ehebruch, “Hurerey” und später weiteren Delikten, musste das Gemeindemitglied öffentlich Buße tun, ansonsten blieb es vom Abendmahl ausgeschlossen.
  • 28.9.1717 Einführung der Schulpflicht
  •  1727 – 1731 Lehnträger ist das Amt Biegen
  • 1728 – 1731  Das Amt Biegen befindet sich in Sequesterverwaltung, nachdem Menschikow in Ungnade gefallen war, im gleichen Zeitraum ziehen Heuschreckenplagen durch das Lebuser Land und verwüsten die Felder.
  • 1730 Vasa Sacra

Abendmahlskelch, Vasa Sacra

Abendmahlskanne

 

 

 

 

 

 

  • 1731-  1739  Lehnsherr ist Graf Ernst Johann von Biron (1660 – 1772), sein Generalbevollmächtigter ist der Herr von Beerfelde auf Lossow
  • 1734 Biegen gewinnt an Einwohnern: 11 Bauern, 18 Kossäten, 5 Hausleute, 1 Müller, 1 Schmiede, 4 Leineweber, 1 Schneider, 2 Rademacher, 2 Schäfer, 1 Hirte, 1 Ziegelstreicher, 33 Frauen, 24 große Söhne, 20 große Töchter, 17 Söhne und 27 Töchter unter 10 Jahren, 7 Knechte, 4 Mägde.
  • 1739 – 1740 Lehnsherr ist Graf Burkhard Christoph von Münnich (1693 – 1767), Amtsinhaber der Baron von Tryden
  • 1740 – 1839 Lehnträger ist das Amt Biegen
  • 1745 Biegen erhält einen Unterförster, besitzt eine Windmühle mit einem Gang. Es gab vorher ein verbrieftes Mühlenrecht, welches unter Strafe untersagte, das Korn in einer anderen, als der Müllroser Mühle mahlen zu lassen. 19 Bauern und 9 Kossäten können nun im Ort zur Mühle gehen.
  • 1747 20 erbliche Bauernhöfe und 9 erbliche Kossätenhöfe sind vorhanden.
  • 16.10.1748 Eine Trappenplage auf den Feldern des Amtes Biegen führt zu einer Beschwerde durch den Amtsrat Jeckel (Feskel) aus Biegen, unterstützt wird er u.a. vom Oberforstmeister von Krosigk, Da die erlaubten Abschüsse eine Taxe von 2 Reichsthalern pro Stück an die Königliche Jagdkasse zur Folge hatten, bat er um eine Absenkung der selbigen auf 16 Groschen für einen Hahn und 12 für eine Henne. Einen Monat später stimmte man dem zu, 
  • 1749 Biegen hat den Pfarrer Samuel Grützmacher und den Küster Hellwig. Die Dorfgemeinschaft ist angewachsen auf 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner (Schulze), 1 Zweihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten 10 Büdner, einen Dorfhirten, Schäfer, Schmied, Heideläufer; 42 Männer, 45 Frauen, 22 Söhne und 13 Töchter über 12 Jahre, 45 Söhne und 60 Töchter unter 12 Jahren, 16 Knechte, 21 Einlieger. Die Amtsverwaltung besitzt 1194 Morgen 147 Quadratruten Land, 16 Morgen 123 Quadratruten Gärten, 183 Morgen 54 Quadratruten Wiese. 1500 Schafe weiden neben anderem Vieh.
  • 8.1.1752 Amtsrat Carl Ludwig Jeckel,  verheiratet in erster Ehe mit Anna Charlotte Sophia geb. Bechin, in zweiter Ehe mit Marie Elisabeth geb. Prozenius. Sein Sohn ist der Oberförster Franz Christoph Jeckel, geb. 10.1.1764. Im Biegener Amt war er bis Juni 1762. Der  Amtsrats Johann Joachim Jaeckel, sein Bruder,  reicht ein Localorium für die minderjährigen Kinder des Amtsrat Carl Ludwig Jeckel, zwecks Erb- und Theilungs Rezess ein, als die erste Frau, Mutter dreier Kinder, starb.
  • 1756 – 1763 7 jähriger Krieg, die Menschen leiden unter den durchziehenden Truppen große Not
  • 1760 Die Kirche und der Pfarrhof werden im 7 jährigen Krieg geplündert, den “Beyträgen zur neuern Staats- und Kriegs-Geschichte, Stücke 1-190, 1757-1764, Danzig, J. C. Schuster” kann man 1760 entnehmen: “In dem Amt Biegen haben die Rußische Völker ihre Plünderungen und barbarische Verheerungen aufs höchste getrieben, welche sie dorten auf dem Amt-Hause und in dem ganzen Dorfe auf eine fast unglaubliche Art ausgeübet, indem sie auch daselbst kein Fenster, Tür, Kisten, Kasten, Stuhl, noch Tisch ganz gelassen, die Kirche beraubet, mit Unflath allenthalben besudelt, die Canzel zerhauen, die Todtengewölber aufgeschlagen, und die Cörper geplündert, den alten sieben- und siebzigjährigen Prediger Grützmacher nach devastierten (verwüstetem) Pfarrhause nackend ausgezogen, und ihm nicht einmal die Beinkleider gelassen, so daß er einige Tage hindurch mit einer um den Leib gebundenen alten Schürze… herumgegehen und endlich in diesen miserablestenn Umständen sich nach Frankfurt begeben müssen, allwo er von gutherzigen Leuten mit Kleidung und Brod gegen seine Blösse und Hunger versehen, auch wegen der von den Cosaken empfangenen Wunden am Kopfe und erbärmlichen Kantschuschlägen curiret werden müssen; der dasige Küster Hellwig hatte eben dieses betrübliche Schicksal, viele alte und junge Eingesessene wurden auf den Tod geprügelt…”
  • 12.8.1763 “Allgemeines preußisches Schulreglement“, es regelte allgemeinverbindlich den Unterricht
  • 1766 Auf den Biegener Feldern wird der ausgedehnte Anbau von Futterkräutern eingeführt (Burnet = Pimpinelle, Luzerne, Raigras, Trefoil = Hopfenklee, Rotklee und Turnip = Rüben), die Sämereien bezog man auf Veranlassung Friedrich II. aus England. Der Anbau mit Fruchtfolge wurde “englische Wirtschaft” genannt und setzte sich relativ schnell auch anderern Orts durch.
  • 1772 Ein Prediger wird erwähnt (Anmerkung: Pfarrer war Johann Friedrich Hirsekorn), es gibt noch 20 Bauern und Halbbauern, 10 Kossäten und Büdner, 2 Müller, 1 Schmiede, insgesamt 349 Bewohner.
  • 1775 Erwähnung als “Biegen” in den Landkarten, um 1775 verliert das Amt Biegen die” Aufhütung” der Schäferei auf den Untertanenfeldern
  • 20.5.1776 Der Friedhof um die Biegener Kirche herum ist mit einer Mauer umgeben, welche von den Einwohnern unterhalten werden musste
  • 3.9.1776 Christian Uckrow, Bauer, Dreihüfner, Ausgedinger und Gerichts-Schulze, Kirchen- und Schulvorsteher wird in Biegen geboren. Sein Grabmal befindet sich an der Kirche in Jacobsdorf.
  • 1781 Neu – Pillgram wird unter dem Amte Biegen auf königlichem Vorwerksland mit Büdnerfamilien gegründet.
  • 1782 Es gibt neben dem Prediger auch einen Küster. Die Einwohnerschaft hat sich erneut erholt, 1 Vierhüfner (Krüger), 9 Dreihüfner (Schulze), 1 Zweihüfner, 9 Einhüfner, 9 Kossäten, 8 Büdner, ein Dorfhirte, Schäfer, Schmied, Heideläufer, Kreisgärtner, 8 Einlieger, werden gezählt.
    Auf dem Land weiden 20 Kühe, 10 Stück Jungvieh, 1200 Schafe, Schweine- und Federviehzucht wird betrieben.
  • 11.5.1783 Catharina Dänicken, geb. am 18.7.1729, verstirbt. Ihr Grabstein wird in die Südwand der Kirche eingelassen.
  • 1783 – 1823 Karbe Wappen Die Söhne des Johann Christian Karbe (1705 – 1770) und der Anna Baath (1713-1762) pachten die Domäne Biegen als Generalpächter zusammen mit Dubrow, Hohenwalde und Pillgram. Ihrer Familie gehörte u.a. ab 1789 auch das Rittergut in Sieversdorf bei Frankfurt (O), der Biegener Zweig (Oberamtmann Wilhelm Karbe) starb aber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Mannesstamm aus. Carl Friedrich Karbe erblickte bereits als Biegener am 21.2.1796 das Licht der Welt und starb am 18.8.1836 in Petershagen.  
  • 1786 Der Justiziar des Amtes Biegen, Johann Georg Stolle, wechselt nach Müllrose, um dort der Justizbürgermeister zu werden.
  • 1787 Ein Oberschulkollegium wird eingerichtet, es ist mit dem Oberkonsistorium faktisch identisch, die Pfarrer sind auf dem Lande ohnehin in der Regel die einzigen, welche den nötigen Bildungsstand mitbringen, den Unterricht durchzuführen, die Küster unterrichten auch Lesen und Schreiben.
  • 1794 Der Kirchturm brennt vollständig ab, durch den Neubau erhielt er ein Oberteil aus Backstein, die Fenster wurden umgebaut und erhielten Korbbögen, der Chor wurde um einen Anbau erweitert. Im Turmoberteil befinden sich Schallöffnungen und die Aufhängung für 2 Glocken. Der Turm wurde mit einem Zeltdach versehen, oben mit einer Wetterfahne mit der Jahreszahl 1794
Schule und Kirche

Die Schule des Ortes, daneben die Kirche mit dem Backsteinturm und Zeltdach (Foto um 1900)

 

Anbau Südwand

Anbau am Chor

Wetterfahne

Wetterfahne

Korbbogenfenster

Korbbogenfenster, heute vermauert

Grundriss Kirche Biegen

Grundriss

  • 20.2.1798 Dem Bäckermeister Schultze wird “die von ihm angelegte Winkelschule wiederholentlich untersagt. Er meint aber, daß ihm solche nicht gewehrt werden könne.“  Auf Betreiben des Magistrates und des Konsistorialrat Gedicke erging am 26.9.1799 ein erneutes Verbot.*)

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.

Biegener Kirchgeschichte I

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil I  seit der Bronzezeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts

 

  • 2200 v. Chr. – 800 v. Chr. Der Ort war schon seit der älteren Bronzezeit besiedelt, wie Funde ( Abb. von 1909) belegen. Einige der Fundstücke befanden sich in Besitz des Pfarramtes unter Dr. Schaumann.1)

Bronzenadeln Begenetwa 1 km westlich des Gutshofes wurden Gräber gefunden, welche u.a. Bronzenadeln enthielten

 

 

Buckelurne Biegenetwa 2 km östlich des Dorfes wurden aus Hügelgräbern Buckelurnen geborgen

Tongefäße Aurither Typus Biegen

Tonklappern Biegen

etwa 2,5 km südlich und südwestlich des Dorfes befanden sich in Flachgräbern zahlreiche Gegenstände

Henkelkännchen Göritzer Typus

  • 1249 – 1278 Herzog Boleslaw II. von Liegnitz veräußert das Land Lebus zur Hälfte an Magdeburg. Die andere behielt er als Lehen, das er vier Jahre später aber an die askanischen Markgrafen von Brandenburg übergab, die dann 1278 den restlichen Teil als Pfand von Magdeburg übernahmen. Das Land Lebus wird nun mit Diplomatie und nicht mit dem Schwert erobert.
  • 1253 Vordringen der askanischen Markgrafen. Verlegung des Handelsweges auf eine südlicher gelegene Linie MünchebergFrankfurtPosen,  Frankfurt wird durch die Askanier zur Stadt erhoben. Entlang dieser Linie: Gründung von neuen Siedlungen: “Bigyn” mit 64 Hufen*), Dorfbesitzer waren derer “von Bigan”, vielleicht aus dem ausgestorbenen Rittergeschlecht derer von Biegen (Gottfried Stael von Biegen (1323), Burg Vrouwensteyn) ?

(althochdeutsch: biogan, beogan, biegan -> biegen, andere Deutung aus den 80er Jahren: alt-slawisch: bogatu -> reich, albanisch: begati -> Reichtum, polnisch: biec -> laufen, biegacz -> der Läufer)

Mark Brandenburg

die Ausdehnung der Mark Brandenburg von 1170 (dunkelgrau) bis 1250 (hellgrau) erfolgte unter den Askaniern durch Lokatoren, welche etwa 200.000 Einwohner warben und über 100 Städte und 2500 Dörfer gründeten, etwa 30% der Bevölkerung waren slawischen Ursprungs, viele “Neu”- Brandenburger stammten aus niederdeutschen Gebieten bis nach Flandern und den Niederlanden

  • um 1270 Massive Kirchen wurden meist 10 – 20 Jahre nach der Dorfgründung erbaut, so dass die Biegener Kirche vermutlich um 1270 fertig gestellt wurde.Die Kirche ist aus behauenen Granitfindlingen, mit kleinen, für die Entstehungszeit typischen Fenster- und Türöffnungen, man hielt die Fensteröffnungen möglichst schmal, da Glas damals sehr kostbar war. Die Mauern sind 90 cm dick, “echte” Wehrkirchen aus Süddeutschland, welche an den Landesgrenzen erbaut wurden, haben sogar Wandstärken vom 120 cm und mehr, trotzdem konnte die Kirche in unruhigen Zeiten auch dem Schutz der Dorfbewohner dienen, da die zweischalige Bauweise der Feldsteinmauern und die Bauhöhe entsprechende Wandstärken voraussetzte. Die Ost – West – Ausrichtung der Kirche entspricht der alten Glaubensvorstellung, dass Jerusalem generell im Osten lag. Die erste Baulinie der neu zu erbauenden Kirche wurde am Tage des Patroziniums (Heiligenpatronats) nach dem Punkt des Sonnenaufgangs ausgerichtet. Hatte die Kirche zwei Titelheilige, wurden entweder die Winkel gemittelt oder nördliche und südliche Langhauswand wurden unterschiedlich ausgerichtet. In frühchristlicher Zeit wurden Kultstätten, an denen ein Märtyrer oder dessen Reliquien beigesetzt waren, nach diesem benannt und ihm geweiht. In Biegen fanden sich zwei Beutel mit Reliquien des Heiligen Eucharius bei der Restaurierung des Altars im Jahre 1958.
  • 1366 Erwähnung in einer Urkunde als “dorf czum Bigen” *)
  • bis nach 1368 Lehnträger sind derer von Lossow über einen Hof mit 10 Hufen (Ersterwähnung eines Otto de Lossowe in Lauban 1290, ein Peter de Lossowe war zwischen 1303 und 1334 Consiliarius und später Truchseß der brandenburgischen Markgrafen aus dem Geschlecht der Askanier, also ein sehr einflussreicher Mann, um 1328 soll der Stammsitz in Lossow bei Frankfurt (O) gewesen sein)
  • 1368 – nach 1405 Lehnträger sind Fritz und Hans Belkow (Belichowe) zu Frankfurt (O) über 1/2 Biegen mit Wagendienst, Ober- und Untergericht und dem Patronat (schon um 1308 stellten die Patrizierfamilien Belkow und Hokemann die 12 “Konsuln” bzw. “Schöppen” in Frankfurt (O), Belehnung vor 1373 des Fritzke Belkow, der letzte Belkow (Belcko) starb verarmt in Folge von Verschwendung 1547) Erwähnung in einer Urkunde des Kartäuserklosters bei Frankfurt (O) “vnd daz halbe dorff czu Bygen”*)
  • 1385 Das Domkapitel stellte den Antrag, den Bischofssitz nach Fürstenwalde zu verlegen, die Marienkirche wird zur Kathedrale erhoben. In den Auseinandersetzungen der Wittelsbacher, die Herren der Mark geworden waren, mit Kaiser Karl IV kam es 1773 zum Krieg, in dessen Verlauf das Lebuser Schloss und die Stadt verwüstet wurden und als Bischofssitz nicht mehr geeignet waren.
  • 1396 Bischof Johann erteilte allen Förderern des Kartäuserklosters “Domus Misericodiae” (Barmherzigkeit Gottes) 40 Tage Ablaß.
  • 14. Jh. Ein mit Spitzbogen umrahmtes (heute vermauertes) Portal zeigt rechts und links Weihekreuze im Kreise roter Erdfarbe, es findet sich eine Glocke in der Kirche, 0,76 m Durchmesser, verziert mit spätgotische Minuskeln.
  • um 1399 – 1405 Lehnträger sind derer von Beerfelde über 17 Hufen (altes Brandenburger Adelsgeschlecht, bereits seit 1285 Stammsitz zu Lebus, derer von Beerfelde sind u.a. mit von Burgsdorff, Lehnsherrn von Müllrose, verwandt, sie stammen von dem Braunschweigschen Geschlecht derer von Bährfelde/Bahrfelde ab)
  • 15. Jh.  Eine größere Glocke, 0,90 m Durchmesser mit der Inschrift “O REX GLORIA CHRISTE VENI CUM PACE” (O ruhmvoller König, Christus, komme mit Frieden), befindet sich im Turm. Am Hals eine Anzahl Medaillons mit Darstellungen, u.a. Lamm, Kreuzigung, Taube, Verkündigung.
  • um 1400 Im Chorraum entstehen Malereien, sie zeigen Passionsszenen, Ornamente, Wappen und ein Kloster (vermutlich das Karthäuserkloster “Barmherzigkeit Gottes” zu Frankfurt (O), gegründet 1396, dem ein Teil Biegens gehörte) “Der Legende nach hatte Biegen ein Nonnenkloster mit großem Landbesitz. Der heilige See, heute verlandet und teilweise Wiese an der Straße nach Jacobsdorf, diente den Nonnen als Badestelle.” Der Triumphbogen (Spitzbogen), er verbindet das längliche Schiff mit dem eingezogenen Chor, ist geschmückt mit ornamentaler Malerei und einem Posaunenengel.
Carthäuser Stadansicht Frankfurt 1562

Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (O)

Blick vom Karthäuserkloster auf die Stadt mit der zweitürmigen Marienkirche. Nachschnitt um 1598 der erstmalig 1562 erschienenen Stadtansicht.*)

 

 

 

 

 

  • 1402 Zum Dorf Biegen gehören eine Mutterkirche, ein Rittergut, eine Tochterkirche in Pillgram, insgesamt 64 Hufe, wovon 4 Hufe dem Pfarrer gehören.
  • bis 1416  die von Lossow haben ihre Lehnanteile vereinigt (Hans von Losso(w), “dorff zcu dem Bygin”)*)
  • vor 1416 – nach 1438 Lehnträger sind derer von Lossow *)
  • 1416 Das Kartäuserkloster kauft das Dorf Biegen mit der Hälfte der dabei gelegenen großen Heide für 700 Schock Groschen, was aber vom Kurfürsten anscheinend nicht bestätigt wurde
  • vor 1417 von Beerfelde hat seine Lehnanteile vereinigt
  • April 1432 Die Hussiten belagern Lebus und Frankfurt, brandschatzen das Kartäuserkloster in Frankfurt (6.April) und zerstören den Dom in Fürstenwalde. Als sie im Lager in Müllrose waren, unternahmen die Frankfurter einen Angriff, welcher zu erheblichen Verlusten bei den Hussiten führten. Die darauf folgenden Plünderungen und Grausamkeiten zerstörten viele Dörfer, Sieversdorf war noch 30 Jahre später wüst.
1432

Codex diplomaticus Brandenburgensis*)

  • 1437 Das Kartäuserkloster wurde größer und prachtvoller wieder aufgebaut.
  • 1438 Lehnträger sind derer von Lossow über ganz Biegen, das Kloster erwirbt, diesmal bestätigt, die große Heide zu Biegen und zahlt für diese und die erworbenen Teile von Briesen mindestens 310 Schock
  • bis nach 1442 Heidezins an die Kartäuser von 50 – 70 gr jährlich
  • 1450 Unruhige Zeiten, Polen, Russen und Litauer ziehen durch das Land und belagern Frankfurt.
  • 1450 – nach 1460 Lehnträger sind derer von Kracht (Hintze Kracht, urkundlich erwähnt 7.1.1466, Heincze Cracht wird in einer Urkunde von 1438 des Markgrafen als “unser Schreiber” erwähnt) (ein Geschlecht aus Norddeutschland, Mecklenburg und Vorpommern, seit um 926 in der Mark Brandenburg)
  • 1460 von den 64 Hufen sind 24 wüst, es Zinsen noch 31,  Verblieben sind 11 Kossäten, ein Krüger, ein Richter, der Schäfer des Schulzen hat 50 Schafe, Krachts Schäfer hat 50 Schafe.
  • vor 1463 – 1475 Lehnträger sind derer von Lossow*)
  • 1475 – 1487 Lehnträger sind derer von Beerfelde zu Rosenthal (“Rosintal“)
  • 1487 – 1500 Lehnträger sind derer von Köckeritz  (Kockeritz) (diesem Geschlecht waren u.a. Cölln an der Spree, Lübbenau und Raakow verlehnt, Hans von Köckeritz wird in einer Urkunde vom 7.4.1454 erwähnt)
  • Ende 15. Jh. Der quadratische Westturm wurde an die Biegener Kirche gebaut, er diente nach den damaligen Vorstellungen der Abwehr des Bösen, das aus dem Westen kam. 
  • 1499 Joachim I. wird Kurfürst von Brandenburg, er gründet 1506 die Universität “Viadrina” und hält bis zu seinem Tode fest am katholischen Glauben. Heinrich von Kockeritz zum Bigen huldigt dem Kurfürsten Joachim I. und dem Markgrafen Albrecht in Frankfurt /O.
  • um 1500 Die auf den Grundbesitz zu entrichtenden Abgaben waren gering, die Bauern hatten im bischöflichen Gebiet nur an 3-4 Tagen Spanndienste zu leisten (Pflügen, Getreide oder Heu einbringen, Küchenholz herbei schaffen), meist wurden je Hufen Land 9-75 Groschen, meist 30 Groschen erhoben. Die Höhe richtete sich nach der Bodenqualität und danach, ob man in einem Überschwemmungsgebiet lebte. In diese Abgabe eingeschlossen war das “Bischofsgeld” mit 4-6 Groschen. Der Pfarrer erhielt im Jahr einen Scheffel Hartkorn, auch 1-2 Messpfennige. Die Kossäten hatten ebenfalls ihr Auskommen, da sie stets Tagelohn erhielten. Es gab im Bistum unter Bischof Dietrich von Bülow (*1460-1523) keine Erbuntertänigkeit oder Leibeigenschaft.
  • 1500 – 1504 Lehnträger sind derer von Brietzke (Britzik) zu Britz, ein ursprünglich Magdeburger Adelsgeschlecht, dessen Stammhaus in Jerichow zu finden war
  • 1502  Um dem Pfarrer seine Arbeit zu erleichtern, wurde das Andachtsbüchlein “Baum des Legenda AureaSeelenheils” für den Hausgebrauch in Frankfurt (O) gedruckt, es war von Geiler von Kaysersberg, dazu standen dem Pfarrer die Postille des Nicolaus de Lyra  mit Bibelerklärungen und Predigtausarbeitungen zur Verfügung, die “Sermones discipuli de tempore et de sanctis” des Johannes Herolt, sowie der “Meffreth vel hortus reginae”, über die Heiligen konnte man in den “Legenda aurea” des Jacobus de Voragine nachschlagen. Der Pfarrer feierte in der Gemeinde neben den Festen zu Verehrung der Kirchenpatrone und der Kirchenheiligen auch die Heilige Hedwig am 15. Oktober.
  • 1504 – 1665 Lehnträger sind derer von Röbel (Altes mecklenburgisch – brandenburgisches Adelsgeschlecht. Das Geschlecht der Röbels wird 1375 als Inhaber von Gerechtsamen in Buch, Karow und Umgegend erwähnt, welches später u.a. Krummensee, Wegendorf, Hirschfelde Kloster Friedland und andere Orte in Besitz hatten)
  • 1505-1514 Neue Messbücher werden vorgeschrieben: “Breviarium ad usum Ecclesiae Lubucense” (1505) für den Klerus, “Missale Lubucense” (1509) und “Viaticum Lubucense” (1514), die beiden letzteren waren mit dem Wappen des Bischof geschmückt. Ein erhaltenes Exemplar des Missiale in Frankfurt (O) bezeugt dessen Verwendung noch Jahrzehnte nach der Reformation.
  • 1535 Markgraf Joachim II. erbt von seinen Vater große Teile der Mark Brandenburg und soll laut Testament am katholischen Glauben festhalten, er hält an den alten Kirchentraditionen fest, steht jedoch im Briefwechsel mit Martin Luther und lässt an der Universität “Viadrina” von Gelehrten Glaubensgespräche führen.
  • 1536 Erste Kirchenvisitationen werden eingeführt, um sich u.a. einen Überblick über das Vermögen der Kirchen und Klöster zu verschaffen. 
  • bis 1538 Lehnsherr über Biegen ist der Markgraf bzw. Kurfürst
  • 1538 – 1598 Lehnsherr ist der Bischof von Lebus
  • 1.11.1539  Reformation in Brandenburg, Einführung des Kirchenbuches, die Pfarrer waren angehalten, über das Gemeindeleben Buch zu führen.
    Der Lebuser Bischof Georg von Blumenthal (*1490-1550) protestierte gegen die Visitationen, darauf unterließ der Markgraf die Zahlung des Bischofzehnt und nötigte 1540 den Bischof zu dem Einverständnis, das der Markgraf den Zehnt einzog und jeden Februar gegen Quittung an den Bischof ausbezahlte. Die Bischofsgüter wurden steuerpflichtig und Priester sowie andere Geistliche mussten die Visitationen fortan dulden.
    Herausgabe einer “Kastenordnung” welche zur Einstellung evangelischer Prediger verpflichtete, ihnen die Ehe erlaubte, die Entfremdung der kirchlichen Einnahmen verbot, welche z.B. für den Unterhalt der Pfarreien bestimmt waren, es wurden zu kontrollierende Kassenbücher eingeführt, Zuständigkeiten neu festgelegt, die Instandsetzung von Schulen verfügt, die Einrichtung von Stipendien zum “studio”, auf dem Lande wurden die “obersten Lehnsherren” zu “Vormündern” der Pfarrer bestellt, beaufsichtigten also die Einkünfte und Vermögensverwaltung ihrer Kirchegemeinde.
  •  4.12.1539 Der Protest Georg Buchholzers (1503-1566) brachte Luther dazu, folgenden Brief zu verfassen, welcher in kaum einer Darstellung der brandenburgischen Kirchengeschichte fehlt und die brandenburgischen Sonderformen im Interesse der Durchsetzung der Reformation toleriert: „So gehet in Gottes Namen mit herum und tragt ein silbern oder gülden Kreuz und Chorkappe oder Chorrock von Sammet, Seiden oder Leinwand, und hat euer Kurfürst an einer Chorkappe oder Chorrock nicht genug, die ihr anziehet, so zieht der 3 an, wie Aaron der Hohe Priester drei Röcke übereinander anzog [...]. Haben auch ihre Kurfürstliche Gnaden nicht genug an dem Circuitu oder Prozession, das ihr umher gehet, klingt und singet, so gehet sieben mal mit herum, wie Josua mit den Kindern von Israel um Jericho giengen, machten ein Feldgeschrei und bliesen Posaunen. Und hat euer Herr, der Markgraf, ja Lust dazu, mögen ihre Kurfürstliche Gnaden vorherspringen und tanzen mit Harfen, Pauken, Zimbeln und Schellen wie David vor der Lade des Herrn tat, da die in die Stadt Jerusalem gebracht ward …“
  • 1.3.1540 Einführung einer “Kirchenordnung”, Adel, Städten und Gemeinden wurde untersagt, Pfarrer ohne ordentliche Berufung und Ordination ins Amt zu berufen, einzig, um ihre eigene Macht zu festigen. Die Bewerber sollten von nun an auf ihre theologischen Fähigkeiten und menschlichen Qualitäten geprüft werden. Die Kirchenordnung behandelte in drei Teilen die Lehre, den Katechismus und und die Agende, war somit Verfassung und Gottesdienstordnung, sie sicherte aber mit dem Einverständnis Luthers den Fortbestand vieler altkirchlicher Zeremonien und Bräuche. Der Bischof von Lebus lehnte die Kirchenordnung ab.
  • Ende 1540 – 1543 Generalvisitationen wurden u.a. in den Gemeinden des Bistums Lebus durchgeführt, zur Bekanntgabe und Erläuterung der Kirchenordnung, Feststellung der  Vermögensverhältnisse und Inventare, Sicherstellung der Besoldung der Pfarrer, Küster und Lehrer, Empfehlung zur Herstellung caritativer Einrichtungen. Verantwortlich für die Visitation war Kanzler Johannes Weinlöben (+1558) unter Superintendent Jacob Stratner (+1550).
  • 1542 die Röbels führen 27 Gulden 16 Groschen Landsteuer ab
  • 1543 Im Bistum Lebus zeigte sich kein Wandel, daher übernahm das Konsistorium die Aufgabe, die für den Aufbau des Kirchenwesens in den Gemeinden notwendigen Maßnahmen zu treffen, ihren Vollzug zu beaufsichtigen und als Schiedsstelle Bescheide zu erteilen. Das Konsistorium gab es seit dem 22.4.1543 in Berlin als Behörde und Träger des landesherrlichen Kirchenregiments und war mit einer Reihe der vormals den Bischöfen obliegenden Kompetenzen ausgestattet worden, obwohl die völlige Beseitigung der bischöflichen Verfassung zu diesem Zeitpunkt nicht Bestandteil der Reform war.
  • 1555 von 60 Hufen werden 4 Schock Bischofszehnt abgeführt
  • 1555 Augsburger Religionsfrieden, der protestantische Glauben wird anerkannt. Der Lebuser Bischof Johannes VIII. von Horneburg, das letzte katholische Bollwerk, stirbt am 16.6.1555 in Storkow nach nur 5 Jahren im Amt, Einzug der bischöflichen Güter, der Markgraf ist Verwalter selbiger.
  • 1561 “Geistliche Polizey-, Visitations- und Consistorialordnung”, sie unterstützt den Verwaltungsaufbau und schafft für den nunmehrigen “Generalsuperintendenten” eine Reihe von “Superintendenten”, die ihn unterstützen. Sitz des Superintendenten des Landes Lebus ist Frankfurt (O). Die “Inspectoren” beaufsichtigen nun auch die Schulmeister, regeln Vakanzen etc. Die bischöflichen Befugnisse der Ordination, Konfirmation und Amtseinführung der Pfarrer (“Institution”) besaßen sie nicht.
  • 1563 Der Markgraf Joachim II. legt ein öffentlich testamentarisches Glaubensbekenntnis gemäß der Augsburger Konfession ab, belässt es aber bei den alten Gebräuchen und Zeremonien, auch die Ausstattung seiner Hofkirche ändert sich nicht.
  • 1572 Kurfürst Johann Georg erlässt eine Kirchenordnung, die auf der Confessio Augustana beruhte, sein Sohn Joachim Friedrich ist 1555-1598 Bischof von Lebus, um den katholischen Einfluß zu unterbinden. Die Gemeinden mussten ein Exemplar für 1 1/2 Gulden erwerben, welches in der Frankfurter Druckerei Eichhorn gedruckt wurde.
  • 1573 Die Visitations- und Konsistorialordnung schreibt u.a. Tauf-, Trauungs- und Sterberegister vor. Neben dem Datum der Amtshandlung müssen nun auch die Namen der Täuflinge, Brautleute oder Verstorbenen erfasst werden. Die Visitationen wurden auf einen Intervall von 10 Jahren festgesetzt, allein 3 Jahre sollten sie im Stift Lebus andauern.
  • 1573 – 1581 Generalvisitationen, bei welcher man die Pfarrer die Konkordienformel von 1577 unterschreiben ließ, die Visitationen wurden durch die 1576 ausgebrochene Pest erschwert.

    Portal

    das vermauerte Priesterportal der Biegener Kirche

Man rückte in der Folgezeit in der lutherischen Kirche Kanzel und Taufe in die Nähe des Triumphbogens, vermauerte häufig das Priesterportal, da nun entbehrlich, veränderte das Gestühl und richtete der wachsenden Gemeinde eine Empore ein, um mehr Platz zu schaffen. Bis ca. 1625 entstanden neue Kanzeln, Altäre und Taufen, auch in der Biegener Kirche finden sich diese Veränderungen.

 

 

  •  1573 – 1806 Inspektionen im Pfarramt Biegen.
  • 1577 Das ” Breviarium ad usum Ecclesiae Lubucense” wird durch ein reformiertes Brevier ersetzt.
  • 1585 Die Söhne des Feldmarschalls Joachim von Röbel erwerben zu ihrem Besitz in Biegen das gesamte Dorf Rosengarten. Dieses wird im Kirchenvisitationsbericht von 1600 ebenfalls erwähnt: “Der Bagram ist eine Feldmark, so halb zu Lichtenberg und halb zu Rosengarten gehört, und worauf die Junkeren ihre Weyereyen und Vorwerke haben.”
  • Ende 16. Jh. Der Altaraufsatz in der Biegener Kirche ist aus Sandstein gearbeitet, damals sehr wertvoll und von weit her gebracht, im Aufbau einem Flügelaltar ähnelnd.

Besonders plastisch ist der Passionszyklus herausgearbeitet, im unteren Teil des Altars sieht man das Große Abendmahl Jesu am Gründonnerstag, links darüber ist Jesus im Garten dargestellt. Im oberen linken Bild wird der Meister aus Nazareth verspottet und ausgepeitscht, im rechten oberen Bild wird ihm die Dornenkrone aufgesetzt. Im Bild darunter bricht Jesus unter der Last des Kreuzes zusammen. Die Kreuzungsszene bildet den Mittelpunkt des Altaraufsatzes. Zu sehen sind Maria, die Mutter Jesu, und der Jünger, den Jesus lieb hatte. Das Kreuz steht auf einem Totenschädel – der Gekreuzigte, Auferweckte, hat dem Tod die letzte Verbindlichkeit, die Macht, genommen. Vier Wappen sind zu sehen, links unten Biesenbrow, darüber Röbel, rechts unten Mörner, darüber Krummensee.

  • um 1595 Biegen hat einen Rittersitz, die Schäferei 1000 Schafe, das Dorf ist gewachsen und besitzt u. a. einen Weinberg und eine Windmühle. Der Krüger besitzt 4 Hufen Land, der Schulze und 8 weitere Einwohner 3, 7 haben 2 Hufen, die 17 Kossäten haben jeder 1 Hof, 9 Hausleute werden gezählt (Leineweber, Müller, Schmied, Hirte, Schweiner).
  • ab 1598 Lehnsherr über Biegen ist der Kurfürst bzw. der König
  • um 1600 Der erste in Biegen ansässige evangelische Pfarrer ist Paul (us) Praetorius (lateinisiert von Schultze oder Schultheiß: Scultetus, Praetor = Vorsteher, Oberrichter, Schulze ), die Kirche ist Mutterkirche, der Pfarrer besitzt 4 Hufen Land, mit 30 Scheffeln Roggen zu besäen, auch mit 12 Scheffeln Gerste, ein Pfarrhaus und einen Ackerhof zu 5 Scheffel Aussat, dazu kommen 2 1/2 Wispel Meßkorn, 1 Morgen Wiesenwachs. Der Küster hat ein Küsterhaus mit Kohlgarten, dazu 30 Scheffel Roggen, den Korb alle Quartale und Ostereier.

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.