Biegener Kirchgeschichte IV

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil IV seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

 

  • 1903 Der Zuschuss zum Pfarrwitwen- und Waisenfond wird den Pfarrern erlassen.
  • 1905 Das Anfangsgehalt der Pfarrer wurde auf etwa 2.400 M angehoben, die Geistlichen mussten jedoch als einzige Beamte Beiträge für ihre Pension zahlen oder sich anrechnen lassen.
  • 1907 Das Endgehalt der Pfarrer wird auf 6.000 M jährlich angehoben.
Kirche Biegen 1907

Kirche Biegen 1907

  • 1912 Der Ort hat vor dem Weltkrieg bereits 500 Einwohner, einen eigenen Spar- und Darlehnskassenverein, eine Brennerei (Edm. Loth), Brennmeister ist R. Meseck, eine Mühle (G. Kupper), 2 Gasthöfe (H. Glieschen, C. Schönfeld), 2 Gemischtwarenhandlungen (Gleische, Schickram) , Sattler  (W. Grienitz), Tischler (E. Gerlach), Schmiede (J. Hansel), Dachdeckerei (O. Lehmann), Schuhmacher (C. Banisch) und Schneiderei (W. Nickel) sind ebenso vorhanden, wie eine Bäckerei (W. Ewald).
Biegen 1912

Kirche Biegen 1912

Biegen Dorfstrasse

Blick von der Dorfstraße zur Kirche

  • 1914 – 1918 1. Weltkrieg Da Väter, Ehemänner und Söhne eingezogen wurden, gerade auf dem Lande die Frauen ihre Arbeiten auf dem Feld und in den Ställen übernehmen mussten, versuchte man vielerorts, mit Abendandachten, Kriegsgebetsstunden, Kriegerfrauenabenden, Weihnachtspäckchen für die Front, Lebensmittelspenden für die Stadtbevölkerung und vielen anderen Aktionen, die sich leerenden Reihen in den Kirchen zu füllen und den Verbund der Zurückgebliebenen zu stärken.
  • 1917 Die Glocke aus dem 15. Jh muss abgeliefert werden, anscheinend wurde sie später ersetzt, da sich im 2. Weltkrieg 2 Glocken im Turm befinden.
  • 19.11.1918 Verfügung über die Abschaffung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach, mit dem Untergang des Kaiserreichs endet das Staatskirchentum.
  • 1918
Vitrine

Rest des im zweiten Weltkrieg zerstörten Kriegerdenkmales. Es wurde zur Erinnerung an die Gefallenen errichtet

  • 1919 Gründung des “Verbandes der Patrone der evangelischen Kirche”, die Patrone trugen weiterhin die Baulasten von Kirche und Pfarrhaus
  • 1923 Mühlenbesitzer ist Karl Schulz
  • 1.4.1924 Die neue Kirchenverfassung tritt in Kraft. Pfarrer waren nun einander gleichgestellt, ohne Rangunterschiede, Frauen erhielten das Wahlrecht (GKR).
  • 1925 – 1939 Die Einwohnerzahl Biegens sinkt von 540 auf 397
  • 1928 – 1929 in Biegen gibt es den Brennerei und Spirituosenvertrieb (E. Behrends)
  • vor dem 2. Weltkrieg
Biegen vor dem 2. Weltkrieg

Oben Dorfansicht, unten links Karl Schönfeld Fremdenzimmer, rechts das Schloss, es war 1929 als Bestandteil des Rittergutes (412 ha) in Besitz des Elard von Oldenburg-Januschau, Reichstagsabgeordneter und enger Vertrauter Hindenburgs.*)

Schule Biegen

die neue Schule

  • 1931 In Biegen stehen 77 Wohnhäuser mit 110 Haushaltungen.
  • 11.5.1931 Preußischer Staatsvertrag, Vertrag zwischen Kirche und Staat, welcher dem Staat ein gewisses Mitspracherecht einräumt, Teile dieses Vertrages haben bis in die Gegenwart Gültigkeit (Saarland, NRW). 
  • 23.3.1933 Hitler garantiert in seiner Regierungserklärung die Rechte der Kirche und bezeichnet das Christentum als bleibendes Fundament des sittlichen Lebens des deutschen Volkes
  • 14.7.1933 Neue Deutsche Evangelische Kirchenverfassung als Reichsgesetz.
  • 23.7.1933 Kirchenwahlen, gegen die Deutschen Christen konnte durch staatlichen Zwang nur eine Sammelliste “Evangelium und Kirche” kandidieren, welche auch die Gruppe “nationalsozialistische Pfarrer” enthielt. Die Kirchenwahlen wurden im Land als “Volksabstimmung” für oder gegen die “neue Zeit” verstanden, die Deutschen Christen gewannen, da ihnen der gesamte NS-Propagandaapparat zur Verfügung stand.
  • 11.9.1933 Es gründet sich der “Pfarrernotbund“, dieser kritisierte die Zugehörigkeit vieler Pfarrer bei den Deutschen Christen als unvereinbar mit der Unparteilichkeit und Autorität des Amtes. Bis zum Frühjahr 1934 wurden etwa 60 Kritiker mundtot gemacht, sie wurden straf- oder in den Ruhestand versetzt, erhielten Verweise oder Beurlaubungen.
  • 2.3.1934 “Kirchengesetz über die Leitung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union”, es erfolgt die Gleichschaltung der preußischen Kirche mit der Reichskirche und deren verfassungsmäßiger Umbau in eine Führerkirche
  • 1934 Gründung der Bekennenden Kirche, in der “Barmer Erklärung” wendet sie sich gegen die NS- Einmischung in Kirchenbelange. 
  • 1934 – 1938 Renovierungsarbeiten in der Biegener Kirche, bei welchen die Malereien unter 8 Kalk- und Tünchschichten wieder freigelegt wurden, Umbau der Orgel, “Opus 1503″ mit 2 Manualen, 1 Pedal, 16 Registern unter Oskar Walcker (1869-1948) und Orgelbaumeister Karl Ruther (+1955) (Sauer - Walcker Orgelbau)
  • 1939 In Biegen sind land- und forstwirtschaftlich 1 Betrieb mit über 100 ha, 14 mit 20 – 100 ha, 14 mit 10 – 20 ha, 9 mit 5 – 10 ha, 7 mit 0,5 – 5 ha ansässig. Es gab erste Enteignungen: 56,1 ha wurden auf 21 Landarbeiter und landlose Bauern, 55,8 ha auf 7 Landarme, 177,4 ha auf 19 Umsiedler, 10,7 ha auf 3 Handwerker, 6,6 ha auf 4 Arbeiter und Angestellte, 1 ha Wiese an 1 Altbauern, 9 ha Wald an 5 Altbauern, 10 ha an die Gemeinde, 24, 6 ha an VdgB und ca. 3, 5 ha an die Post verteilt.
  • 1939/1940 der Hilfsprediger Dr. Alfred Schmidt kommt nach Biegen, er wurde nach seinem Wehrdienst Superintendent und war von 1957 – 1959 im Auftrag der Ev. Akademie Missionar in  Japan
  • Mai 1941 Durch die Gestapo werden die 12 Mitglieder der Prüfungskommission und weitere führende Theologen der Bekennenden Kirche inhaftiert und ihr damit faktisch das Rückgrat gebrochen. Die Brandenburger halten jedoch auch im Oktober 1943 noch an ihren Notrecht fest und übereignen ihre Kollekten nicht dem Konsistorium.
  • 1944 Die größere Biegener Glocke wurde zum Einschmelzen entwendet
  • 1945
Pfarrhaus 1945

das Pfarrhaus

Gemeinderaum

der Gemeinderaum

Altar 1945

1945, der Altar mit dem aufgesetzten Gottesauge, die Fenster dahinter noch nicht vermauert

Altar Biegen

Zustand 1907

Kirche 1945

das Dorf und die Kirche sind zu 80 % zerstört

  • 7.5.1945 Generalsuperintendent Dibelius (1880-1967) übernimmt in Berlin die “Vakanzverwaltung” für Berlin-Brandenburg und die Niederlausitz als Bischof. Die Besatzungsmächte achteten und förderten die Kirche und so erhielt die Kirche einen Zuschuss zur Pfarrerbesoldung, so dass den Pfarrern ein Gehalt von 250 – 350 RM gezahlt werden konnte. Gleichfalls konnte durchgesetzt werden, das die Kirchensteuer im Lohnabzugsverfahren über die Finanzämter an die Staatssynode abgeführt wird.
  • Oktober 1945 aus der “Kirchenprovinz Mark Brandenburg” wird die “Kirchenprovinz Berlin-Brandenburg”, Typhus fordert seine Opfer, wo noch das Abendmahl abgehalten wird, geschieht dies mit Wasser, in der Rationsverteilung erhalten Pfarrer die vorletzte Stufe.
  • 1945 – 1949 Pfarrer Walter Schubert (1945 – 1951) berichtet:

” Ca. 20.000 Steine wurden heraus gestoßen, dabei wurde das gesamte Uhrwerk vollkommen zerstört, die 2. wertvolle Glocke zum Springen gebracht, der Glockenstuhl stark beschädigt… Durch den ungeheuren Luftdruck wurde der Sandsteinaltar beschädigt, die Orgel fast ganz zerstört. Was die Kampfhandlungen verschont hatten, begannen in den Jahren 1945 – 1949 die Witterungseinflüsse zu vernichten. … Die völlige Verarmung der Gemeinde, die katastrophale Verknappung der Baumaterialien … machte eine Selbsthilfe unmöglich. Sie musste sich auf Entrümplungsarbeiten beschränken. Die Kirchengemeinde versammelte sich zu ihren Gottesdiensten im Pfarrhaus, das sich zu diesem Zweck als viel zu klein erwies. Sie opferten ihre Gaben für den Kirchenbau. Da erreichte uns am 30.7.1949 die fast unglaublich erfreuliche Nachricht, dass zur Instandsetzung der Kirche 8.000 DM gestiftet seien unter der Zusicherung, dass die Arbeiten unverzüglich in Angriff genommen werden würden.”

nach 1945

Kirche Biegen

  • 1946 In Biegen werden 427,2 ha enteignet, die alteingesessene Bevölkerung erhält bedeutenden Zuwachs durch die 19 Umsiedler, welche 177,4 ha Land erhalten, es leben 467 Einwohner im Dorf.
  • 1946 – 1950 “administrativ repressierte” Deutsche, unter ihnen viele Geistliche, werden abgeholt, viele “verschwinden” unter bis heute ungeklärten Umständen in den Lagern 
  • 31.5.1946 Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule: “Die schulische Erziehung der Jugend ist ausschließlich Angelegenheit des Staates. Der Religionsunterricht ist Angelegenheit der Religionsgemeinschaften…“
  • 1947 Der Kostenvoranschlag für die Kirchsanierung weist eine Summe von 50.500 DM aus.
  • 1948 Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nimmt seine Arbeit auf, es wird eine Grundordnung für die Ev. Kirche Berlin-Brandenburg beschlossen. Trotz großer Not wurde von den “Mächtigen” alles unternommen, die kirchliche Krankenpflege fast vollständig zu unterbinden.
  • 18.3.1949 Die Johanniterkrankenhäuser werden beschlagnahmt.
  • 1.4.1949 Neue Grundordnung der Landeskirche, die Teilung in Berlin, Kurmark und Niederlausitz bleibt bestehen, die Ausübung des Religionsunterrichts an den Brandenburger Schulen gelingt nur unter großen Schwierigkeiten.
  • 26.8.1949 Der Gemeindekirchenrat beschließt, die Kirche wieder Instand zu setzen, die Arbeiten am Turm müssen jedoch zurück gestellt werden, da die Kosten deutlich höher, als 1947 angenommen, sind. Pfarrer Schubert schreibt:

“Beim Aufreißen der Decke sind zwei Balken gebrochen, neun Sparren sind verfault, mehrere Balkenköpfe schwer beschädigt … Aber wir verlieren nicht den Mut … Abends, wenn der Pfarrer in die Häuser geht, um für den nächsten Tag einen Mittagstisch für die Handwerker zu besorgen, wird er merken, wie hier und dort ein gläubiges Leuchten in den Augen manches Sorgenvollen und Verbitterten zu sehen ist.”

Das Kirchendach wird mit Holzschindeln eingedeckt, inzwischen ist aus Hamburg die Glocke unterwegs in die Heimatkirche. Die Ältesten sammeln 1.275 DM, damit der Glockenturm ausgebessert und die Glocke aufgehängt werden kann.

  • Dezember 1949
Dezember 1949

Blick von der Jacobsdorfer Dorfstrasse (heute Müllroser Landstrasse) zur Kirche

  • 24.12.1949 Um 16 Uhr läuten die Glocken das Weihnachtsfest ein, die Gemeinde nimmt ihr Gotteshaus wieder in Gebrauch, trotz noch vorhandener Schäden

Kirche 1949

  • 1949 – 1954 Aus öffentlichen Mitteln für künstlerisch bedeutende Kirchen wurden durch den stellv. Ministerpräsidenten der DDR Otto Nuschke und dem Institut für Denkmalspflege in Zusammenarbeit mit der Kirche 10 Mill. Mark zur Verfügung gestellt, die andere Hälfte wurde durch Gemeinden und Landeskirche aufgebracht.
  • Ostern 1950 Die Kirche widersetzt sich Partei und Regierung, tritt gegen die Werbung für “Nationale Front“, Eintritt in die “DSF” und die “FDJ” ein, führt öffentlich Beschwerde, das der “Jungen Gemeinde” untersagt ist, ihr Abzeichen zu tragen. Pfarrer, welche der “Nationalen Front” beitreten, werden von der Kirche gemaßregelt.
  • April 1952 Pfarrer Krüger – Haye übernimmt die Pfarrstelle und leitet bis 1955 die 2. Phase des Aufbaus. Im Kirchturm hängen 2 Glocken, die kleinere wird verkauft, um den weiteren Aufbau zu finanzieren. Eine andere, Leihgabe aus Hasselbusch (Niesporowice), Kreis Soldin, hängt nun an ihrer Stelle, sie wurde von Lorenz Kökeritz aus Stettin 1670 gegossen.
  • Juli 1952 2. Parteikonferenz der “SED“, die Politik gegen die Kirche wird verschärft
  • 1952 Der “Jungen Gemeinde” wird ihr Kirchentag in Lübbenau untersagt, die Zeitschrift “Stafette” darf nicht mehr erscheinen.
  • 1953 Da die Jungen Gemeinden unter großen Schwierigkeiten in der DDR agieren (Verfolgung seit 1951), wird auf Beschluss der GKR als Turmbekrönung das Kreuz auf der Weltkugel – Zeichen der Jungen Gemeinde – angebracht. Das Zeltdach des Turmes ist mit einem Reifen, der innen ein “A” zeigt, geschlossen. Das “A” steht für “Christus ist das Α und Ω”

Sanierung Kreuz

  • Mai 1953 Vorwurf, die Junge Gemeinde sei eine “unter religiöser Maske getarnte illegale Agenten- und Spionageorganisation“. Viele Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, kirchliche Veranstaltungen, Rüstzeiten und Kirchentage verboten.
  • 10.6.1953 Auf Befehl der UdSSR müssen die Repressalien zum Teil rückgängig gemacht werden.
  • 1954 “Kinder, die sich einer Handlung unterziehen, die im Gegensatz zur Konfirmation steht (Jugendweihe o. ä), können nicht konfirmiert werden.“
  • Ende 1954 Der Druck gegen alles Religiöse verschärft sich durch die SED, Jugendweihen werden begünstigt.
  • 1955 Die erste LPG Typ I wird in Biegen gegründet.
  • 12.12.1955 Gründung des Posaunenchors unter dem Pfarrer Krüger – Hayer in Biegen.
  • 1956 Der Kirche wird die Möglichkeit des eigenen Zwangseinzugs der Kirchensteuer genommen. Aus staatlicher Sicht wurde die Kirchensteuerverwaltung als eine kirchliche Angelegenheit angesehen, wobei die kircheneigene Beitreibung der Kirchensteuern einen zusätzlichen staatlichen Vollstreckungstitel benötigte, dieser wurde ihr jedoch verwehrt, die Folge war, das es keinen Einzug der Steuer über den Lohn gab und dieser auch nicht einklagbar war. Austritte aus der Kirche wurden nun beim Standesamt erklärt.
  • 1957 Die mechanische Sauer – Orgel wird wiederhergestellt, das Chorgestühl nicht mehr eingebaut, die Kanzel wird aus dem Bogen weiter ins Kirchenschiff versetzt, die 3 Altarfenster werden zugemauert und der Fußboden mit Altarstufen wird neu verlegt. In die LPG sind seit der Gründung 59 Mitglieder mit 510 ha Land aufgenommen.
  • 1.10.1957 Im “Neuen Deutschland” wird durch Walter Ulbricht der Ton gegen Kirche verschärft. Die Ost -CDU erklärt in seinem Auftrag: “Wer gegen die Jugendweihe ist, verneint den Fortschritt.” Die Dorfjugend nimmt dagegen weiter am Konfirmandenunterricht teil.
  • 1958 Der Sandsteinaltar wird fertig restauriert, das Gottesauge nicht mehr aufgesetzt. Die Gesamtkosten der Instandsetzung seit dem Krieg beliefen sich auf über  60.000 DM, die Hälfte von der Kirchgemeinde Biegen aufgebracht, der Rest waren Beihilfen der Gesamtkirche, des Kirchlichen Hilfswerks und staatliche Mittel der Denkmalspflege
Turmarbeiten

Turmarbeiten

Turm

Turm saniert

  • 21.7.1958 “Jeder Bürger genießt volle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die ungestörte Religionsausübung steht unter dem Schutz der Republik.“ Grundsätzlich änderte sich jedoch nichts.
  • 3.9.1958 Bei Restaurierungsarbeiten wird unter der Altarplatte in einer Bleikapsel die Stiftungsurkunde gefunden, dazu zwei Beutel mit Reliquien des Heiligen Eucharius. “Dieser ist nach der Legende vom Apostel Petrus aus den 70 ausgewählt und über die Alpen entsandt worden, um im Rheinland das Evangelium zu verkünden. Er soll dann 25 Jahre als erster Bischof von Trier gewirkt haben. Nach der Kritik der lacte sanctorum gehörte er in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christi Geburt”
Reliquien

Biegener Reliquien

  • 21.10.1958 Noch immer befinden sich Pfarrer und Mitarbeiter der Kirche in Haftanstalten der DDR.
  • 1958 Das “Stalinstadter Dokument” mit Forderungen der Partei nach einer Stadt ohne Kirchen, führt den Besuch von Gottesdiensten unter “ehewidrigem” Verhalten auf, die Kosten des Scheidungsverfahrens habe der kirchlich gebundene Ehepartner zu tragen, da einem “fortschrittlichem” Menschen das Zusammenleben nicht zumutbar sei.
  • Dezember 1959 In der Gemeinde ist die neue Agenda für die Evangelische Kirche der Union (EKU) in Gebrauch und ein neues Kirchengesangbuch (EKG). Als erster Lektor wird Robert Barsch eingeführt. Die Sakristei ist noch im Wiederaufbau.
  • 1960 – 1968 Gemeindefahrten der Gemeinden Biegen und Pillgram, ab 1964 zusammen mit der Gemeinde Rosengarten
  • Sonntag Rogate, 22.5.1960 Der 2. Abschnitt des Aufbaus ist abgeschlossen, Superintendent Wachholz aus Frankfurt (O) weiht die Kirche zur “St. Nicolai Kirche” wieder ein:

“Zu seiner Ehre hat die Gemeinde diese Kirche wieder aufgebaut. Er halte seine schützende Hand über dieses Haus und diese Gemeinde, damit an diesem Altar das Sakrament recht verwaltet und in diesem Haus sein Wort recht gepredigt werde. Amen.”

Blick vom Eingang aus

Blick vom Eingang aus

Blick in der Chor

Blick in der Chor

Kirche

Kirche

Turm

  • 1960 Aus der LPG Typ I wird Typ II, inzwischen hat sie 187 Mitglieder und 1054 ha Fläche.
  • 1960 – 1963 Über Elternversammlungen in den Schulen wird Druck auf die Gemeinden und Pfarrer ausgeübt, um die Konfirmationen zu unterbinden und die Jugendweihen zu fördern, wer die Jugendweihe verweigerte, dem wird der Besuch weiterführender Schulen untersagt, Lehrstellen verweigert.
  • bis 1962 Biegenbrück ist eingekircht und gehört zur Biegener Kirche
  • 1967 – 1989 Die Kirchenleitungen und Konsistorien wurden verstärkt bespitzelt, mit Wanzen angezapft und ihre Entscheidungen und Beschlüsse waren für die Stasi kein Geheimnis, selbst ganz interne Dinge. Die Folgen waren, dass wesentliche Beschlüsse der Kirchenleitungen, aber auch Synodenbeschlüsse, zum Teil durch die Staatssicherheit manipuliert wurden, was die Vermutung nahe legte, das Mitarbeiter der Kirche im Dienst der Stasi standen, leider wurde dies durch Auswertungen der Akten der Staatssicherheit nach 1990 zur Gewissheit.
  • August 1967 Der (MfS-) Rechtsanwalt Clemens de Maiziére (Vater des Lothar de Maiziére) und damaliger Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche, sollte prüfen, ob man der Evangelischen Kirchenleitung Berlin-Brandenburg (EKiBB) Rechtsbrüche nachweisen könne, ob der Rechtsstatus der Kirche anzufechten sei und ob man bei den Einnahmen Unregelmäßigkeiten finden könne (10% waren Zuschüsse der DDR, 50% Zahlungen der Gläubigen und 40% kamen aus dem Westen). Es ließ sich jedoch nichts konstruieren, setzte aber die Gründungsbestrebungen für einen Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR verstärkt in Gang. Die finanziellen Verflechtungen zwischen Partei und Kirche, ob Bauvorhaben, Geschenksendungen oder Bruderhilfen, sind bis heute nicht restlos geklärt. Jeder kirchliche Mitarbeiter und Pfarrer, jeder Anstaltsleiter und jeder Konsistorialrat war mehr oder weniger, unbewusst oder bewusst in die Parteigeschäfte des SED-Handelsunternehmens GENEX verwickelt. Schätzungen gehen davon aus, dass ein großer Teil (bis 50%) des kirchlichen Haushaltes aus Devisen bestritten wurde, kirchliche Mitarbeiter hatten i.d.R. ein sehr geringes Einkommen, so dass die Zahlungen aus der Bruderhilfe für sie ein halbes Jahreseinkommen bedeuten konnte.
  • 1969 – 1975 “Nachrichten von der Nichtaufnahme christlicher Kinder in die Vorbereitungsklassen und in die EOS, von Zurückweisungen vom Hochschulstudium, von der Zurücknahme schon ausgesprochener Zulassungen und von Relegierungen gehören leider weiterhin zum ‘täglichen Brot‘ der Kirchenleitungen.“
  • 1972 Das Dach ist mit Biberschwänzen gedeckt, es zeigen sich Schäden im Gebälk. Unter Pfarrer Helmut Sell (1968 – 1975) werden Holzschutzmaßnahmen durchgeführt.
  • 18. Sonntag nach Trinitatis, 1.10.1972 Superintendent Rössler aus Lebus hält die Festpredigt zur 500 Jahr Feier der Gemeinde
  • 1974 Die Pfarrer werden per Verordnung genötigt, ihren staatlichen Gehaltszuschuss persönlich beim jeweiligen Rat in der Abt. Inneres abzuholen.
  • 1.10.1975 Der Pfarrsprengel Jacobsdorf wird pfarramtlich mit Biegen verbunden (Dauervakanz), jetzt gehören 4 Kirchen und Gemeinden zusammen. Pfarrer Wolfgang Rein beginnt seinen Dienst. Die Idee des Dorfkirchentags wird geboren. Die Zusammenlegung der Gemeinden in der DDR erfolgte aus praktischen Erwägungen heraus, da immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchten. In Städten wuchs der Anteil der konfessionslosen Einwohner z.T. auf 80% der Bevölkerung.

Auf dem Kirchboden findet sich ein altes Rednerpult aus der Biegener Kirche, auf welchem folgender Zettel klebt:

PPP Ratgeber

PPP Ratgeber

Dies ist ein PP! Nein, nicht was Sie denken.

Um dieses PP von dem PP an das Sie vielleicht denken zu unterscheiden, fügen wir ein so genanntes Unterscheidungs- “P” hinzu. Sie stehen jetzt an (oder besser hinter) einem PPP. Jetzt alles klarer, nicht wahr?

Lieber PPP-Kandidat !

Fühlen Sie sich nicht wie auf dem PP. Geben Sie sich locker. Stehen Sie unverkrampft. Gewisse Schwankungen hinter dem PPP können Sie leicht korrigieren, in dem Sie sich mit der linken Hand am Oberteil des PPP festhalten. (Auf keinen Fall mit beiden Händen – man könnte Sie mit gewissen anderen Artgenossen verwechseln). Sie überlegen, was Sie mit der rechten Hand tun sollen ? Biblisches, lieber Kandidat, biblisches! Die Linke soll nicht wissen, was die Rechte tut. Nun ein letzter Blick auf Ihr Manuskript. Sie sind doch hoffentlich vorbereitet? Oder muß Ihnen eine Stimme zuflüstern: “Du bist ein fauler Hund” !

Auf denn ! Schauen Sie Ihrer PPP-Gemeinde fest ins Gesicht. Am besten eignet sich der mittlere Part um die Näse. Und immer Ruhe bewahren, lieber Freund! Tief einatmen – anhalten und jetzt müßte es kommen ….. ja jetzt ….. na was ist denn ? ….. Kommt es ? ….. Kommt was ? Was kommt dennn jetzt ? ….. Sie wissen nicht weiter ? Seien Sie ganz beruhigt ! So geht es fast jedem PPP-Kandidaten am Anfang. Lassen Sie flugs ein Lied anstimmen. Zu empfehlen ist EKG 282 / alle Strophen. Und jetzt das Ganze von vorn !

W. R.

  • 1976 Die LPG “Thomas Müntzer” Biegen wird an die bestehende LPG Typ III in Jacobsdorf angegliedert.
  • 18.8.1976 Selbstverbrennung der Pfarrers Oskar Brüsewitz (1929-1976) als Protest gegen die Unterdrückung der Kirche in der DDR in Zeitz.
  • 5.9.1976 1. Dorfkirchentag in Biegen
  • 18.11.1976
Altar in die Denkmalsliste aufgenommen

Der Sandsteinaltaraufsatz wird in die Bezirksdenkmalliste aufgenommen unter Nr. 0146

  • 1977 In Biegen ist ein Betrieb der Bezirksdirektion für Straßenwesen (Straßenwärter), ein Betriebsteil der KAP Jacobsdorf und ein Gartenbaubetrieb der LPG.vorhanden.
  • 1978 Im Dachgebälk wird Schwammbefall entdeckt und ein Sanierungsplan aufgestellt. Durch Blitzschlag werden Turm und Schilfdach erheblich beschädigt, es kommt zu Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk. Die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche.
  • 1978 Auf die Einführung des “Wehrkundeunterrichtes” in der Schule reagiert die Kirche mit dem Programm “Erziehung zum Frieden”.
  • 1979 Die Kirchliche Waldgemeinschaft stellt Holz zur Verfügung. Der Sanierungsplan sieht Kosten von 20.000 M vor, das Institut für Denkmalspflege befürwortet den Plan, leider bleiben Schreiben an den Rat des Kreises unbeantwortet.
  • 1980 Der Generalsuperintendent Erich Schuppan (23.3.1915 – 3.9.2006) aus Eberswalde wendet sich an den Rat des Kreises, das Evangelische Konsistorium gewährt eine Beihilfe von 10.000 M. Eine Feierabendbrigade des VEB Bau Frankfurt (O) soll die Zimmermannsarbeiten durchführen auf Basis der Nachfeierabendarbeit (GBl.I 35/1975), da kein staatl. Betrieb die Arbeiten übernimmt. Die LPG stellt Werkstätten, Maschinen, Fahrzeuge und ihre Küche für die Verpflegung zur Verfügung, viele Gemeindemitglieder packen mit an.
  • 1981 – 1983 Ohne staatl. Baubilanz, aber mit Mitteln in Höhe von 25.000 M von der staatl. Denkmalpflege geht das Bauen weiter. Für ihren Einsatz werden die Ältesten vom Rat des Kreises, Abt. Kultur mit einer Prämie ausgezeichnet. Innerhalb eines Jahres spenden die Gemeindemitglieder 5.000 M und die kirchliche Baubrigade vom Evangelischen Jungmännerwerk Berlin mauert an der Südseite einen neuen Dachsims, da an dieser Stelle der Dachstuhl das Mauerwerk nach außen drückte. Das Kirchenschiff wird mit Zement – Doppelrömern neu eingedeckt. Alles geschieht unter der Anleitung von Bauingeneur Volker Haby aus Briesen.
  • 1982 – 1983 Die Dacharbeiten werden beendet und Schwammbefall in den Bänken festgestellt, darauf hin werden sie durch neuwertige aus der Gertraud – Kirche Frankfurt (O) ersetzt. Der Elektriker Schütze aus Jacobsdorf übernahm die Installationen. Zwei stilgerechte Kronleuchter und ein roter Kokosläufer (Geschenke der Partnergemeinden  Köln und Walsum) vervollständigen die Inneneinrichtung. Diese .Ausbauphase kostete 70.000 M und noch war die farbliche Innengestaltung nicht erfolgt.
nach der Schwammsanierung

nach der Schwammsanierung

  • Sonntag, Exaudi, 19.5.1985 9. Dorfkirchentag, Generalsuperintendent Richter aus Cottbus weiht die St. Nicolai Kirche wieder ein. 
Wiedereinweihung 1985

Wiedereinweihung 1985

Blick von der Pillgramer Strasse

Blick von der Pillgramer Strasse aus

Kirchturm

Kirchturm

  • 1990er Es ist weiterhin nicht möglich, den Religionsunterricht an der Schule als Unterrichtsfach durchzuführen, auch eine Wahl zwischen “Lebensgestaltung- Ethik- Religion” (LER) und dem Religionsunterricht wird nicht ermöglicht. Es wird jedoch an vielen Schulen den Religionslehrern ermöglicht, die Unterrichtsräume außerhalb des eigentlichen Schulunterrichts zu nutzen.
  • 1991 Wiedervereinigung des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR mit der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
  • 8.11.1996 Ev. Kirchenvertrag mit dem Land Brandenburg, dort ist festgelegt, dass das Land die Unterhaltung kirchlicher Gebäude durch Bereitstellung eines Betrages von jährlich 3 Mio. DM unterstützt.
  • 1999 Die umfangreiche Sanierungsarbeiten beginnen unter Pfarrerin Frau Perlwitz – Böhm.

 

Quellen:

Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.