Biegener Kirchgeschichte III

Abriss der Geschichte der Biegener Kirche einschließlich ihrer Einbindung in die kirchengeschichtliche und örtliche Entwicklung bis in die Gegenwart

Teil III seit Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

 

  • 1800 Pillgram gehört zum königlichen Domänenamt Biegen, in Biegen leben etwa 385 Bewohner (Stand 1798)
  • 1801 Außer dem inzwischen vorhanden, einzeln liegendem Dorfkrug ist eine 2. Windmühle vorhanden, der königliche Unterförster betreut das Biegenbrücksche Revier. Die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche. Neben 10 Ganz- und 10 Halbbauern, 10 Ganzkossäten, 2 Büdnern und 20 Einliegern, gibt es 1 Kreisgärtner, 2 Rademacher, Schmiede und Krug
  • 8.4.1802 Das Oberkonsistorium stellte in einem Gutachten u.a. fest, dass das Amt des Pfarrers zu wenig Ansehen auf Grund seines geringen, teilweise noch immer aus Naturalien bestehenden Einkommens genießt. Man sprach sich für eine ähnlich den Beamten festgelegte Berufslaufbahn mit entsprechendem Einkommen und unabhängiger von Patronatsrechten aus. Es wird die Vereinigung der beiden protestantischen Kirchen empfohlen.
  • 1805 Dem Amtmann Karbe zu Biegen gehört das Dorf Sauen mit Gut und Windmühle, sowie die Sauensche Wassermühle. Es gibt zu diesem Zeitpunkt 2 Ganzbauern, 8 Ganzkossäten, 3 Einlieger, Schmied, Krug, Ziegelei und einen Förster über 900 Meter Holz. Die 20 Feuerstellen werden von 149 Einwohnern bewohnt.
  • 1806 – 1812 der zuständige Superintendent für die Kirche in Biegen hat seinen Sitz in Frankfurt (O)
  • 1808 Kirche und Religionsgemeinschaften unterstehen staatlicher Verwaltung.
  • 1811 – 1918 Der König wird Kirchenpatron, an seine Stelle tritt später der Staat.
  • 4.6.1813 Die Neumärkische Landwehrinfanterie unter Generalmajor von Hinrichs nimmt mit dem 1 Bataillon 1. Brigade Quartier.
  • 18.1.1816 Pfarrer Baumann rechnete 7 Reichsthaler aus der Friedensfest-Kollekte für die invaliden Krieger, Witwen und Waisen des Feldzuges 1813 / 1815 ab.
  • 1816 Der Mühlenbesitzer hieß Wolff. Es werden 31 spannfähige bäuerliche Nahrungen mit 4367 Morgen verzeichnet. Der Domänenbeamte Karbe wird zum Amtsrath ernannt.
  • 1817 Friedrich Wilhelm III. führt zum 300. Jahrestag der Reformation die Kirchenunion zwischen Lutheraner und Reformierten ein
  • 2.11.1817 Pfarrer Wehmer übernimmt die Vertretung für den verstorbenen Müllroser Pfarrer und weiht eine Gedenktafel der Kriegeropfer in der Müllroser Kirche.
  • 1818 Das Dorf und das Vorwerk zählen zusammen 43 Feuerstellen und 351 Bewohner.
  • 1821 “Kirchenagende für die Königlich Preußische Armee, Weihnachten 1821″, sie bildet die liturgische Grundlage für alle Agenden bis in die Gegenwart
  • 1824 – 1839 Lehnträger über Jacobsdorf ist das Amt Biegen, dazu gehört auch “Vorheide” bei Müllrose
  • 1825 Die Verordnung des Königlichen Oberlandesgerichts zu Frankfurt verpflichtet die Pfarrer jährlich zur Übergabe der standesamtlichen Daten. Es gibt ein einzeln liegendes Vorwerk, 11 Ganz- und  9 Halbbauern, 9 Ganzkossäten, 10 Büdner und 15 Einlieger, 8 Handwerker, 1 Krug (einzeln liegend), 2 Windmühlen.
  • 12.1.1825

Holzdiebstähle und Forstvergehen werden im Königl. Preuß. Justizamt Biegen verhandelt

  • 4.4.1826 Verfügung an die Konsistorien, Kandidaten vor Antritt der Pfarrstelle zu verpflichten, die königliche Agende einzuführen
  • 4.7.1827 Die Evangelische Kirchenzeitung erscheint erstmals.
  • 18.3.1828 “Agende für die Evangelische Kirche in den Königlich Preußischen Landen mit besonderen Bestimmungen und Zusätzen für die Provinz Brandenburg”
  • 14.5.1829 Das Amt des Generalsuperintendenten wird wiederhergestellt, die Verleihung der Bischofswürde ist eine persönliche Ehrung.
  • 1830 Dubrow wird vom Domänen-Fiskus an den Amtmann und Landwirt Fischer verkauft Die dort seit 1766 siedelnden Kolonisten besaßen zusammen nur 5 Morgen Land, das veräußerte Gut dagegen war 1058 Morgen 20 Quadratruten groß und war bis mindestens 1852 in Fischers Besitz.
  • 1831 Ein Viktualienhändler hat sich in Biegen angesiedelt. Das Dorf gewinnt an Handwerkern: : 2 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schuhmacher, 3 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schneider, 1 Tischler, 1 Rade- und Stellmacher, 2 (1 Gehilfe bzw. Lehrling) Schmiede, 2 Windmühlen, 2 Ölmühlen, 2 Webstühle auf Leinen, 1 Webstuhl auf Leinen als Nebenbeschäftigung, 1 Viktualienhändler, 1 Krug, 11 männliche und 17 weibliche Dienstboten werden erfasst,
  • 1832 der Jahreszins für das Getränke-Verlags-Recht des Kruges in Biegen ist auf mindestens 18 Kreuzer festgesetzt
  • 3.7.1834 Eine neue Feuerlöschordnung tritt in Kraft, der Conducteur Lehmann aus Jacobsdorf ist Commissarius, der Gutsbesitzer Sembach aus Pillgram sein Stellvertreter.
  • 15.3.1836

Verkauf des alten Schulhauses in Biegen wegen Neubau

  • 8.5.1837 Berufung des Prediger Wehmer zu Biegen zum Prediger in Müllrose, I. Frankfurter Superintendantur, er lehnte jedoch ab und blieb in Biegen
  • 1839 – 1872 Lehnträger ist das Amt Frankfurt (O)
  • 1840 Das Vorwerk ist Erbpacht, die 2 Windmühlen und 54 Wohngebäude sind vorhanden für 451 Bewohner.
  • 1847 Abgrenzung der Verantwortung und Zuständigkeit von Konsistorien und Landesregierungen im Königreich Preußen 
  • bis 1849 eigenes Justizamt Biegen, Biegenbrück ist unterstellt, ebenso Neu – Pillgram (jetzt zu Pillgram eingemeindet)
  • 1849 – 1878 gerichtszugehörig der Gerichtskommission Müllrose
  • 29.6.1850 Der Oberkirchenrat wird gegründet.
  • 2.7.1850 “Grundzüge einer evangelischen Gemeindeordnung”, der Gemeindekirchenrat sollte gewählt werden, wahlberechtigt waren alle “selbständigen Familienoberhäupter und Hausväter”, sofern sie das 24. Lebensjahr vollendet hatten und “im vollen Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte” waren und nicht durch “lasterhaften Lebenswandel oder durch tatsächlich bekundete Verachtung der Religion oder der Kirche öffentlichen Anstoß gegeben haben”. Der Gemeindekirchenrat sollte aus mindestens 4 weltlichen Mitgliedern und dem Pfarrer bestehen, Kandidaten mussten mindestens das 30. Lebensjahr vollendet haben. Viele Pfarrer waren jedoch durch Acker und Naturalienbezüge abhängig von den Patronen und wollten sich nicht auch noch vom Gemeindekirchenrat abhängig machen, so dass vielerorts die Wahl unterblieb.
  • um 1850 Einbau einer Sauer-Orgel, das Erbpachtgut des Vorwerks von 1765 Morgen ist in Besitz der Familie Selchow  
  • 1856 Seidenraupenzucht wird durch Familie Hutzel vorgenommen
  • 1859 30 spannfähige bäuerliche Nahrungen mit 4400 Morgen, 22 nichtspannfähige bäuerliche Besitzungen von 1/16-6 Morgen, (zusammen 42 Morgen), sind vorhanden.
  • 30.9.1861

    Zum Küster- und Schullehrer-Adjunkten wurde August Adolph Koeppler bestellt.

  • 22.11.1861

Bauausschreibung für Baulichkeiten am Pfarrhaus und dem dazugehörigen Viehstall in Biegen, veranschlagt waren Kosten in Höhe von 167 Thaler

  • 26.11.1861

Bauvergabe für Arbeiten am Küster- und Schulgehöft in Biegen, veranschlagt waren 99 Thlr. 6 Gr. 11 Pf.

  • 1864 Zum Dorf gehören nun insgesamt neben dem Vorwerk und den 2 Windmühlen 4 ausgebaute Gehöfte, 59 Wohn-, 5 gewerbliche und 124 steuerfreie Gebäude und 624 Einwohner.
  • 1866 Beim Chausseebau wird in Straßenbreite ein Gang zugeschüttet, welcher unterirdisch von der Kirche zum Kloster verlaufen sein soll, die Chaussee verläuft nach Müllrose.
  • 30. Januar 1868
Wochenschrift für Astronomie, Meteorologie und Geographie, Band 11, 1868

Putulsk Meteorit, 250 kg, Einschlag bei Putulsk

  • 9. November 1868 Dr. Wilhelm Ludwig Graeschke, Sohn des Brauereiverwalters, Tagelöhners und Nachtwächters Christian Gottlieb Graeschke und der Friederike Luise, geb. Klawisch, kommt in Biegen zur Welt.
    • Er studiert in Berlin und 1903 – 1905 in Tübingen, promoviert und wird Stationsassistent der Reichsbahn in Berlin. In späteren Jahren Geschäftsführer, dann Direktor der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg (1917-1933)- Gründer und langjähriger Vorsitzender einer Wohnungsbaugesellschaft für Beamtenwohnungen in Berlin-Friedrichshagen.
    • Graeschke veröffentlichte verschiedene Bücher:
    • Was muss der Landwirt von den Eisenbahn-Gütertarifen wissen?, Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, 1903
    • Die Landwirtschaftskammern als Glied des landwirtschaftlichen Verwaltungsorganismus in Preußen: insbesondere die Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, A. Mieck, 1905
    • Verkehrs-Handbuch für den Landwirt, Band 23 von Arbeiten der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg, Mieck, 1912
    •  Er verstirbt am 18.September 1933 in Berlin – Karlshorst. Seine Ehefrau war Elise Tandler.
  • 30. Mai 1869
1869

Bauvergabe für den Brückenbau der Chaussee nach Biegen, veranschlagt waren 1046 Thlr.

  • 1.10.1874 Der Pfarrer übergibt die Personenstanderfassung an das nun zuständige Standesamt in Petersdorf.
  • 1879 Der Gutsbesitzer Clarence Wenborne besitzt 387,5 ha in Biegen, der Grundsteuerreinertrag beträgt 4284 Mark
  • 1879 – 1952 gerichtszugehörig dem Amtsgericht Frankfurt (O)
  • 1880 2 Bockwindmühlen und 1 Chausseegeldhebestelle
  • 1882 Der Ort ist beträchtlich angewachsen, es gibt 1 Besitzung (1650 Morgen), 9 Bauerngüter (zusammen 1908 Morgen), 20 Kossäten (zusammen 1179 Morgen), 7 Büdner (zusammen 43 Morgen, 10 Besitzungen  (zusammen 7 Morgen).
  • 31.10.1884 Beschluss: Geistlichen, Schullehrern und Kirchendienern ist bei der Durchführung des Dreiklassenwahlrechts die Wahlberechtigung entzogen.
  • vor 1885 das Forsthaus Buschschleuse untersteht der Kirche in Biegen
  • 1891 Gründung eines brandenburgischen Pfarrervereins als Berufsverband.
  • 4.6.1891 Hermann Blume wird in Biegen geboren. Er wurde Geiger, verlor jedoch im ersten Weltkrieg seine rechte Hand. Nach einem Studium in Berlin wurde er Komponist, NS-Funktionär und Sonderbeauftragter für Musikwesen des Reichsarbeitsministers Franz Seldte, Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurden seine Werke verboten. Blume starb am 10. Mai 1967 in Großbottwar, Kreis Ludwigsburg.
  • 2.7.1898 Das Diensteinkommensgesetz brachte dem Pfarrer endlich ein Mindesteinkommen, welches mit dem Dienstalter angehoben wurde und ergänzte das bisherige Pfründesystem. Die Pfarrgehälter lagen bei etwa 1.800 M jährlich in der Eingangsstufe und stiegen alle 6 Jahre um 600 M, maximal waren nach 25 Jahren 4.800 M erreichbar (vor 1898 weniger). In den lukrativsten Pfründen konnte ein Pfarrer jedoch bis zu 13.000 M erzielen, so dass die Fluktuation erheblich war. Das Eingangsgehalt der Oberlehrer lag bei 2.700 M.
  • um 1900
um 1900

Dorfblick von der Pillgramer Strasse aus, der Ort hat 64 Häuser.

Lithografie

Farblithografie, noch mit Turmuhr, die Kirche ist Mutterkirche, in Pillgram steht die Tochterkirche

 

Quellen:
Heinrich, Gerd; Bahl, Peter (1999): Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg. Berlin: Wichern.
*) Jerchel, Heinrich (1912): Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg: tl. 6. Kreis Crossen: Deutscher Kunstverlag.
*) Neugebauer, Wolfgang (1985): Absolutistischer Staat und Schulwirklichkeit in Brandenburg-Preussen. Berlin: De Gruyter (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, 62).
*) Bliss, Winfried (1978): Die Plankammer der Regierung Frankfurt an der Oder.
*) Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil VII Lebus. Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1983
*) Berthold Schulze: Besitz- und siedlungsgeschichtliche Statistik der brandenburgischen Ämter und Städte 1540-1800. Beiband zur Brandenburgischen Ämterkarte. Einzelschriften der historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, Band 7, Im Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1935.
*) Paul Niekammer, Güteradressbuch Band VII, Provinz Brandenburg, 1929 Leipzig
*) Riedel, Adolph Friedrich: Codex diplomaticus Brandenburgensis.Berlin: Morin.
*) Martin Schulze; Wolf Bergelt (Hrsg.): Orgelhandbuch Brandenburg, Bd. 5: Oder-Spree. Verlag Freimut & Selbst, Berlin 2007
*) Ludat, Herbert (1991): Bistum Lebus. Studien zur Gründungsfrage und zur Entstehung und Wirtschaftsgeschichte seiner schlesischpolnischen Besitzungen.1942. Aufl. Hildesheim: Olms.
*) Wohlbrück, Siegmund Wilhelm (1829-1832): Geschichte des ehemahligen Bisthums Lebus und des Landes dieses Nahmens. Berlin
*) Ludat, Herbert: Das Lebuser Stiftsregister von 1405. Studien zu d. Sozial- u. Wirtschaftsverhältnissen im mittleren Oderraum zu Beginn d. 15. Jahrhunderts.
Wiesbaden: Harrassowitz in Komm (Osteuropastudien der Hochschulen des Landes Hessen Reihe 1, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens, 9).

*) Viadrina Frankfurt (2003): Uni on. Zeitung der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Nr. 39 August 2003.