Dr. Joram Luttenberger

Liebe Gemeindeglieder,

mein Name ist Joram Luttenberger. Ich bin 49 Jahre alt und habe zwei Kinder.

Meine Tochter ist 21 Jahre alt und studiert in Konstanz, mein Sohn ist 17 Jahre alt und geht noch zur Schule. Wir sind sehr mit Finnland verbunden, da ein Teil unserer Familie dort lebt.

Nach einer beruflichen Ausbildung zum Facharbeiter für Schweißtechnik und einigen berufspraktischen Jahren führte mich mein Weg in den Bereich der Theologie.

In diesem Metier habe ich dann über das Studium der Theologie, die Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und eine Promotion in der neutestamentlichen Wissenschaft hinaus, in verschiedener Weise und an verschiedenen Orten in der Universität und anderen theologischen Ausbildungsstätten gearbeitet. Wichtig sind mir die Exegese des Neuen Testamentes und seine Zeitgeschichte sowie die Theologie Luthers und Bonhoeffers.

In all den Jahren ist der kirchliche Dienst stets im Blick geblieben. Gemeindliche Aufgaben waren immer Teil meiner Tätigkeiten und so ist der Wunsch, in den Gemeindedienst gehen zu dürfen, wach
geblieben.

Die Verkündigung des Evangeliums und der kulturprägende Bildungsauftrag der Kirche Jesu Christi liegen mir am Herzen. In einer mehr und mehr säkularisierten Gesellschaft, in der der Glaube an Gott schwindet, möchte ich authentisch und engagiert für die Menschen da sein und die frohmachende Perspektive des christlichen Glaubens mit den verschiedenen Möglickeiten des Pfarrberufes vermitteln.

Der Gottesdienst, durchaus in ganz verschiedenen Formen, Seelsorge, Besuche und die persönliche Begegnung mit Menschen über den Gemeindebereich hinaus sind mir dabei besonders wichtig.

Ab 1. Januar 2018 bin ich als Pfarrer im Entsendungsdienst in ihren Gemeinden. Mir liegt dabei an einem offenen, vom Gespräch getragenen gemeinsamen Leben und Arbeiten, denn Gemeinde kann nur gemeinsam mit den ihr anvertrauten Gaben fruchtbar werden und Salz der Erde sein.

Ich freue mich auf diese Zeit, die Dienste und Begegnungen sowie allen Austausch. Kommen Sie gern auf mich zu, wenn Sie mehr wissen möchten.

Mit herzlichen Segenswünschen

Joram Luttenberger

Friedrich Reinhard Becker

Mit Trauer im Herzen aber ebenso einem lächelnden Auge nehme auch ich, genau wie viele ältere Sieversdorfer, Abschied von Bruder Becker.

Hatte ich doch das Glück, Pfarrer i. R. Friedrich Reinhard Becker während der Sanierungsarbeiten 2002 bis 2005 in und an der Sieversdorfer Kirche mehrfach zu erleben. Beim Interpretieren des früheren Innenraumes der Kirche konnte Bruder Becker viele hilfreiche Erinnerungen einbringen.

Während seiner Dienstzeit in Sieversdorf in den 1950er Jahren war der Innenraum der Kirche umfangreich umgebaut worden. Auch zur Herkunft des heutigen mittelalterlichen Altares, der gerade in diesem Jubiläumsjahr der Reformation als ein Relikt der Reformationsgeschichte gern und viel bestaunt wird, konnte er ausführlich berichten. Fand der Altar doch unter seiner Regie in Sieversdorf eine neue Heimat. Gern denke ich an seine humorvolle Rede im August 2005 anlässlich der Wiedereinweihung der Kirche.

Pfarrer i. R. Becker war in den 1950er Jahren Pfarrer in Sieversdorf und Petersdorf und anschließend noch viele Jahre in der Pfarrstelle der St. Georg-Gemeinde in Frankfurt (Oder) bevorer im Konsistorium der Landeskirche bis zu seinem Ruhe stand Dienst leistete.

Ich habe Bruder Becker als einen aufrechten, wahrhaftigen und sehr humorvollen Christen erlebt. Bis ins hohe Alter strahlte der Oberkonsistorialrat i. R. Präsenz und Respekt aus, wie es heute nur noch selten erlebbar ist. Ich bete, bin mir aber auch sicher, dass der Himmlische Vater seiner armen Seele gnädig ist und sie aufnimmt in sein ewiges Reich. Gleichermaßen bete ich für die Tröstung seiner Angehörigen und lade alle, die Pfarrer Becker kannten ein, in das Gebet mit einzustimmen.

Frank Schütte

Traueranzeige MOZ 22.2.2017

Reinhard Becker wurde am 7. September 1921 in Berlin geboren. 1946 begann er mit dem Theologiestudium. Humanistisch gebildet (er hatte als Schüler das humanistische Gymnasium besucht), kriegs- und leiderfahren und theologisch gut gerüstet begann Reinhard Becker seine Tätigkeit als Pastor.
Sieversdorf war seine erste Pfarrstelle. Danach war er von 1958-1972 Pfarrer in St. Georg in Frankfurt (Oder) und wurde 1972 ins Konsistorium berufen.
Die Familie (mit fünf Töchtern) hatte immer ein offenes Pfarrhaus. Als Oberkonsistorialrat setzte sich Pfarrer Becker beonders für die Jugendarbeit ein.
Er war immer zur Stelle, wo Rat und Unter stützung gebraucht wurden.

Quelle: Die Kirche vom 30.4.2017

Die Pfarrer und Küster in Jacobsdorf

Pfarrer:

  • 1405 eine Pfarrstelle ist im Lebuser Stiftsregister erwähnt
  • 1534 Thomas von Taubenheim (Tawbenheim), katholischer Pfarrer (urkundlich 8.1.1534), (derer von Taubenheim (Taubenhein) sind ein adliges Geschlecht aus Meißen und Rochlitz, ihr Sitz war Bedra bei Freiburg, in einer Urkunde von 1537 wird ein Ditterich von Taubenheim in der Mark Brandenburg erwähnt)
  • um 1540 Thomas Fröhlich (+ 1603)
  • bis 1594 Henke
  • 1618 – 1620 Christoph Lierse
  • 1621 – 1624 Martin Schumann
  • 1624 – 1669 Magister H. M. Balthasarus (Bartholomae) Lampert(us) (1596-1669), verheiratet mit Barbara Wiese, seine Tochter Marie Elisabeth heiratet Pfarrer Christoph Hindenberg aus Seelow, nach dessen Tod ehelicht sie am 7.7.1674 Magister Christian Gedicke (getauft 8.12.1644) aus Fürstenwalde
  • 26.1.1670 – 1674 Magister Friedrich Rißmann (+1674)
  • 1674 – 1682 Martin Höne
  • 1682 – 1687 Magister Gottlieb Treuer, gest. 1729 in Wolfenbüttel (sein Sohn ist Gottlieb Samuel Treuer (24.12.1683 Jacobsdorf – 25.2.1743 Göttingen, Prof. der Moral und Politik in Helmstedt, seit 1734 Prof. des Staatsrechts, der Moral und der Politik in Göttingen)

Chronicon der Stadt und Vestung Wolffenbüttel S. 656, Christoph Woltereck
Drimborn, 1747

  • 1687 – 1715 Martin(us) Alex(ius), verheiratet mit Eva Sophie Becker, Söhne Adam Friedrich (*29.3.1698) und Christoph Gottlieb (1690-1770)
  • 1715 – 1735 Magister Christoph Gottlieb Alex(ius), geb. in Jacobsdorf 24.10.1690 – 20.7.1770, Univ. Frankfurt (Mag.) und Halle, ordiniert 15. 5. 1715, später Archidiaconus am Stendaler Dom (bis 1750), heiratet am 10.5.1718 in der Frankfurter Nikolaikirche Johanna Dorothea Coßmar, Tochter des Pfarrer Kaspar Coßmar aus Kunersdorf
  • 1736 – 1757 Georg Ernst Ruhm
  • 1758 – 1772 Magister Gottfried Ohm
  • 1772 – 1778 Johann Gottlieb Ruhnecke
  • 1780 – 1808 Magister Johann Gottfried Fleck (+Anf. 1808)
  • 1808 – 1815 Heinrich Wilhelm UleUnterschrift Ule
  • 1815 – 1817 Johann Gottlieb Tetz (ab 1818 nach Müllrose versetzt, ihm wurde nachgesagt, die Predigten immer vom Blatt abgelesen zu haben, er war aber im Kampf um Belange von Schule und Bildung sehr aktiv)
  • 1818 – 1860 Magister Carl Gottlob Raschig (1785 – 1860) (Bücher über den Gartenbau, Bienenzucht), er war Mitglied der Königlich-Preußische Märkische Ökonomische Gesellschaft zu Potsdam, Verwandter des Mag. Christian(us) Ehrgott Raschig, Dresden 1726-1796) ? Pfarrer Rudolf Ottomar Raschig (21.9.1825-27.10.1882) sein Sohn?
  • 1861 – 1887 Friedrich August Hildebrand
  • 1887 – 1904 Hugo Ernst Theodor Friedenreich (Superintendent, Reppen, Weststernberg 1904-1911)
  • 1904 – 1913 Superintendent Lic. Dr. Alexander Johannes Röhricht, aus Bonn am Rhein (4 Töchter, 3 Söhne)
  • 1913 – 1918 Karl Michael Friedrich Rochlitz
  • 1919 – 1945 Johannes Wapler (* 27.12.1876 + 13.12.1945 an Typhus)Unterschrift Ule
  • 1946 – 31.8.1953 Otto Lipski
  • 1954 – 1957 Rudolf Pandow
  • 1957 – 1967 Walter Baaske
  • 1968 – 1975 Erhard Plume
  • 1985 – 1998 Petra Schulz (Pädagogin mit Pfarraufgaben in Jacobsdorf)
  • 1987 – 1998 Rita Perlwitz-Böhm (Parochie einschließlich Jacobsdorf), Wohnsitz Pfarrhaus Biegen
  • ab Juni 2017 vakant

Küster:

Die Küster waren bis zur Trennung des Schulwesens von der Kirche zugleich die Schulmeister und unterstanden dem Pfarrer.

  • vor 1671 Hans Lehmann, Schulmeister 
  • 1671 Gottfried Steppin, Garnweber und Schulmeister
  • 1708 Nikolaus Koch (+1725), Buchbinder und Schulmeister (Schwiegersohn des G. Steppin)
  • 1725 Christ. Ludw. Lehmann, Schulmeister (sein Vater war geistlicher Inspektor in Müncheberg)
  • 1738 – 1785 Johann Salomon Lehmann (Sohn von C. L. Lehmann)
  • 1781 – 1789 Karl Friedrich Bessin (Schwiegersohn des J. S. Lehmann), Schneidergeselle, wird Adjunkt und Schulmeister
  • 1789 – 1824 Ludwig Bessin (Bruder des Karl Friedrich und Ehemann von dessen Witwe), Schulmeister und Schneider
  • 1824 – 1859 Johann Christian Lehmann (Schwiegersohn des Bessin und aus der Lehmannfamilie, welche in der Vergangenheit die Ämter inne hatte), Lehrer und Seidenbauer
  • 1860 – 1870 Julius Seidel (+1870, Lungenentzündung), Lehrer
  • 1870 – 1874 Friedrich Schlegel aus Zechin, Lehrer
  • 1874 – 1904 Robert Kusatz aus Berkenbrück, Lehrer, “ein stattlicher Mann mit Vollbart”, unter den weiteren jüngeren Lehrern war unter anderem ein Schwiegersohn des Herrn Kusatz, welcher für seine Schläge mit dem Rohrstock gefürchtet war
  • 1904 – 1931 Paul Kleindienst (+1934 in Fürstenwalde), 27,5 Jahre Lehrer in Jacobsdorf, war als Lehrer sehr beliebt für seinen wunderbaren Unterricht, musste aber frühzeitig wegen seiner schweren Rheumaerkrankung pensioniert werden. Denecke, Lehrer
  • 1942 – 1944 Oskar Krause (1902 – 1945), Lehrer

Andreas Althausen

Seit April 1999 war Pfarrer Andreas Althausen für unsere Gemeinden zuständig. Da die Müllroser Kirchgemeinde mit ihrer Pfarrerin Susanne Fischer-Kremer nur eine halbe Pfarrstelle besetzen durfte, unterstützte er mit 25 Prozent seiner Arbeitszeit die Gemeinde Müllrose. Das betraff insbesondere die Übernahme von Gottesdiensten, Unterstützung bei der Seelsorge und die Durchführung von Frauenkreisen, Frauenrunden und Seniorenkreisen in Müllrose. Beide Kirchengemeinden haben jeweils etwa 800 Gemeindeglieder. Zu Müllrose gehören Mixdorf,  Schernsdorf, Biegenbrück, Dubrow, Schlaubehammer, Kaisermühl, sowie das Christophorusheim an der Ragower Mühle. Gottesdienste finden in Müllrose, zweimal im Monat in Mixdorf und einmal monatlich in Dubrow statt.

Mit der Übernahme der Pfarrstelle in Müllrose durch Pfarrer Matthias Hirsch entspannte sich diese Situation und man konnte sich wechselseitig vertreten. Trotzdem hinterließ diese berufliche Belastung ihre Spuren.

Pfarrer Althausen wird nach gesundheitlichen Problemen in einem Gottesdienst am 11. Juni 2017 um 14 Uhr in Jacobsdorf feierlich aus dem Dienst verabschiedet und bezieht das Pfarrhaus in Biegen. Die Vakanzvertretung wird Pfarrer Hirsch aus Müllrose wahrnehmen.

Pfarrer Andreas Althausen

Pfarrer Andreas Althausen

Pfarrer Andreas Althausen

Pfarrer Andreas Althausen ganz rechts

Pfarrer Althausen ganz rechts am “Kreuz der Begegnung”

Das “Vater unser” auf polnisch:

Ojce nasz,

który´s jest w niebie,
´swie’c sie imie twoje;
przyid’z Królestwo Twoje,
bad´z wola Twoja, jako w niebie,

tak i na ziemi.
Chleba naszego powszedniego

daj nam dzisiaj.
I odpu´s´c nam nasze winy,

jako i my odpuszczamy naszym

winowajcom.
I nie wód’z nas na pokuszenie,
ale nas zbaw ode zlego.
Amen.

 

Spreejournal MOZ 22.12.08,
bitte anklicken zur Vergrößerung

 

Die Pfarrer in Biegen

  • um 1600     Paul Prätorius (Verwandter des Michael Prätorius oder des Paulus Prätorius ?)
  • 1618 – 1637 Prediger Friedrich Lange
  • 1637 – 1670 vac., in dieser Zeit kümmert sich der Jacobsdorfer Prediger Magister H. M. Balthasarus (Bartholomae) Lampert(us) um die Kirche
  • 1670 – 1717 Johannes Hirsekorn
  • 1717 – 1765 Samuel Grützmacher (*um 1683)
  • 1765 – 1800 Johann Friedrich Hirsekorn
  • 1765 – 1800 Johann Friedrich Hirsekorn
  • 1801 – 1817 Moritz Wilhelm Baumann  Prediger Baumann
  • 1817 – 1841 Karl August Ferdinand Wehmer
  • 1841 – 1873 Christian Gotthelf Henschker (gest. 24.3.1876 in Müllrose)
  • 1873 – 1902 Otto Ludwig Theodor Heinecke
  • 1903 – 1938 Dr. Gustav Schaumann  Dr. Schaumann
  • 1939 – 1945 Meier
  • 1946 – 1951 Walter Schubert
  • 1952 – 1960 Horst Krüger – Haye
  • 1960 – 1968 Ekkehard Runge (Beauftragter des Bibeljahres für die neuen Bundesländer 2003)
  • 1968 – 1975 Helmut Sell übernahm später die evangelische Sankt-Petri-Gemeinde Luckenwalde
  • 1975 – 1985 Wolfgang Rein
  • 1986 – 1987 in dieser Zeit kümmerte sich die Gemeindepflegerin Petra Schulz aus Jacobsdorf um die Kirchgemeinde
  • 1987 – 1998 Rita Perlwitz – Böhm
Rita Perlwitz - Böhm, Pfarrerin i.R.

mit freundlicher Genehmigung MOZ 21.9.2009
Unsere ehemalige Pfarrerin Frau Perlwitz mit ihrer Mutter Frau Edith Zühlke – auch ihr Sohn Siegfried, Bruder von Frau Perlwitz, ist bekannt, er ist unser Landesposaunenwart. Links in der Runde Frau Döbis, ohne ihre Kuchen wären die Feiern im Frauenkreis nur halb so schön.

  • 1998 – 1999 in dieser Zeit kümmert sich der Müllroser Pfarrer Johannes Simang – vor seiner Trauung hieß er noch Bernd Roggl, um die Kirchgemeinde
  • seit April 1999  Andreas Althausen

1961

06.09.1961, Einschätzung der Stimmung unter den einzelnen Schichten der Bevölkerung.

Abt. Org./Kader
Sektion Information

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung unterstützt die Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.1961.
Aus allen Bevölkerungsschichten gibt es dazu positive Stellungnahmen. Solche typischen Stellungnahmen sind:
„Wir begrüßen die Maßnahmen unserer Regierung, weil damit den Militaristen in Westdeutschland und Westberlin ein entscheidendes Halt geboten wurde.“
„Diese Maßnahmen hätten schon viel früher kommen müssen, damit wären die Menschenhändler und Spekulanten rechtzeitig unschädlich gemacht worden.“
„Die Maßnahmen von seiten unserer Regierung waren notwendig, um endlich die Störtätigkeit von Westberlin aus zu unterbinden und den sozialistischen Aufbau in unserer Republik erfolgreich zu verwirklichen.“
„Es wurde höchste Zeit, daß den Menschenhändlern in Westdeutschland und Westberlin endlich ein Riegel vorgeschoben wurde. Niemand kann tatenlos zusehen, daß gute Facharbeiter und hervorragende Wissenschaftler abgeworben werden.“

Unter der Arbeiterklasse zeigt sich, daß unter der Führung der Partei ihre Aktivität bedeutend gewachsen ist. Das drückt sich besonders darin aus, daß die Mehrheit der Arbeiterklasse die Maßnahmen von Partei und Regierung aktiv unterstützt.
Aus allen Betrieben gibt es Zustimmungserklärungen und Verpflichtungen zur Stärkung unseres Arbeiter- und Bauernstaates, zur Störfreimachung unserer Wirtschaft von den Bonner Ultras, zur Steigerung der Produktion und zum Schutze der Errungenschaften der DDR.
Im Ergebnis der Diskussion, besonders über den Deutschen Friedensplan und die Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.61 und danach, schrieben viele Brigaden und Belegschaften Briefe mit Verpflichtungen und Zustimmungserklärungen an den Staatsratsvorsitzenden Gen. Walter Ulbricht.
So haben die Hochöfner aus Stalinstadt in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden die Verpflichtung abgegeben, den Monat August zum Monat der höchsten Planerfüllung zu machen. Die Werktätigen zogen eine Zwischenbilanz und konnten berichten, daß sie ihre Verpflichtung, im August 1961 112.175 to Roheisen zu schmelzen, am 31.8.61 um 22.00 Uhr mit 115.098 to erfüllt haben.
Die „Roten Hochöfner“ gingen neue Verpflichtungen ein und beschlossen, bis zum Tag der Volkswahlen weitere 1.000 to Roheisen über den Plan zu produzieren.
Die Brigade P e h l e von der Bauunion Frankfurt-Oder gab eine Erklärung ab, in der es heißt: „Die Maßnahmen unserer Regierung sind eine Manifestation in ihrer Einheit und Geschlossenheit, ihrer Stärke und Friedensliebe. Zu den bevorstehenden Wahlen wird sich auf Grund dieser Maßnahmen das Vertrauen der Wähler zu ihren Kandidaten noch mehr festigen. Wir befürworten die Initiative des sozialistischen Lagers zum Abschluß eines Friedensvertrages. Unsere Losung ist: ‚Am 17.9.61 geben wir unsere Stimme den Kandidaten der Nationalen Front bis 9.00 Uhr.’
Unsere Verpflichtung, bis zur Wahl 40 Stunden im NAW zu leisten.“
Diese Erklärung wurde von 9 Brigademitgliedern eigenhändig unterzeichnet.
Solche Beispiele gibt es in vielen Betrieben.
Die große Bereitschaft der Arbeiterklasse kommt auch durch zahlreiche Meldungen zur Teilnahme an der Kampfgruppe, durch vorbildlichen Dienst in der Kampfgruppe, oder der Verpflichtung, die Arbeit derjenigen Kollegen zu übernehmen, die ihren Dienst in der Kampfgruppe tun, zum Ausdruck.
Das Vertrauen der Arbeiterklasse zur Partei und ihren Maßnahmen drückt sich u.a. auch darin aus, daß im Bezirk in der Zeit vom 1.8. bis 28.8.61 80 Arbeiter (ohne die Jugendlichen) um Aufnahme als Kandidat in die Partei baten.
Es gibt Anregungen durch Parteileitungen und Gewerkschaftsorgane, das Beispiel der Brigade „Krahmann“ auch in unserem Bezirk zu verallgemeinern.
Nach dem Stand vom 28.8.61 gibt es 123 Kollektive, die nach diesem Beispiel arbeiten.
Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Kreisen unterschiedlich, und die Gesamt-Bewegung geht noch schleppend voran.
Die Gründe für das Zurückbleiben auf diesem Gebiet liegen in folgendem:
a) daß eine Reihe von PO und gewerkschaftlicher Leitungen mit den Brigaden, die um den Titel „Brigade der sozialistischen Arbeit“ kämpfen, in der Vergangenheit zuwenig politisch gearbeitet haben und den Brigaden nur ungenügend Hilfe bei der Verwirklichung ihrer Verpflichtungen gaben;
b) daß sowohl in einer Reihe von Parteileitungen, als auch in den Gewerkschaftsgruppen noch keine völlige Klarheit über den politischen Inhalt und damit über die große Bedeutung der Krahmann-Bewegung besteht.
c) Noch nicht alle Leitungen haben begriffen, daß nach dem Beispiel Krahmann der Inhalt der sozialistischen Wettbewerbs wesentlich verbessert werden kann, und darauf Einfluß genommen werden kann, vorhandene Planrückstände aufzuholen und den Plan in allen seinen Teilen bis zum 17.9.61 zu erfüllen. Diese aufgezeigten Schwächen zeigen sich besonders im Bereich der IG-Metall, der IG Bau-Holz und der Gewerkschaft Druck und Papier.
Ein Teil der Arbeiter sieht in den politischen Grundfragen nicht klar.
In den Versammlungen und Aussprachen gab es Unklarheiten und zum Teil negative und feindliche Äußerungen, wie z.B.:
„Warum gleich Panzer und Stacheldraht, das wäre nicht nötig gewesen“,
„die Westmächte wollen doch auch keinen Krieg“.
Das zeigt, daß ein Teil der Arbeiter die Gefährlichkeit und Aggressivität des Militarismus in Westdeutschland unterschätzt.
Eine Ursache liegt darin, daß eine Anzahl von PO und Gewerkschaftsleitungen aus Betrieben es in der Vergangenheit noch nicht genügend verstanden, das breite politische Gespräch allseitig offensiv zu führen.

Stimmung unter den Genossenschaftsbauern.
Es gibt unter den Genossenschaftsbauern nach den Maßnahmen unserer Regierung vom 12.8.61 ebenfalls eine positive Entwicklung.
Es gibt zahlreiche positive Stellungnahmen, in denen die Maßnahmen der Partei und Regierung begrüßt werden.
Diese positive Entwicklung zeigt sich besonders bei der Einbringung der Ernte, in einer Anzahl ökonomischer Verpflichtungen, wie z.B. Steigerung der Marktproduktion, vorfristige Erfüllung der Pläne, Teilnahme am Albinshofer Wettbewerb, in der gegenseitigen sozialistischen Hilfe usw.
In einem Brief an die Brigade „Otto Krahmann“ brachten die Genossenschaftsbauern der LPG Typ 1 in Lossow, Krs. Fürstenberg, zum Ausdruck, daß sie die Initiative der Brigade auf ihre genossenschaftliche Arbeit übertragen.
Sie stellten sich das Ziel: „Unsere Meßuhr muß vorgehen.“ Die Sache der LPG muß zur Sache des ganzen Dorfes werden.
Die LPG-Bauern haben den Staatsplan in Getreide bereits erfüllt. Sie riefen alle Genossenschaftsbauern unseres Bezirkes auf, ihrem Beispiel zu folgen.
Die Genossenschaftsbauern der LPG Schulzendorf, Krs. Freienwalde, haben den Plan der Marktproduktion in Getreide mit 36.- to übererfüllt und leisten gleichzeitig sozialistische Hilfe bei der Getreideablieferung für die wassergeschädigte Gemeinde Neulowin.
Nach dem Stand vom 20.8.61 beteiligen sich 280 LPG am Albinshofer Wettbewerb.
Es zeigt sich jedoch, daß die ökonomischen Verpflichtungen überwiegen, und nur vereinzelt gibt es solche Verpflichtungen, die zur Entwicklung einer guten genossenschaftlichen Arbeit, zur Durchsetzung der innergenossenschaftlichen Demokratie und der Vergütung nach dem Endprodukt sowie zur Mitarbeit in der Nationalen Front, in der Kommission usw. beitragen.
Es ist noch nicht gelungen, den Parteieinfluß durch Schaffung von PO, Kandidatengruppen und LPG-Aktivs zu verstärken.
In 206 LPG des Typ 1 gibt es weder GO noch LPG-Aktivs.
Bei einem Teil der Genossenschaftsbauern gibt es Unklarheiten und Schwankungen:
a) bei einigen ehemaligen Groß-Bauern tritt die Tendenz des Abwartens auf, sie spekulieren, daß es noch einmal anders kommt.
b) Noch nicht alle Austrittserscheinungen sind überwunden.
c) Noch nicht allen in LPG des Typ 1 wird die genossenschaftliche Arbeit durchgeführt.
d) Es gibt Tendenzen der Zurückhaltung von landwirtschaftlichen Produkten und der Nichterfüllung der Pläne der Marktproduktion, besonders bei Getreide, wie z.B. in Friedrichswalde, Krs. Ebw. und in Manschnow, Krs. Seelow.
e) bei einem Teil der LPG-Bauern drückte sich das Wirken der RIAS-Parolen in den Angsteinkäufen aus.
Die typischen Argumente zu den Maßnahmen unserer Regierung waren die gleichen wie bei der Arbeiterklasse.
Es gab vereinzelt Beispiele, daß Genossenschaftsbauern provokatorisch auftraten.

Stimmung unter den Mittelschichten.
Die Handwerker und Gewerbetreibenden sind noch nicht allumfassend in die Wahlbewegung einbezogen worden. Erst in den letzten Tagen wurde verstärkt mit ihnen gearbeitet.
In Fortsetzung der Aussprachen mit dem Mittelstand kommt zum Ausdruck, daß auch sie immer mehr die Notwendigkeit der eingeleiteten Maßnahmen unserer Regierung erkennen. So gibt es gute Beispiele, wie die der Handwerker aus Frankfurt-Oder, die sich in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden wandten, ihre treue Verbundenheit zum Arbeiter- und Bauernstaat zum Ausdruck brachten und sich verpflichteten, zusätzliche Konsumgüter im Werte von 120.- TDM zu produzieren. Für 88,- TDM wurden Verpflichtungen für zusätzliche Reparaturen und Dienstleistungen übernommen. Hiervon wurden bereits 71 % erfüllt. Auf einem Forum brachten die Handwerker zum Ausdruck, daß sie ihre Perspektive im Sozialismus klar erkannt haben.
Auf einer Wählervertreter-Konferenz in Fürstenberg brachte der Kollege Teichert von der Maler-PGH „Drei Schilde“ zum Ausdruck, daß die Wähler gemeinsam mit ihren Abgeordneten für die sozialistische Zukunft kämpfen werden.
Mit 50.- TDM wollen die Maler in diesem Jahr ihren Produktionsplan übererfüllen.
Die PGH des dienstleistenden Handwerks unternehmen zurzeit große Anstrengungen, um Reparaturen und Dienstleistungen im Rahmen der ökonomischen Friedensfahrt, des Gütezeichens „Q“ und der tausend kleinen Dinge noch weiter zu verbessern. So wurde z.B. in Stalinstadt in allen PGH der Ministerratsbeschluß vom 12.8.61 diskutiert. Im Ergebnis der Diskussion und zur Unterstützung der Wahlen verpflichtete sich die Gruppe Schneider, für 20.- TDM zusätzlich Konfektions-Artikel, besonders Kinderbekleidung herzustellen.
Solche Beispiele gibt es auch in anderen Kreisen. Breiten Raum in der Diskussion nehmen aber nach wie vor die ökonomischen Probleme ein, wie z.B. Forderung nach Arbeitskräften, Material-Fragen usw. In den Wählervertreter-Konferenzen und Rechenschaftslegungen kam zum Ausdruck, daß die Beteiligung der Mittelschichten verhältnismäßig schwach ist und sie auch in der Diskussion ungenügend auftraten. Das ist ein Ausdruck dafür, daß die KL der Partei, die Ausschüsse der Nationalen Front, die Organe der staatlichen Verwaltung und die Block-Parteien noch nicht genügend das politische Gespräch mit den Angehörigen des Mittelstandes entwickelt haben.
Der Einfluß der Partei durch die Grundorganisationen und ein Einfluß der Gewerkschaften ist in den PGH noch schwach entwickelt.
Ein großer Teil der Einzelhändler verhält sich passiv und abwartend. Provokatorische Äußerungen traten nur vereinzelt auf.
So brachte z.B. der Schreibwarenhändler Rischke aus Frankfurt-Oder zum Ausdruck: „Wenn wir freie Wahlen in ganz Deutschland zulassen würden, dann wäre die Gefahr gebannt.“
Das Argument der freien Wahlen trat besonders unter den Angehörigen der Mittelschichten auf.

Stimmung unter der Jugend
Die Arbeit unter den Jugendlichen hat in der letzten Zeit einen größeren Aufschwung genommen. Das ist besonders darauf zurückzuführen, daß mit dem Kampfaufruf des Zentralrates der FDJ und in Vorbereitung der Wahlen durch die PO und durch die FDJ-Grundeinheiten eines größere Aktivität zu verzeichnen ist.
Der aktive Kern der FDJ leistet bei der Durchführung des Kampfaufrufes eine große Arbeit.
Die Durchführung des Aufgebotes hat gezeigt, daß es dort Erfolge gibt, wo wir richtig mit der Jugend darüber sprechen.
Die Mehrheit der Jugendlichen stellen sich auf die Seite unseres Arbeiter- und Bauernstaates. Das drückt sich vor allem in der Bereitschaft zur Verteidigung unserer Republik aus. Mit dem Stand vom 30.8.61 haben bisher 1.055 Kampfappelle der FDJ stattgefunden (in 90,4 % aller Grundeinheiten.)
An diesen Kampfappellen haben 29.585 Freunde teilgenommen.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurden 3.356 Jugendliche für den Dienst in den bewaffneten Organen unserer Republik gewonnen. Davon sind 637 Reservisten und 37 hauptamtliche Funktionäre.
Vom 13.8.61 bis 28.8.61 baten 274 Jugendfreunde um Aufnahme in die Partei der Arbeiterklasse.
Viele Jugendliche stellten sich auch den Ordnungsgruppen oder den Kampfgruppen zur Verfügung.
Die Bereitschaft der Jugendlichen drückt sich auch in vielen ökonom. Verpflichtungen in Industrie und Landwirtschaft und in der Teilnahme zur Bergung der Ernte aus.
Die Brigade des Jugendhochofens 4 in Stalinstadt verpflichtete sich, den Monat August 1961 mit 400,– to über den Staatsplan abzurechnen.
Die Jugendlichen der LPG Döbberin, Krs. Seelow, wollen dafür sorgen, daß ihre LPG täglich 250 kg Milch mehr abliefert.
Im Krs. Bernau waren am vergangenen Wochenende 318 Jugendfreunde zur Bergung der Ernte in den LPG tätig.
Solche Beispiele gibt es in allen Kreisen.
Viele Jugendliche wandten sich in Schreiben und Zustimmungserklärungen an den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, wie z.B. die Studenten der Forstfakultät Eberswalde, die ihre Treue zum Arbeiter- und Bauernstaat zum Ausdruck brachten, wobei sich 34 Studenten sofort bereit erklärten, ihren Dienst in der NVA aufzunehmen. Die Studenten verpflichteten sich weiter, ihre Stimme am 17.9.61 bis 9.00 Uhr […]
Oder die Jugendlichen der MTS-Spezialwerkstatt Müncheberg, wo sich 36 sofort bereit erklärten und 33 nach Abschluß ihrer Lehre ihren Dienst in der NVA aufnehmen.
Die mit den Jugendlichen geführten Aussprachen zeigen aber auch, daß ein Teil von ihnen noch nicht den Kampfaufruf des Zentralrates der FDJ verstanden hat, daß sie keinen Klassenstandpunkt haben.
Im Vordergrund der Ablehnung des Eintrittes in die bewaffneten Organe stehen im wesentlichen solche Argumente:
– Der Eintritt in die bewaffneten Organe schränkt unsere persönliche Freiheit ein –
– freiwillig gehen wir nicht, führt die Wehrpflicht ein, dann sind wir bereit –
– wir nehmen keine Waffe in die Hand, denn wir wollen nicht auf Verwandte schießen, wenn alle Arbeiter kein Gewehr in die Hand nehmen, kann niemand Krieg führen. –
Diese Argumente resultieren hauptsächlich daraus, daß viele Jugendliche die Gefährlichkeit des westdeutschen Militarismus unterschätzen, dem Einfluß des Klassengegners durch RIAS- und Westfernsehen ausgesetzt waren, ihnen die Erfahrungen des Klassenkampfes fehlen und sie diese Erfahrungen in der Vergangenheit durch die ältere Generation nur ungenügend vermittelt erhielten.
Das zeigt, daß die klassenmäßige Erziehung der jungen Generation noch nicht in Ordnung ist.
Wir sind in der klassenmäßigen Erziehung über den Rahmen des sozialistischen Jugendverbandes im wesentlichen nicht hinausgekommen.
Bei vielen Jugendlichen sind die Begriffe – Patriotismus, Freiheit, Vaterland – u.a. klassenmäßig nicht klar.
In einigen Aussprachen mit Jugendlichen gab es feindliche Auffassungen.
So sagte der Ing.-Praktikant Prochnow von der Fa. Beuchelt u. Co. in Frankfurt-Oder zum Eintritt in die NVA: „So etwas kommt für mich gar nicht in Betracht. Ich bin hochqualifizierter Facharbeiter, wo bleibt die Hilfe des sozialistischen Lagers? Soll doch die SU helfen, dann brauchen wir das nicht zu tun.“
Der Jugendfreund Ewald, erweiterte Oberschule Eberswalde, sagte in der Mitgliederversammlung der FDJ. „Als Sohn eines Intelligenzlers bin ich über die Zwangsmaßnahmen der FDJ empört. Was hat das mit Überzeugung und Freiheit, die uns laut Verfassung garantiert sein soll, zu tun, wenn Ordnungsgruppen der FDJ Koffer-Radios von Jugendlichen vernichten, die auf den Straßen Westsender hören.
Ich kann dem Staat mehr bei einer wissenschaftlichen Arbeit, zu der ich mich berufen fühle, geben, als bei den bewaffneten Kräften.“
Der Jugendfreunde Buggisch aus Seelow: „Ich gehe nicht zur Armee, und wenn Ihr mich einsperrt. Macht eine Stunde die Grenze auf, und ich bin weg.“
Im Kraftwerk Finkenheerd legten einige FDJ’ler während der Diskussion über den Eintritt in die NVA ihr FDJ-Dokument auf den Tisch und erklärten ihren Austritt. So z.B. der Jugendfreund Klaus Herta, der dazu sagte: „Provokateure kann ich nicht prügeln, deshalb bin ich mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden. Ich bind nicht bereit, zur NVA zu gehen und möchte auch nicht mehr Mitglied der FDJ sein.“
In einigen Fällen zeigt sich, daß verantwortliche Funktionäre sich nur ungenügend mit den Problemen der Jugend und der Jugendlichen befassen.
So äußerte sich z.B. der Direktor der Papierfabrik Schwedt, Gen. Kluge, als sich der FDJ-Sekretär an ihn wandte: „Ich habe keine Zeit, komm am Montag wieder.“
In der Mitgliederversammlung der FDJ in den Mühlenwerken Müllrose, auf der der Betriebsleiter Gen. Jurk zu den Jugendlichen sprach, wurde er vom Parteisekretär unterbrochen, der u. a. sagte: „Ich habe schon früher 12 Stunden gearbeitet, und muß es auch heute noch. Auch die Waffen, welche bei uns hergestellt werden, schießen westdeutsche Arbeiter tot. Diese Arbeiter kämpfen auch nur um das tägliche Brot.“
Auf Grund dieser Diskussion konnte auch kein Ergebnis bei den Jugendlichen erzielt werden. Die durchgeführten Jungwählerversammlungen zeigen, daß man größeren Wert auf eine richtige politische Vorbereitung legen muß.
In den Gemeinden Gosen und Falkenberg, Krs. Fürstenw., sind die Jungwählerversammlungen ausgefallen.

Stimmung unter der Intelligenz
Von allen Teilen der Intelligenz hat die Mehrzahl der Angehörigen der techn. Intelligenz eine klare Position zu den Maßnahmen unserer Regierung vom 13.8.61.
Diese klare Position kommt in öffentlichen Stellungnahmen und in einer engen kameradschaftlichen Zusammenarbeit mit den Arbeitern zur Störfreimachung unserer Wirtschaft und zur Planerfüllung zum Ausdruck.
In vielen Betrieben arbeiten Angehörige der techn. Intelligenz gemeinsam mit den Arbeitern in den sozialistischen Gemeinschaften.
Seit dem 13.8.61 wurden weitere sozialistische Arbeitsgemeinschaften mit einer klaren Aufgabenstellung gebildet.
So beschleunigt z.B. eine Arbeitsgemeinschaft im Halbleiterwerk Frankfurt (Oder) die Überleitung von Neuentwicklungen in die Produktion.
Vereinzelt zeigt sich bei einem Teil der Angehörigen der techn. Intelligenz eine abwartende Haltung. Das trifft z.B. für die Intelligenz im VKB Kranbau Eberswalde zu.
Ein Teil der Angehörigen der techn. Intelligenz zeigt eine ablehnende Haltung. Das drückt sich in solchen Argumenten aus wie: „Die Maßnahmen der Regierung sind zu hart, die Westmächte wollen doch auch keinen Krieg.“
„Was ist das für eine Freiheit, wenn Stacheldraht durch Berlin gezogen wird und wir nicht mehr ungehindert dort hinfahren können.“
Von der wissenschaftlichen Intelligenz liegen ebenfalls einige positive Stellungnahmen vor, wie z.B. von Prof Dr. Gillwald und Dr. Jeuthe von der Forstfakultät Eberswalde.
In einer Parteiversammlung vor dem 13.8.61 gab es hier in der Diskussion zum Deutschen Friedensplan große Unklarheiten und zum Teil feindliche Auffassungen.
Viele Angehörige der med. Intelligenz, wie die Seelower Ärzte, wandten sich in einem Schreiben an den Genossen Walter Ulbricht und brachten ihr Vertrauen und die Anerkennung für die von der Regierung der DDR veranlaßten Maßnahmen zur Sicherung des Friedens zum Ausdruck.
Auf einem Forum im Klub der Intelligenz in Eberswalde wurde lebhaft und mit großer Gründlichkeit über die Lebensfragen der Deutschen Nation diskutiert.
Der Eberswalder Arzt, Dr. med. Zwerg, der vor einiger Zeit aus Westdeutschland in die DDR übersiedelte, überzeugte die Gesprächsteilnehmer durch eine klare Beweisführung.
Aus eigener Kenntnis der Dinge stellte er den Charakter des militaristischen Bonner Staates dar und verwies auf die seit Jahren betriebene psychologische Kriegsvorbereitung. Er betonte, daß er ebenfalls nach Bekanntwerden der Maßnahmen unserer Regierung eine zeitlang Zweifel hatte, heute aber überzeugt sei, daß diese Maßnahmen notwendig sind, weil sie dem Frieden nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt dienen.
Im wesentlichen trifft diese Einschätzung auch für die veterinär-med. Intelligenz zu. Dabei zeigt sich, daß viele von ihnen bereits in sozialistischen Arbeitsgemeinschaften mit Genossenschaftsbauern und Angehörigen der Land-Intelligenz (Agronomen u.a.) eng zusammenarbeiten.
Es gibt eine Reihe von Angehörigen der med. Intelligenz, die sich jeder politischen Stellungnahme enthalten und nur ihre fachliche Arbeit sehen.
So erklärte der Dr. Lichtenstein, Bernau: „Ich möchte mich nicht zu Dingen äußern, die ich nicht beurteilen kann. Wenn die Regierung solche Maßnahmen beschließt, dann wird sie, so wollen wir hoffen, ihren Grund dafür haben.“
Ein weiterer Teil der med. Intelligenz bringt in Gesprächen und Diskussionen ihre Ablehnung zu den Maßnahmen der Regierung zum Ausdruck. So z.B. Dr. Lehnert vom Landambulatorium Letschin, Kreis Seelow, der sagte: „Es ist doch eine verdammte Schweinerei, daß mitten durch Berlin Stacheldraht gezogen wird und Betonpfähle errichtet wurden. Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun und ist eine Behinderung der persönlichen Freiheit der Bürger.“
Ein offenes, feindliches Auftreten zeigt auch der Ehem. Gen. Dr. Holz vom Bezirkskrankenhaus Frankfurt (Oder) in einer Gewerkschaftsversammlung. Er brachte sinngemäß folgende Argumente: „Unsere Wahlen sind nicht demokratisch, freie Wahlen mit gesamtdeutscher Liste wären angebracht. Bei uns geht alles drunter und drüber. Die Pläne werden nicht erfüllt, weil unfähige Menschen an leitenden Stellen sitzen. R.-Fluchten wären darauf zurückzuführen, daß die Menschen sich für ihr Geld nicht das kaufen können, was sie wollen.“
Holz wurde inzwischen aus der Partei ausgeschlossen.
In einer Auseinandersetzung mit Dr. Holz in einer Gewerkschaftsversammlung distanzierten sich alle Schwestern von der Haltung und Meinung Dr. Holz. Sie brachten u.a. zum Ausdruck, daß sie bisher eine hohe Meinung von seinem fachlichen Können hatten, aber tief erschüttert sind über seine Haltung zu den wichtigsten Fragen unserer Politik. Alle Schwestern verurteilten das Verhalten als unmoralisch und unverantwortlich. Am Schluß dieser Beratung unterschrieben alle eine Erklärung, in der sie ihre Treue zur DDR zum Ausdruck brachten und sich verpflichteten, durch vorbildliche Arbeit auf der Station dieses zu beweisen.
In den letzten Tagen fanden in allen Kreisen Parteiaktivtagungen mit allen Genossen Lehrern und Kreislehrer-Konferenzen zur Vorbereitung des neuen Schuljahres statt. Es zeigt sich, daß der überwiegende Teil der Lehrer in die Wahlbewegung einbezogen wird.
Es liegen zahlreiche Treue-Bekenntnisse zur Republik und den Maßnahmen unserer Regierung aus den Kreisen der Lehrer vor. Auf den Kreis-Lehrer-Konferenzen wurde zu den politischen Fragen Stellung genommen, in deren Ergebnis Willenserklärungen abgegeben wurden, die Verpflichtungen zur Verteidigung der Heimat, des Einsatzes der Lehrer zu Wahlen, der gründlichen Vorbereitung und Durchführung des neuen Schuljahres sowie die Gewinnung von Jugendlichen zur NVA beinhalten.
Bei einigen Lehrern gab es Schwankungen und Zurückhaltungen. Auf der Kreislehrer-Konferenz in Fürstenwalde wurde eine Entschließung zur Diskussion gestellt, wonach sich alle Lehrer im Alter von 18 – 23 Jahren verpflichten, ihren Ehrendienst in der NVA abzuleisten, und die Älteren, an Reservisten-Lehrgängen teilzunehmen.
Trotzdem in den Diskussionen dazu keine Stellung genommen wurde, zeigte sich bei der Abstimmung, daß 5 Lehrer dagegen stimmten, die an der Oberschule 1 in Fürstenw. tätig sind.
Auf der Aktivtagung der Lehrer in Beeskow wurde zu den Maßnahmen der Regierung vom 12.8.61 in der Diskussion überhaupt nicht gesprochen.
Die Arbeit mit der Intelligenz durch die N.F. hat sich in den letzten Tagen verstärkt. Es wurden größere Anstrengungen unternommen, um alle aus der pol. Situation auftauchenden Fragen zu klären.
Trotzdem ist die Anzahl der Aussprachen und ihr Ergebnis noch nicht befriedigend.

Christliche Kreise:
Einige Pfarrer und christliche Persönlichkeiten unseres Bezirkes gaben positive Stellungnahmen zu den Maßnahmen unserer Regierung ab und stellen sich hinter den Wahlaufruf der Nationalen Front, wie z.B. die Pfarrer Buttgereit – Freienwalde, Philipp – Alttrebbin, Kreis Seelow, Müller – Fürstenberg, Prediger Rinder – Frankfurt (Oder), Kollege Boesel, Leiter der Industrie und Handelskammer im Bezirk.
Durch Aussprachen mit christlichen Bevölkerungskreisen wurden einige Erfolge erreicht.
Beispielsweise nahmen Studenten der DASR „Walter Ulbricht“ an einer Aussprache im Internat des evgl. Krankenhauses Woltersdorf teil, klärten eine Reihe auftretender Fragen und konnten feststellen, daß die Teilnehmer zum Abschluß für die Erhaltung des Friedens und die Obrigkeit, denen sie Untertan seien und deren Willen sie auszuführen bereit seien, beteten.
Aus allen Kreisen mehren sich die Beispiele dafür, daß Pfarrer gegen die Wahl arbeiten, indem sie z.B. die Kandidatur von Kirchenratsmitgliedern verhindern, die Teilnahme der christlichen Bevölkerung an Wahlveranstaltungen durch zur gleichen Zeit angesetzte Gottesdienste u.a. kirchliche Veranstaltungen einschränken und durch teilweise versteckte oder offene Stimmungsmache gegen die Wahl die christliche Bevölkerung beeinflussen.
Einige Pfarrer sind offen reaktionär.
So sagte z.B. der Pfarrer aus Oderberg in einer Predigt sinngemäß: „Früher trugen viele die Braunhemden, die haben sie alle ausgezogen. Jetzt haben schon einige das rote Hemd ausgezogen, es werden noch mehr werden.“
Superintendent Boche aus Eberswalde erklärte: Panzer und Konzentrationen von Soldaten an den Grenzen hätten noch nie zu einer friedlichen Lösung von Konflikten geführt. Die Maßnahmen seien übereilt, und als Christ könne er sie nicht gutheißen. Der 13.8.61 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte des deutschen Volkes.
Superintendent Wachholz aus Frankfurt (Oder) brachte in seiner Predigt am 13.8.61 eine offene Hetze gegen den Genossen Walter Ulbricht zum Ausdruck und bezeichnete Hitler und Eichmann als unschuldig.
Dieser Beeinflussung entsprechend sind die streng christlichen Bevölkerungskreise noch sehr zurückhaltend in der Wahlvorbereitung.
Eine Einschätzung der Tätigkeit der jungen Gemeinde ist nicht möglich, da uns hierüber Informationen überhaupt nicht vorliegen.

In den letzten Tagen zeigte sich, daß durch die politische Aktivität der Partei, besonders durch die Ansprachen des Gen. Walter Ulbricht, unter allen Schichten der Bevölkerung in vielen Fragen Klarheit geschaffen wurde.
Viele Menschen, die zu Beginn der Maßnahmen unserer Regierung am 13.8.61 zweifelten oder Unklarheiten äußerten, erkennen heute die Zusammenhänge schon besser und äußerten sich positiv.

Verteiler:
Gen. Mückenberger
Gen. Held
Gen. Rehner
Gen. Buchholz
Gen. Leppin
Gen. Meyer
Gen. Kipsch
Gen. Meier, ZK
Gen. Preuss
Gen. Henze, S.
Gen. Gräfrath, Agit.Prop.
Information

Quelle : ZIS – Zeitgeschichte Informations System